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Gebratener Fisch im Zwiebelsud

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 7/10
Zubereitungszeit45 Min.Portionen4 PersonenBuchKochbuch des Meisters Hans (~1460)

Schuppe Hecht und Hausen, schneide sie in Stücke und brate sie an einem Spieß. Sind sie gar gebraten, so lass sie in dem Zwiebel-Condiment aufwallen, das zuvor im Buch bei den Zwiebeln beschrieben steht.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
hecht Hecht Fischhändler, Wochenmarkt -
hausen Hausen (Stör) ⚠ Wildfang ist streng geschützt (CITES) und nicht erhältlich - Zuchtstör bei spezialisierten Fischhändlern oder online Wels-Filet oder ersatzweise mehr Hecht
Condiment das dauor geschriben stet von den zwiffalen Zwiebel-Würzsud - Eine einfache Zwiebel-Essig-Würze aus angeschwitzten Zwiebeln, Essig und Gewürzen als Behelfslösung

Welches Gericht ist das? Fisch wird am Spieß gebraten und danach in eine bereits vorbereitete Zwiebel-Würzsauce (das "Condiment") getaucht und aufgewallt. Das ist die Grundform von gebratenem Fisch mit warmer Zwiebelsauce, wie sie bis heute in süddeutschen, österreichischen und weiteren mitteleuropäischen Regionalküchen verbreitet ist. Bei essigbetonter Basissauce wäre auch eine losere Verwandtschaft zum bis heute bekannten norddeutschen Brathering (gebratener Fisch, kalt in Zwiebel-Essig-Sud gezogen) denkbar - unverifiziert, da die referenzierte Zwiebelsauce selbst im erhaltenen Korpus nicht vorliegt.

Czwiffaln. Die CoReMA-Sachglosse verlinkt den Begriff eindeutig mit Zwiebeln (Wikidata Q3406628); eine Verwechslung mit "zweifeln" scheidet im Sauce-Kontext aus.

Erwallen. Der gebratene Fisch wird noch einmal im Zwiebel-Condiment erhitzt (Wurzel "wallen" = sieden), nicht nur darin eingeweicht. Eine Zeitangabe steht im Transkript nicht - dass es sich um ein kurzes Erhitzen handelt, ist eine praktische Vermutung, kein Textbeleg.

Praxis. Hecht (oder ersatzweise noch mehr Hecht statt Hausen, da Wildfang streng geschützt ist) schuppen, in Stücke teilen und auf einen Spieß stecken - der Text nennt keine Feuerstelle im Detail, doch bei Spießbraten ist eine offene Feuerstelle die naheliegende, textlich aber nicht belegte Voraussetzung. Fischstücke fallen dabei anders als ein ganzer Fisch leicht auseinander und trocknen an den Rändern schneller aus als sie innen gar werden; ein Fischkorb oder ein Spießgitter sowie sorgfältiges Wenden sind praktisch hilfreich, auch wenn der Text dazu nichts sagt. Ist der Fisch gar gebraten, wird er noch einmal in der zuvor vorbereiteten Zwiebel-Würzsauce erhitzt - das gleicht die Trockenheit des Spießbratens plausibel aus, indem es Feuchtigkeit und Würze zurückgibt, auch wenn dieser Zusammenhang im Text selbst nicht benannt wird.

Wo bekomme ich Hausen (Stör)?

Der wilde Hausen ist in Europa ausgestorben und weltweit streng geschützt (CITES) - ein Kauf von Wildfang ist nicht möglich. Zuchtstör wird jedoch legal von spezialisierten Fischhändlern und Aquakultur-Betrieben angeboten, oft online. Wer darauf verzichten will, nimmt einfach mehr Hecht oder ersetzt den Hausen durch Wels-Filet.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, gut machbar. Fisch am Spieß braten ist klassische Lagerküchen-Praxis, auch wenn frischer Fisch nicht lagerfähig ist und am Anreisetag besorgt werden muss. Die Zwiebelsauce lässt sich vorab ansetzen und beim Servieren mit dem Fisch aufwallen lassen.

Was bedeutet der Verweis 'das zuvor geschrieben steht'?

Das ist ein Querverweis innerhalb des Kochbuchs: die eigentliche Zubereitung des Zwiebel-Condiments wird nicht wiederholt, sondern auf ein früher im Buch stehendes Rezept verwiesen. Solche Verweise sind typisch für Rezeptsammlungen dieser Zeit, die eher als Gedächtnisstütze für erfahrene Köche denn als vollständige Anleitung für Laien gedacht waren.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.

Ain Condiment zue vischen von den Czwiffaln . Item Schupp hecht hausen zue stucken prat sy an einem spiss So sie sind gar gepraten So lass sy erwallen In dem Condiment das dauor geschriben stet von den zwiffalen .
Condiment

Würzsud oder Würzsauce, in die der fertig gebratene Fisch getaucht und aufgewallt wird. Das Rezept verwendet durchgehend die Grundform "Condiment" - keine Diminutivform.

hausen

Hausen (Huso huso), der Europäische Hausenstör. In Deutschland als Wildfisch ausgestorben, heute CITES-geschützt. Nur Zuchtware ist legal erhältlich.

gepraten

Partizip von 'praten' = gebraten, nicht zu verwechseln mit dem Substantiv 'Brät' (Fleischmasse).

erwallen

Aufwallen/Erhitzen lassen - der Fisch wird nach dem Braten noch einmal im heißen Würzsud erhitzt, bevor er serviert wird.

spiss

Bratspieß - der Text nennt keine Feuerstelle im Detail, nur den Spieß selbst.

Handschrift
Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch
Folio
Fol. 035r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)
Entstehung
Württemberg / Basel, 1460
CoReMA

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 035r, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Frischen Fisch morgens kaufen und am Spieß braten, bis er gar ist - eine Zeitangabe nennt der Text nicht. Die Zwiebelsauce lässt sich im Topf vorbereiten und beim Servieren mit dem Fisch aufwallen lassen.
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