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Mus von Lunge

München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632 · Rott am Inn, Oberbayern · 1460

LagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit60 Min.Portionen2-4 PersonenBuchKlosterkochbuch Rott am Inn (Clm 15632) (~1460)

Wer ein gutes Mus aus Lunge zubereiten möchte, der nehme die Lunge. Reibe Brösel darunter und würze es danach ab.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
lungel Lunge Metzger Rinder-, Kalbs- oder Schweinelunge
prosen Brösel Supermarkt Semmelbrösel
gewurtz Gewürze - Pfeffer, Ingwer, Salz

Welches Gericht ist das? Ein schlichtes Lungenmus (gemüeß von lungel) - gekochte Lunge, fein zerkleinert, mit Semmelbröseln gebunden und gewürzt. Eine der einfachen Innereien-Resteküchen des Spätmittelalters; verwandt mit anderen Lungengerichten wie den frittierten Lungenbällchen koe-008 und der Lungen-Hirn-Wurst rfk-028.

Technik. Die Lunge (Rind, Kalb oder Schwein) erst weich kochen, dann fein hacken. Semmelbrösel (prosen = Brotkrumen, kein Mehl) unterreiben - sie binden die Masse zu einem sämigen Mus -, danach mit Pfeffer und Ingwer abschmecken.

Praxis. Gekochte Lunge sehr fein hacken oder wolfen, mit eingeweichten oder trockenen Semmelbröseln und etwas Brühe zu einem streichfähigen Mus verrühren, kräftig würzen. Als herzhafte, günstige Beilage oder Brotaufstrich.

Was bedeutet 'prosen' in diesem Rezept?

'Prosen' sind Brösel oder Brotkrumen, die als Bindemittel und zur Texturgebung in das Lungenmus gerieben werden. Sie wurden aus altbackenem Brot hergestellt und waren ein gängiges Mittel, um Speisen anzudicken oder zu strecken.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Lunge muss frisch sein und gekühlt werden, aber die Zubereitung ist einfach und schnell am Feuer in einem Topf möglich. Eine Reibe für die Brösel ist hilfreich.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Klosterkochbuch Rott am Inn' (Clm 15632), das um 1460 im Benediktinerkloster Rott am Inn in Bayern verfasst wurde. Es ist ein Beispiel für die klösterliche und bürgerliche Küche des Spätmittelalters in Süddeutschland.

Welche Art von Lunge soll verwendet werden?

Das Rezept spezifiziert die Tierart der Lunge nicht. Historisch wurden Lungen von Rindern, Kälbern oder Schweinen verwendet. Wähle die Lunge, die du bevorzugst oder die am besten erhältlich ist.

Item wer ein gut gemueß wel machen von lungel der nem die lungel vnd reyb dar vnter ein prosen vnd mach ez darnach ab mit gewurtz
gemueß

Im Mittelhochdeutschen bezeichnet ‚Mus' (mhd. muos) eine breiige Speise, einen Eintopf oder ein Püree, nicht zwingend Gemüse im modernen Sinn.

lungel

Lunge als Innerei. Sie wird zuerst gar gekocht - roh ist Lunge zäh und ungenießbar; der knappe Text setzt das Garen als selbstverständlich voraus und nennt es nicht. Erst die gekochte Lunge wird fein zerkleinert und mit Bröseln zum Mus verarbeitet.

prosen

‚Prosen' (mhd. brōse) sind Brösel oder Brotkrumen, die hier als Bindemittel und zur Texturgebung dienen - aus altbackenem Brot gerieben (Ehlert: ‚Krumen, Brosamen').

gewurtz

‚Gewürz' (Gewürze) als allgemeine Bezeichnung. Typisch waren Pfeffer, Ingwer, Nelken, Safran - je nach Anlass.

Handschrift
München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632
Folio
Fol. 148r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch, Benediktinerkloster Rott am Inn, 1458/1464)
Entstehung
Rott am Inn, Oberbayern, 1460

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesart[Garen der Lunge - im Text nicht genannt]

Gewählte Lesart: Die Lunge wird zuerst gar gekocht, bevor sie zum Mus verarbeitet wird. Der Text nennt den Garschritt nicht (er galt als selbstverständlich), aber roh ist Lunge zäh und ungenießbar - sie wird stets gekocht.

Lesartprosen

Gewählte Lesart: ‚Brösel' (Brotkrumen) als Bindemittel - so auch in Ehlerts Glossar (‚Krumen, Brosamen'). Das Verb ‚reiben' passt dazu.

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 148r, Bayerische Staatsbibliothek München, Clm 15632 (Rott am Inn, 1458/1464); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. M10 (München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Lunge muss frisch sein und gekühlt werden, aber die Zubereitung ist einfach und schnell am Feuer möglich. Benötigt Topf und Reibe.
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