Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1) · Österreich (Mondsee, Oberösterreich) · 1480
Aus demselben Fischbraten kannst du gut einen Rebhuhn-Braten zubereiten, der wie ein Rebhuhn geformt ist. Serviere ihn dann heiß.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| den selbigen visch pratten | Fischbraten (fertig zubereitet) | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein Fasten-Schaugericht: aus erlaubtem Fisch wird die Gestalt eines Rebhuhns nachgeformt und heiß serviert. mon-165 ist kein eigenständiges Rezept, sondern die kurze Fortsetzung von mon-164 - der einleitende Rückverweis von den selbigen visch pratten ("aus demselben Fischbraten") bezieht sich auf die dort beschriebene Farce. Verwandt sind die Rebhuhn-Imitate aus Fisch in ri15632-001 und rfk-003 sowie das Reh-Imitat ri15632-002 - alle nach demselben Muster: gräten- und schuppenfrei zerkleinerter, gewürzter Fisch, in eine tierähnliche Form gebracht. Modern erinnert das an eine geformte Fisch-Farce oder Fisch-Terrine.
Woher kommt die Form? Die eigentliche Technik steht in mon-164: der Fisch wird entgrätet und entschuppt, fein gehackt, mit Ingwer, Safran, Pfeffer und Salz gewürzt und mit altbackenem Weißbrot gebunden - der zeittypischen Bindung für eine Fischfarce, nicht mit einer Mehlschwitze. Die Masse wird in eine zweiteilige, innen rebhuhnförmige Holzform gedrückt, die man mit Schnur zusammenbindet. Der Safran wirkt dabei doppelt: als Würze und als Färbemittel, das dem hellen Fischfleisch einen geflügelartigen Ton gibt. Die Rebhuhn-Gestalt entsteht also allein aus der Form, nicht aus einem gesonderten Zier-Schritt.
Praxis. Bereite die gewürzte, mit eingeweichtem altbackenem Weißbrot gebundene Fischfarce nach mon-164 zu und presse sie in eine zweiteilige Form; eine geölte, verschließbare Terrinen- oder Pastetenform in länglicher Vogelgestalt ist der praktikable Ersatz für das historische Holzformenpaar. Über Glut oder im Reindl garen, bis die Farce fest ist, dann aus der Form lösen und - das ist der einzige eigene Schritt von mon-165 - heiß auftragen. Der Reiz liegt im Schau-Effekt der Formgebung, nicht in Tempo oder Haltbarkeit.
Ein mittelalterliches Schaugericht (Scheingericht): Fisch wird so zubereitet und geformt, dass er ein Rebhuhn nachahmt. In der Fastenzeit war Fleisch verboten, Fisch dagegen ausdrücklich erlaubt - man umging also keine Regel, sondern präsentierte eine erlaubte Speise kunstvoll als vermeintlichen Braten. Der Reiz lag in der optischen Illusion und der Kunstfertigkeit des Kochs.
Die konkrete Technik steht im unmittelbar vorangehenden Rezept mon-164: der Fisch wird entgrätet und entschuppt, fein gehackt, gewürzt und mit altbackenem Weißbrot gebunden; die Farce presst man in eine zweiteilige, innen rebhuhnförmige Holzform und bindet sie mit Schnur zusammen. Die Vogelgestalt entsteht also aus der Form, nicht aus einem Feder- oder Zieraufbau. Als moderner Ersatz eignet sich eine geölte, verschließbare Form in länglicher Vogelgestalt.
Schaugericht: Das Formen eines Fischbratens zu einem Rebhuhn ist eine anspruchsvolle Präsentation, die Geschick und Zeit erfordert. Der Fischbraten selbst muss vorbereitet werden. Ideal für eine Vorführung, bei der die Formgebung im Mittelpunkt steht.
Dieses Rezept stammt aus dem ‚Mondseer Kochbuch‘, einer umfangreichen deutschsprachigen Rezeptsammlung aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Es wurde im bairisch-österreichischen Raum, vermutlich im Umfeld des Klosters Mondsee, verfasst und spiegelt die gehobene Küche dieser Zeit wider.
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"Von demselben Fischbraten" - ein ausdrücklicher Rückverweis auf das vorhergehende Rezept mon-164, das den Fischbraten mit der zweiteiligen Rebhuhn-Holzform herstellt. mon-165 ist dessen Fortsetzung, mon-166 setzt die Kette mit dem selbigen pratten weiter fort. Die drei Rezepte bilden einen zusammenhängenden Fasten-Schaugericht-Cluster.
"Rebhuhn-Braten, der wie das Rebhuhn geformt ist" - ein Fasten-Schaugericht (Scheingericht): aus erlaubtem Fisch wird die Gestalt eines Landvogels nachgeformt, um in der Fastenzeit optisch ein Fleischgericht zu bieten. Korpusweit belegt (mon-164, mha-111, ri15632-001, rfk-003).
Heiß zu essen. Das Gericht sollte warm serviert werden, nicht kalt.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
rebhuenn pratten als das rebhuen
Gewählte Lesart: Rebhuhn-Braten als Rebhuhn-Imitat: Aus dem Fischbraten wird die Gestalt eines Rebhuhns nachgeformt - ein Fasten-Schaugericht. Der Zusatz als das rebhuen verweist zugleich auf die Form- und Gartechnik des vorangehenden mon-164, das dasselbe Fisch-Rebhuhn mit einer zweiteiligen Holzform herstellt.
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