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Schwäbische Käsetorte

Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum · Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz · 1433

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit60 Min.Portionen4-6 PersonenBuchRegistrum Coquine (~1433)

Nimm frische Milch und stelle sie aufs Feuer, bis sie gerinnt. Danach nimm den frischen Käse und vermische ihn mit Mehl und wenig Gewürzen. Gib das in eine Pfanne mit guter Butter. Und wenn die Torte gebacken ist, streue oben Zucker darüber oder gib ihn mit hinein. Und sie wird gut sein.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
lac nouum Frische Milch - -
caseum nouum Frischer Käse (Quark) - -
farina Mehl - -
modicis spetiebus Wenig Gewürze - -
bituro butiro Gute Butter - -
zuccharo Zucker - -

Welches Gericht ist das? Eine schlichte gebackene Käsetorte, die der Schreiber ausdrücklich pro Sueuis ("für die Schwaben") betitelt - eine der vielen länder- und ständebezogenen Zuordnungen, mit denen Johannes von Bockenheim sein Register würzt. Verwandt sind die süßen Frischkäse-Torten des Maestro Martino (weiße Käsetorte) und letztlich der heutige gebackene Käsekuchen: Frischkäse oder Quark, mit Mehl gebunden, gesüßt und in der Form goldgelb gebacken.

Der Käse. Der Schreiber stellt seinen Käse selbst her: lac nouum (frische Milch) wird erhitzt, donec coaguletur - bis sie gerinnt. Das daraus geschöpfte Gerinnsel ist der caseum nouum, der "neue" oder frische Käse, also Quark beziehungsweise junger Frischkäse. Wer mag, überspringt diesen Schritt und nimmt fertigen Quark, Topfen oder Ricotta.

Modicis spetiebus - wenig Gewürze. Welche Gewürze gemeint sind, lässt der Text offen. Im Kontext einer süßen Torte liegen die typischen süßen Würzen der Zeit nahe - Zimt, Ingwer, Muskat - aber das bleibt eine Ermessensfrage, keine Vorgabe.

Patella - Pfanne oder Form? Das Wort meint zunächst eine flache Pfanne; weil das Gericht aber als torta bezeichnet und gebacken (cocta) wird, ist eine flache Backform oder eine Pfanne gemeint, in der die Masse mit Hitze von oben und unten gar wird - genau wie Martino seine Käsetorte "mit Feuer von unten und oben" backt.

Praxis. Quark oder Ricotta gut abtropfen lassen, mit etwas Mehl (ein bis zwei gehäufte Esslöffel auf 500 g Käse) und einer Prise süßer Gewürze verrühren. In eine gut gebutterte flache Form geben und bei mittlerer Hitze backen (Ofen ca. 180 °C, etwa 30-40 Minuten, bis die Oberfläche Farbe annimmt). Zum Schluss mit Zucker bestreuen - oder den Zucker gleich unter die Masse rühren, wie der Text es als Alternative anbietet. Ein Ei bindet die magere Masse zusätzlich, ist im Original aber nicht genannt.

Welche Gewürze soll ich verwenden?

Das Rezept nennt nur 'modicis spetiebus' (wenig Gewürze) ohne Angabe der Art. Zu einer süßen Käsetorte passen die typischen süßen Würzen der Zeit - Zimt, Muskat oder Ingwer. Wähle nach Geschmack.

Muss ich den Käse wirklich selbst aus Milch machen?

Nein. Der vorangestellte Milchschritt ist eine Anleitung zum Selbermachen von frischem Käse. Du kannst ebenso fertigen Quark, Topfen oder Ricotta verwenden und direkt mit Mehl und Gewürzen weiterarbeiten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Aus dem 'Registrum Coquine' des Johannes von Bockenheim, einem Kochbuch um 1430/33, verfasst in Mittellatein. Es gibt Einblick in die Küche des frühen 15. Jahrhunderts und ordnet viele Gerichte ausdrücklich Regionen oder Ständen zu - hier den Schwaben.

Ad faciendum tortam aliam pro Sueuis Recipe lac nouum, et pone ad ignem, donec coaguletur, post hoc recipe caseum nouum, et tempera illa cum farina, et modicis spetiebus, et mitte illa in patellam cum bituro butiro, Et quando est cocta, tunc mitte superius uel cum zuccharo. Et erit bonum.
pro Sueuis

"Für die Schwaben". Johannes von Bockenheim ordnet viele Rezepte einer Region, einem Volk oder einem Stand zu - hier den Schwaben.

lac nouum / caseum nouum

Frische Milch (lac nouum) wird durch Erhitzen zum Gerinnen gebracht; das Gerinnsel ist der frische Käse (caseum nouum), also Quark beziehungsweise junger Frischkäse.

modicis spetiebus

"Wenig Gewürze", ohne nähere Angabe - bei einer süßen Torte am ehesten süße Würzen wie Zimt, Ingwer oder Muskat.

patella

Eigentlich eine flache Pfanne; da das Gericht als torta gebacken wird, hier eine flache Back- oder Bratform, in der mit Ober- und Unterhitze gegart wird.

Handschrift
Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum
Folio
fol. 69v
Sprache
Mittellatein (frühes 15. Jh.)
Entstehung
Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz, 1433

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartpatella

Gewählte Lesart: Eine flache Back- oder Bratform, in der die Torte mit Hitze von oben und unten gebacken wird - so wie Maestro Martino seine Käsetorte zubereitet.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine bloße Bratpfanne, in der die Masse eher gebraten als gebacken wird. - Patella ist primär die Pfanne; manche mittelalterlichen Torten wurden tatsächlich in der Pfanne gar gemacht, was hier zu einer dickeren, fladenartigen Form führen würde.

Originalwerk (~1433) gemeinfrei.

Bildquelle
BnF Ms. Latin 7054, fol. 69v/70r (Gallica ark:/12148/btv1b10035736w, f70) - Domaine public Quelle öffnen
Transkription
Robert Maier (Hg.): Das Registrum Coquine des Johannes von Bockenheim, Monumenta culinaria 3, GEB Gießen 2013 - CC BY-NC-SA 3.0 (urn:nbn:de:hebis:26-opus-93375) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Eine gebackene Käsetorte, die gleichmäßige Hitze von oben und unten braucht - im Lager am ehesten im gusseisernen Topf mit Deckel und Glut obenauf (Dutch-Oven-Prinzip) machbar, nicht über offener Flamme. Den frischen Käse besser zuhause ansetzen.
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