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Runde Mandel-Dotter-Küchlein

München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632 · Rott am Inn, Oberbayern · 1460

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9.3/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit25 Min.Portionen2-4 PersonenBuchKlosterkochbuch Rott am Inn (Clm 15632) (~1460)

Nimm geschälte Mandeln und stoße sie in einem Mörser fein. Wenn du möchtest, reibe ein wenig Weißbrot darunter.

Forme die Masse zu runden Küchlein in einer Pfanne und setze die warmen Eigelbe darauf. Wenn du das Gericht anrichten willst, gieße heißes Schmalz darüber und seihe es danach wieder ab.

Serviere die Küchlein auf diese Weise.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
geschelten mandel Geschälte Mandeln Supermarkt (Backregal) -
weyß protz Weißbrot (optional) - Semmelbrösel
warmen toter Warme Eigelbe - -
hayß schmaltz Heißes Schmalz Metzger, Supermarkt Pflanzenöl (für eine vegetarische Variante)

Welches Gericht ist das? Ein feines Mandel-Küchlein mit Eigelb - eine marzipanartige Mandelmasse, rund geformt, mit warmem Eidotter belegt und mit heißem Schmalz übergossen. Verwandt mit den Mandelmus-Zubereitungen der Zeit (vgl. das Mandelmus rfk-017).

Technik. Geschälte Mandeln im Mörser fein zerstoßen, nach Belieben etwas geriebenes Weißbrot unterarbeiten (das gibt Stand). Die Masse in der Pfanne zu runden (sinbel = sinwel, rund) Küchlein formen und je einen warmen Eidotter daraufsetzen. Zum Anrichten heißes Schmalz darübergießen und gleich wieder abseihen.

Wozu das heiße Schmalz? Das übergossene Fett gart Dotter und Mandelmasse kurz und gibt Glanz; das Abseihen nimmt das überschüssige Fett wieder weg, damit das Küchlein nicht zu schwer wird. Ein Finish-Schritt, kein Einlegen oder Konservieren.

Praxis. Etwa 150 g gemahlene Mandeln mit 1-2 EL eingeweichtem, ausgedrücktem Weißbrot zu einer formbaren Masse verkneten, kleine runde Laibchen formen, je ein gegartes Eigelb auflegen, mit heißem Butterschmalz übergießen und sofort abtropfen lassen. Süß oder als feine Beilage.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind robust oder können vorbereitet mitgebracht werden (gemahlene Mandeln). Eier und Schmalz benötigen eine Kühlkette, sind aber für ein bis zwei Tage im Kühlakku oder einer Kühlbox haltbar. Die Zubereitung ist schnell und unkompliziert am offenen Feuer möglich.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Klosterkochbuch Rott am Inn' (Clm 15632), einer Handschrift aus dem Benediktinerkloster Rott am Inn, datiert auf die Jahre 1458 und 1464. Es ist ein Beispiel für die bayerische Klosterküche des Spätmittelalters, in der Mandeln eine große Rolle spielten.

Was ist ein ‚Mörser' und brauche ich einen Mörser und Stößel?

Im mittelalterlichen Kochkontext war ein Mörser oft ein großes, schweres Gefäß aus Stein oder Metall, das zum Zerstoßen von Zutaten wie Mandeln, Nüssen oder Fleisch zu einer feinen Paste verwendet wurde. Für dieses Rezept kannst du fertig gemahlene Mandeln verwenden; alternativ funktioniert ein Blender oder eine Küchenmaschine sehr gut.

Warum wird das heiße Schmalz nach dem Übergießen wieder abgeseiht?

Das Übergießen mit heißem Schmalz gart Dotter und Mandelmasse und gibt Glanz; das anschließende Abseihen nimmt das überschüssige Fett wieder weg, damit das Küchlein nicht zu schwer wird. Es ist also ein Finish-Schritt, keine Konservierung.

Item nym geschelten mandel vnd stoß den in einem morser vnd ob du wilt so reyb ein wenig weyß protz darvnder vnd machs sinbel in ein pfannen vnd setz die warmen toter dar ein vnd wan du wilt an richten so gewß hayß schmaltz dar auff vnd seych daz darnach wider ab vnd gibs also ze essenn
morser

Ein großer Mörser, wie er im Mittelalter üblich war, diente zum Zerstoßen von Mandeln, Nüssen oder Fleisch zu einer feinen Paste. Für moderne Nachkocher ist eine Küchenmaschine oder ein Blender eine gute Alternative.

sinbel

Aus dem Mittelhochdeutschen ‚sinewel', bedeutet ‚rund' oder ‚kugelig'. Die Küchlein sollen also eine runde Form erhalten.

toter

Mittelhochdeutsch für ‚Dotter', also das Eigelb. Es wird warm auf die geformten Mandel-Küchlein gesetzt.

seych daz darnach wider ab

Das heiße Schmalz wird über das Gericht gegossen (es gart und glänzt) und anschließend wieder abgeseiht, damit das Küchlein nicht zu fett wird - ein Finish-Schritt, keine Konservierung.

Handschrift
München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632
Folio
Fol. 146r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch, Benediktinerkloster Rott am Inn, 1458/1464)
Entstehung
Rott am Inn, Oberbayern, 1460

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartprotz

Gewählte Lesart: Die Lesart 'Brot' oder 'Weißbrot' wurde gewählt, da der Kontext 'reib ein wenig weyß protz darvnder' auf eine Zutat zum Reiben hindeutet, die die Konsistenz beeinflusst.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine alternative Lesart könnte 'Brösel' (Semmelbrösel) sein, da dies eine häufige Zutat zum Binden oder Andicken in mittelalterlichen Rezepten ist. - Im Bairischen gab es Varianten von 'Brot' und 'Brösel', die ähnlich klingen konnten. 'Protz' könnte eine verkürzte Form oder ein regionaler Dialektbegriff für Brösel sein, was ebenfalls gut zum Reiben passen würde.

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 146r, Bayerische Staatsbibliothek München, Clm 15632 (Rott am Inn, 1458/1464); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. M10 (München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Die Zubereitung ist mit wenigen Utensilien (Pfanne, Mörser oder Schüssel) am offenen Feuer in etwa 30 Minuten machbar. Eier und Schmalz benötigen eine Kühlkette, können aber am Markttag frisch gekauft oder gut gekühlt mitgebracht werden. Gemahlene Mandeln und altes Brot lassen sich problemlos transportieren.
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