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Kraniche und Reiher zubereiten

The Forme of Cury · England · 1390

WildHauptspeise · WildLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit90 Min.Portionen4-6 Personen pro VogelBuchThe Forme of Cury (~1390)

Kraniche und Reiher sollen mit Speckstreifen vom Schwein bardiert werden. Man isst sie mit Ingwer.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Cranes and Herouns Kraniche und Reiher (heute nicht erhältlich) ⚠ Artenschutz: Kraniche und Reiher sind streng geschützt und dürfen nicht gejagt oder gehandelt werden. Als Ersatz eignen sich große Vögel wie Gans oder Pute. Gans oder Pute
lardes of Swyne Speckstreifen vom Schwein Metzger -
gyngur Ingwer - -

Welches Gericht ist das? Ein knapper Bratvermerk für großes Federwild der Adelstafel - ganze Kraniche und Reiher, außen mit Speckstreifen belegt und gebraten, zu Ingwer serviert. Es ist dasselbe Prinzip wie beim großen gebratenen Wildvogel mit Pfeffersauce (vgl. wes-012) und gehört auf die repräsentativen Festplatten des Spätmittelalters (vgl. via-172).

Bardieren, nicht spicken. armed with lardes of Swyne (die Handschrift Ms. Ed. 3 liest enarmed) meint, den mageren Vogel außen mit Speckstreifen zu belegen - die Bardierung. Der Speck schmilzt beim Braten und begießt das trockene Fleisch von selbst; er wird nicht ins Fleisch eingezogen (Spicken im engeren Sinn), sondern liegt als schützende, selbst-bestreichende Fettschicht obenauf. Bei Wildvögeln mit wenig Eigenfett ist das der entscheidende Kniff gegen das Austrocknen.

Ingwer als Begleiter. Ohne aufwendige Sauce reicht zum fertigen Braten schlicht gyngur - scharf, wärmend, das fette Bratfleisch kontrastierend.

Historischer Kontext. Kranich und Reiher waren prestigeträchtiges Federwild der großen Tafeln. Heute sind beide Arten streng geschützt und dürfen weder gejagt noch gehandelt werden - das Rezept ist als Kuriosum zu lesen und mit Gans oder Pute nachzustellen, die in Größe und Magerkeit ähnlich sind.

Praxis. Eine Gans oder Pute außen mit dünnen, fetten Speckstreifen belegen (mit Küchengarn fixieren oder einstecken), am Spieß oder im Bräter braten, dabei den ablaufenden Speck zum Begießen nutzen. Vor dem Servieren den Speck abnehmen und Stücke des Bratens mit etwas frisch geriebenem Ingwer reichen.

Wo bekomme ich Kraniche und Reiher?

Kraniche und Reiher sind in Deutschland und der EU streng geschützt und dürfen weder gejagt noch gehandelt werden. Für eine moderne Nachstellung des Rezepts kannst du stattdessen große Vögel wie Gans oder Pute verwenden, die eine ähnliche Größe und Fleischigkeit aufweisen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist nicht ideal für die Lagerküche. Die Zubereitung ganzer Vögel, insbesondere das Spicken mit Speck, erfordert Zeit und Geschick, das am Lagerfeuer schwierig umzusetzen ist. Zuhause vorbereiten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus 'The Forme of Cury', einer der ältesten und wichtigsten englischen Rezeptsammlungen, die um 1390 für die Hofküche von König Richard II. verfasst wurde. Es spiegelt die Essgewohnheiten des englischen Hochadels wider.

Was bedeutet 'armed with lardes'?

Der Begriff 'armed with lardes' bedeutet 'mit Speckstreifen spicken'. Dies war eine gängige Technik, um mageres Fleisch, wie das von Wildvögeln, saftiger zu machen und ihm zusätzlichen Geschmack zu verleihen. Der Originalkommentar diskutiert auch die Möglichkeit, dass 'armed' in anderen Kontexten 'mit Wappen verziert' bedeuten könnte, hier ist jedoch die kulinarische Bedeutung gemeint.

NOTA. XX.VII Cranes and Herouns shul be armed with lardes of Swyne. and eten with gyngur. Cranes. A dish frequent formerly at great tables. Archæologia, II. p. 171. mentioned with Herons, as here, Ms. Ed. 3. where the same Recipe occurs. et v. Lel. Coll. IV. p. 226. VI. p. 38. Rabelais, IV. c. 59. E. of Devon's Feast. armed. Ms. Ed. No. 3. has _enarmed_, as may be read there. _Enarmed_, however, in Lel. Collect. IV. p. 225. means, decorated with coate of arms. Sheldes of Brawn are there _in armor_, p. 226. However, there is such a word as _enorned_. Leland, p. 280. 285. 297. which approaches nearer.
armed with lardes of Swyne

Mit Speckstreifen vom Schwein bardieren - den mageren Vogel außen mit Speck belegen, der beim Braten schmilzt und das Fleisch von selbst begießt. Die Variante enarmed steht in einer anderen Handschrift.

Handschrift
The Forme of Cury
Folio
Fol. 69 verso
Sprache
Mittelenglisch
Entstehung
England, 1390

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartarmed / enarmed with lardes

Gewählte Lesart: Bardieren: den Vogel außen mit Speckstreifen belegen, damit er beim Braten nicht austrocknet.

Andere mögliche Lesart:

  • Heraldisch „mit Wappen verziert" (zu enarmed, „mit Wappenrock"). - Der Editor von 1780 belegt, dass enarmed andernorts „mit Wappen geschmückt" heißt (Leland, Collect. IV). Da hier aber ausdrücklich lardes of Swyne (Speckstreifen) das Mittel sind, ist die kulinarische Bardierung gemeint - die heraldische Lesart betrifft nur das gleichlautende Wort in anderen Quellen.

Originalwerk (~1390) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 69 verso, The University of Manchester Library, English MS 7 (John Rylands Library)
Transkription
Project Gutenberg - The Forme of Cury (ed. Samuel Pegge, 1780) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Ganzer Vogel am Spieß oder im Bräter über dem Feuer, außen mit Speck bardiert - die klassische Lagerbraterei. Braucht Zeit und eine gute Glut, aber keinen geregelten Ofen.
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