The Forme of Cury · England · 1390
Den Pfau und das Rebhuhn blanchiere. Danach spicke sie und brate sie. Serviere sie sodann mit Ingwer.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Pokok | Pfau | 1 | Wildhändler (auf Bestellung, ggf. nur Zuchtware oder Alternativen, ⚠ Artenschutz beachten) | Großes Huhn oder Pute |
| Partruch | Rebhuhn | 1 | Wildhändler (auf Bestellung, ggf. nur Zuchtware oder Alternativen, ⚠ Artenschutz beachten) | Wachtel oder kleines Huhn |
| lardid | Speck zum Spicken | - | Metzger | - |
| gyngeuer | Ingwer (frisch oder gemahlen) | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein denkbar knappes höfisches Bratrezept aus der Forme of Cury: Pfau und Rebhuhn werden vorgegart, gespickt, am Spieß gebraten und mit Ingwer gereicht. Der Pfau ist hier kein Alltagsessen, sondern das klassische mittelalterliche Prunk-Federwild - oft wurde er nach dem Braten wieder in sein Federkleid gehüllt und als Schaustück aufgetragen. Heute ein lebendiger Verwandter jedes am Spieß gebratenen Geflügels.
Das Verb parboiled heißt nicht 'durchgaren', sondern kurz in siedendem Wasser anziehen lassen - ein Vorgaren, das die zähen Sehnen älterer Vögel löst und die anschließende Bratzeit verkürzt. Beim Pfau, dessen Fleisch trocken und faserig ist, hatte das handfeste Gründe.
Lardid (gespickt) meint das Durchziehen des mageren Fleischs mit Streifen von festem Rückenspeck mittels Spicknadel. Das Fett schmilzt beim Braten in die Faser und hält das sonst strohige Wildgeflügel saftig.
Gyngeuer (Ingwer) wird ohne weitere Anweisung 'dazu gegessen' - vermutlich als trockenes Gewürzpulver zum Bestreuen oder als simple Beigabe, nicht zwingend als ausgearbeitete Sauce. Der knappe Wortlaut gibt nicht mehr her.
Praxis. Der Pfau ist heute zu Recht ein historisches Kuriosum, kein Nachkochobjekt - greife zu einem großen Hähnchen, einer Pute oder einem ganzen Rebhuhn/Perlhuhn. Den Vogel kurz (5-10 Min.) in kochendes Salzwasser tauchen, abtropfen lassen, mit Speckstreifen spicken oder einfach mit dünnen Speckscheiben (Barde) umwickeln. Am Spieß über Glut oder im Bräter bei ca. 180 Grad goldbraun braten, dabei mit dem austretenden Fett begießen. Vor dem Servieren mit gemahlenem Ingwer bestäuben.
Pfau und Rebhuhn sind heute in vielen Regionen geschützt oder nur schwer erhältlich. Für die historische Darstellung kann man sich an spezialisierte Wildhändler wenden, die Zuchtware anbieten. Als moderne Alternative eignen sich für den Pfau ein großes Huhn oder eine Pute, für das Rebhuhn eine Wachtel oder ein kleines Huhn.
Nein, dieses Rezept ist aufgrund des Aufwands für das Spicken und Braten ganzer Vögel, insbesondere eines Pfaus, sowie der benötigten Ausrüstung nicht ideal für die spontane Zubereitung im Lager. Es sollte zu Hause vorbereitet werden.
'Spicken' bezeichnet das Durchziehen von magerem Fleisch mit Speckstreifen, um es saftiger zu machen und ihm Geschmack zu verleihen. Dies geschieht traditionell mit einer Spicknadel. 'Parboiled' bedeutet 'vorgekocht' oder 'blanchiert', also nur kurz in siedendem Wasser gegart, um es zarter zu machen oder die Garzeit zu verkürzen.
Dieses Rezept stammt aus „The Forme of Cury“. Englisches Kochbuch der Hofköche Richard II. (~1390). Etwa 196 Rezepte der höfischen Küche Englands. Nah verwandt mit dem Ménagier de Paris - beide reflektieren die internationalisierte Küche des Spätmittelalters.
Kurz in siedendem Wasser vorgegart - nicht durchgekocht, sondern nur angezogen, um zähe Sehnen zu lösen und die Bratzeit zu verkürzen.
Gespickt: mit der Spicknadel werden Streifen festen Specks durch das magere Fleisch gezogen, damit es beim Braten saftig bleibt.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| gyngeuer | ginger Q15046077 |
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.