Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Für ein Mus aus Rahm mach es so: Nimm Rahm (süße Sahne) und zehn Eigelb dazu.
Schmalz soll man dazunehmen und es einsieden lassen - so möge es den Leuten wohl gefallen.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| milich ram | Rahm (Sahne) | - | - |
| zehen ayr totter | 10 Eigelb | - | - |
| schmalcz | Schmalz | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein neutrales, ungesüßtes Rahm-Eigelb-Mus: Rahm und zehn Eigelb werden mit Schmalz auf dem Feuer eingekocht, bis die Masse dick eindickt. Es ist die ungesüßte, ungewürzte Vorstufe dessen, was heute als Eier-Sahne-Legierung bekannt ist. Näher verwandt ist es mit der Schwester mha-029 (Eidotter-Wein-Creme: dieselbe Grundtechnik aus Eigelb, Fett und langsamer Hitze ohne Gerinnen, dort mit Wein statt Rahm und gesüßt) und dem Cross-Book-Twin m5919-088 (Eier-Mus mit Wein statt Rahm), das für eine sehr ähnliche Masse ausdrücklich vor starkem Aufkochen warnt.
Hitzeführung. Der Text sagt nur, man solle es 'ab sieden' - einkochen, bis es eindickt -, ohne einen Hitzegrad zu benennen. Wörtlich genommen meint das ein echtes Sieden; zehn rohe Eigelb in einer siedenden Rahm-Schmalz-Masse bergen dabei ein hohes Gerinnungsrisiko, das der Text selbst nicht anspricht.
Praxis. Rahm mit Schmalz erwärmen, die Eigelb einrühren und unter gelegentlichem Rühren bei sehr milder, indirekter Hitze (etwa im Wasserbad oder am Topfrand der Glut) einkochen, bis die Masse dick bindet - entscheidend ist dabei die milde Hitze, denn zu starkes Kochen lässt das Ei ausflocken, auch wenn man rührt. Das Rezept nennt weder Zucker noch Salz - ein neutraler, reichhaltiger Brei, den man je nach Anlass mit einer Prise Salz oder etwas Honig nachwürzen kann.
Das Original nennt weder Zucker noch Salz oder Gewürze - es ist ein neutraler, reichhaltiger Rahm-Ei-Brei. Historisch war es üblich, solche schlichten 'Mus'-Gerichte je nach Anlass mit einer Prise Salz oder etwas Honig/Zucker nachzuwürzen, das bleibt aber Ermessenssache.
Bedingt. Rahm, Eigelb und Schmalz brauchen keinen Ofen, das Gericht ist in einem Topf über dem Feuer in rund 20 Minuten fertig. Allerdings sind roher Rahm und rohes Eigelb nicht haltbar und müssen kühl vorgehalten werden - das Mus wird frisch zubereitet und direkt gegessen, nicht auf Vorrat gekocht. Zudem verlangt die Zubereitung eine milde, gleichmäßige Hitze, sonst gerinnt das Eigelb.
Schmalz meint hier tierisches Bratfett (typischerweise Schweineschmalz), das der Rahm-Ei-Masse Reichhaltigkeit und Bindung gibt. Es gibt im Text keinen Hinweis auf eine Fastenzeit, daher ist die wörtliche Lesart als tierisches Fett hier eindeutig.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
'Mus' meint hier einen sämig eingekochten Rahm-Ei-Brei, keinen süßen Obstbrei im modernen Sinn. In Meister Hans' Kochbuch kann 'muoz' auch Pfannenspeise bedeuten, hier fehlt aber Mehl, weshalb es ein löffelfähiger Brei bleibt.
'Absieden' heißt einkochen bzw. abkochen, bis die Flüssigkeit eindickt. Der Text nennt selbst keine Hitzestufe - eine Angabe wie 'bei milder Hitze' steht nicht im Original.
Von mhd. 'liut/liute' = die Leute. Der Koch schließt das Rezept mit der Hoffnung, dass die Speise den Gästen schmeckt.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
ab sieden (Hitzeführung)
Gewählte Lesart: Der Wortlaut meint ein echtes Sieden/Kochen ('ab sieden') über der Flamme, wie es im Transkript wörtlich steht - eine Hitzestufe wird nicht genannt.
Andere mögliche Lesart:
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