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Vyne Grace: Geschmortes Schweinefilet

The Forme of Cury · England · 1390

🐷 Hauptspeise · Schwein 🏕 Lagerküche-tauglich ⚠ Viel Interpretationsspielraum Mittel
⏱ 60 Min.👥 2–4 Personen📖 The Forme of Cury (~1390)

Original — Mittelenglisch

Vyne Grace: Geschmortes Schweinefilet — Originalseite aus The Forme of Cury
Fol. 33 verso, The University of Manchester Library, English MS 7 (John Rylands Library)

Transkription (Mittelenglisch)

VYNE GRACE . XX.III

Take smale fylettes of Pork and rost hem half and smyte hem to gobettes and do hem in wyne an Vynegur and Oynouns ymynced and stewe it yfere do þerto gode poudours an salt, an serue it forth. Vyne Grace. Named probably from _grees_, wild swine, and the mode of dressing in _wine_. V. Gloss. voce _Vyne grace_.

Project Gutenberg – The Forme of Cury (ed. Samuel Pegge, 1780)

Moderne Übersetzung

🏕 Lagerküche-Tipp: Benötigt einen Topf oder Dutch Oven zum Schmoren und eine Möglichkeit zum Anbraten/Rösten über dem Feuer.

Nimm kleine Schweinefilets und röste sie halb gar. Schneide sie anschließend in mundgerechte Stücke. Gib die Stücke in Wein und Essig, füge gehackte Zwiebeln hinzu und schmore alles zusammen. Würze das Gericht mit guten Gewürzen und Salz. Serviere es dann.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
smale fylettes of Pork 500 g Schweinefilet
wyne 200 ml Wein (z.B. Rotwein)
Vynegur 100 ml Essig (z.B. Rotweinessig)
Oynouns ymynced 2 Zwiebeln, gehackt
gode poudours 1 TL Gewürzmischung (mild) Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken
salt Salz

Anmerkungen

fylettes
Filets
smyte hem to gobettes
Schneide sie in Stücke
ymynced
gehackt
yfere
zusammen
poudours
Gewürze

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.

Vyne Grace / Pork

Gewählte Lesart: Das Rezept wurde wörtlich übersetzt und verwendet Schweinefilet, wie im Originaltext angegeben.

Andere mögliche Lesart:

  • Der Name 'Vyne Grace' könnte auf eine ältere Version des Rezepts mit Wildschweinfleisch hindeuten, wie der Herausgeber des historischen Kochbuchs vermutet. — Die Anmerkung des Herausgebers verweist auf 'grees' (Wildschwein) als möglichen Ursprung des Namens, was eine Adaption des Rezepts von Wildschwein auf Hausschwein im Laufe der Zeit nahelegt.

gode poudours

Gewählte Lesart: Die 'gode poudours' wurden als eine allgemeine milde Gewürzmischung interpretiert, da keine spezifischen Gewürze genannt werden und dies für Schmorgerichte typisch war.

Andere mögliche Lesart:

  • Es könnte sich um eine 'scharfe Gewürzmischung' (powdour fort) gehandelt haben, die oft für Fleischgerichte verwendet wurde. — Ohne weitere Spezifikation ist die genaue Zusammensetzung der Gewürze offen. 'Powdour fort' war eine gängige Alternative zu 'powdour douce'.

Häufige Fragen

Was ist 'gode poudours'?

Im Mittelalter waren 'gode poudours' (gute Gewürze) oft eine Mischung aus gängigen, aber kostbaren Gewürzen. Eine 'milde Gewürzmischung' (powdour douce) enthielt typischerweise Zucker, Zimt, Ingwer und Muskat. Eine 'scharfe Gewürzmischung' (powdour fort) bestand aus Pfeffer, Ingwer, Zimt und langem Pfeffer. Für dieses Rezept ist eine milde Mischung passend, zum Beispiel aus Pfeffer, Ingwer, Zimt und Nelken.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Zubereitung erfordert lediglich eine Möglichkeit zum Anbraten oder Rösten der Filets und einen Topf oder Dutch Oven zum Schmoren über dem Feuer. Die Zutaten sind gut transportierbar und die Zubereitungszeit ist überschaubar.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus 'The Forme of Cury', einem der ältesten und bekanntesten englischen Kochbücher, das um 1390 für die Köche von König Richard II. verfasst wurde. Es bietet einen Einblick in die gehobene Küche des mittelalterlichen Englands.

Was bedeutet 'gobettes' im Rezept?

'Gobettes' sind einfach mundgerechte Stücke oder Brocken. Das Rezept weist an, die halb gegarten Schweinefilets in solche Stücke zu schneiden, bevor sie weitergeschmort werden.

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