München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632 · Rott am Inn, Oberbayern · 1460
Wer ein gutes gebratenes Spanferkel zubereiten will, der siede vier Eier und hacke sie klein. Gib Zwiebeln darunter und würze das Ganze gut mit Ingwer.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| span vackel | Spanferkel | Metzger, Wildhändler | - |
| vier ayer | 4 Eier | - | - |
| czwifel | Zwiebel | - | - |
| ymber | Ingwer | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
Welches Gericht ist das? Angekündigt ist ein gebratenes Spanferkel (span väckel) - überliefert ist aber nur ein Bruchstück: gekochte, gehackte Eier mit Zwiebel und Ingwer. Die wissenschaftliche Edition vermerkt ausdrücklich einen Abschreibefehler - die Schritte ergeben in dieser Abfolge wenig Sinn und passen nicht zum angekündigten Spanferkel. Wir geben sie wieder, wie sie dastehen, und dichten nichts hinzu.
Wie es gemeint war. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist das die Füllung für das Spanferkel, das eigentliche Braten am Spieß fehlt im Text. Wie ein gefülltes Spanferkel vollständig gemacht wird, zeigt das Schwester-Rezept rfk-051: Eier in Schmalz, Lunge (statt/neben Zwiebel) untergehackt, gewürzt, damit gefüllt, abgebrüht und am Spieß gebraten.
Praxis. Für die überlieferte Mischung: vier Eier hart kochen, fein hacken, mit gehackter Zwiebel mischen und kräftig mit Ingwer würzen - als Füllung für einen Braten. Das Spanferkel selbst nach rfk-051 zubereiten.
Ein ganzes Spanferkel erhältst du am besten auf Vorbestellung beim Metzger. Achte auf eine Größe, die zu deinem Spieß und deiner Feuerstelle passt. Die vollständige Zubereitung eines gefüllten Spanferkels zeigt das Rezept rfk-051 - dieser Eintrag hier liefert sie nicht.
Eher nein - jedenfalls nicht als das, was hier steht. Überliefert ist nur eine Eier-Zwiebel-Ingwer-Mischung (vermutlich eine Füllung), kein vollständiges Rezept. Das eigentliche gefüllte Spanferkel (nach rfk-051) wäre ein Schaugericht: ganzer Spieß, große Feuerstelle, stundenlange Aufsicht - kein schnelles Lageressen.
Dieses Rezept stammt aus dem ‚Klosterkochbuch Rott am Inn' (Clm 15632), einer Handschrift aus dem Benediktinerkloster Rott am Inn, datiert um 1458/1464. Es ist allerdings fehlerhaft überliefert (siehe Hinweis im Zubereitungstext).
‚Czwifel' ist die bairische Schreibweise für ‚Zwiebel'. ‚Darvnter' bedeutet hier ‚dazugeben' bzw. ‚daruntermischen' - zu den gehackten Eiern.
‚span väckel' = Spanferkel (junges Milchschwein). Das Rezept kündigt ein gebratenes Spanferkel an, liefert aber nur eine Eier-Zwiebel-Ingwer-Mischung - die Edition vermutet hier einen Abschreibefehler.
‚czwifel' = Zwiebel (bairische Schreibung), unter die gehackten Eier gemischt.
Die Basistranskription liest ‚puluer daz wol mit ymber' = ‚würze es gut mit Ingwer' (puluer als Verb = mit Pulver/Gewürz bestäuben; ymber = Ingwer). Die wissenschaftliche Edition liest hier ‚pach ez' (back es) - bei diesem nachweislich fehlerhaft überlieferten Rezept bleibt die Stelle unsicher.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Rezept unvollständig / fehlerhaft
Gewählte Lesart: Das Rezept ist nach Einschätzung der wissenschaftlichen Edition fehlerhaft überliefert (Abschreibefehler): Die Schritte (Eier kochen, hacken, Zwiebel, Ingwer) ergeben für ein ‚gebratenes Spanferkel' keine vollständige Anleitung. Wahrscheinlich ist nur die Füllung erhalten; das Braten des Ferkels fehlt. Für die vollständige Methode siehe rfk-051.
Gewählte Lesart: Basistranskription ‚puluer' (= würzen/bestäuben, hier mit Ingwer); wissenschaftliche Edition ‚pach ez' (= back es). Bei diesem korrupt überlieferten Rezept nicht sicher zu entscheiden; inhaltlich plausibel ist ‚gut mit Ingwer würzen'.
czwifel
Gewählte Lesart: Zwiebel (bairische Schreibung), unter die gehackten Eier gemischt.
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