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Weißer Milchbrei mit Safran und Zimt

Kogebog / Libellus de arte coquinaria · Dänemark · 1300

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarischBlancmanger
Zubereitungszeit25 Min.Portionen2-4 PersonenBuchKogebog (Harpestreng-Handschrift NKS 66) (~1300)

Nimm süße Milch, gut ausgedrücktes Weizenbrot, geschlagene Eier und gut ausgedrückten Safran. Lasse dies alles kochen, bis es dick wird. Dann richte es auf einer Schüssel an, gib Butter hinzu und bestreue es mit Zimtpulver. Dies nennt man Weißmus.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
søtmiælk Süße Milch - -
wæl writhet hwetebrøth Gut ausgedrücktes Weizenbrot - Altbackenes Weißbrot
slaghnæ æg Geschlagene Eier - -
wæl writhæt safran Gut ausgedrückter Safran gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
smør Butter - -
puluær af kaniæl Zimtpulver - -

Welches Gericht ist das? Ein süßes Hvidmos („Weißmus“) - ein gestockter Milch-Brot-Brei, mit Safran goldgelb gefärbt, mit Butter und Zimt angerichtet. Es gehört in dieselbe Familie wie das blamensir/blanc manger der höfischen Küche und wie die süßen Milchbreie aus Brot, die quer durch den Korpus auftauchen (vgl. men-137 „Milchzubereitung und Milchbrei“, foc-050 „Rosencreme“).

Der Begriff hwit moos („Weißmus“) ist der Eigenname des Gerichts und wird im Text ausdrücklich vergeben („Thæt hetær hwitmoos“). Anders als beim klassischen Mandel-blanc-manger ist das Weiß hier eine Milch-Brot-Basis; die gelbe Safranfärbung steht dazu nicht im Widerspruch - „weiß“ meint die helle, milchige Grundmasse, nicht die Endfarbe.

Wæl writhet hwetebrøth („gut ausgedrücktes Weizenbrot“): altbackenes Weißbrot wird eingeweicht und ausgepresst, sodass nur die feine Krume zum Andicken bleibt. Wæl writhæt safran meint dieselbe Geste am Safran - die Fäden werden in wenig warmer Flüssigkeit gewässert und ausgedrückt, um Farbe und Aroma vollständig zu lösen.

Praxis. Etwa 500 ml Milch erwärmen, eine Handvoll fein zerriebene Weißbrotkrume und etwas eingeweichten, ausgedrückten Safran einrühren. 2-3 verquirlte Eier unterziehen und unter ständigem Rühren bei kleiner Hitze eindicken lassen, bis ein dicker Brei entsteht - nicht kochen lassen, sonst gerinnen die Eier. Auf einer Schüssel anrichten, ein Stück Butter daraufgeben und mit Zimtpulver bestreuen.

Aus welcher Handschrift stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus der Harpestreng-Handschrift NKS 66, 8vo, die um 1300 in Dänemark verfasst wurde und in der Det Kongelige Bibliotek in Kopenhagen aufbewahrt wird. Sie gilt als die älteste nordeuropäische Kochbuchquelle.

Was bedeutet der lateinische Rezepttitel?

„Quomodo temperetur cibus qui uocatur hwit moos“ bedeutet übersetzt: „Wie man die Speise zubereitet, die Weißmus genannt wird.“

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist nicht ideal für die Lagerküche. Es enthält frische Milch, Eier und Butter, die ohne Kühlung schnell verderben würden. Zudem ist die Zubereitung eines feinen Breis am offenen Feuer schwierig. Bereite es am besten zu Hause vor.

Was bedeutet 'gut ausgedrücktes Weizenbrot'?

Dies bezieht sich wahrscheinlich auf altbackenes Weißbrot, das in Milch oder Wasser eingeweicht und anschließend fest ausgedrückt wurde, um überschüssige Flüssigkeit zu entfernen und eine feine, breiige Konsistenz zu erhalten. Alternativ könnte es auch bedeuten, das Brot sehr fein zu zerbröseln.

Quomodo temperetur cibus qui uocatur hwit moos Man skal takæ søtmiælk. oc wæl writhet hwetebrøth. oc slaghnæ æg. oc wæl writhæt safran. oc latæ thæt wællæ til thæt warthær thiuct. Sithen latæ thæt up .a. dysk. oc kastæ .i. smør. oc strø .a. puluær af kaniæl. Thæt hetær hwitmoos.
hwit moos

„Weißmus“ oder „Weißer Brei“, eine Art süßer Milch-Brot-Brei, oft mit Safran gefärbt.

søtmiælk

Frische, ungesäuerte Milch.

wæl writhet

Gut ausgedrückt oder ausgepresst, um Flüssigkeit zu entfernen oder eine feine Konsistenz zu erzielen.

slaghnæ æg

Geschlagene Eier.

dysk

Schüssel oder Teller.

puluær af kaniæl

Zimtpulver.

Handschrift
Kogebog / Libellus de arte coquinaria
Folio
Fol. 144r
Sprache
Altdänisch (ca. 1300)
Entstehung
Dänemark, 1300

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartwæl writhæt safran

Gewählte Lesart: „Gut ausgedrückter Safran“ - Safranfäden werden in wenig Flüssigkeit gewässert und dann ausgepresst, um Farbe und Aroma maximal zu lösen.

Andere mögliche Lesart:

  • „Gut gelöster Safran“ - der Safran wird gründlich in etwas Milch oder Wasser gelöst, ohne die Fäden physisch auszupressen. - Das altdänische writhæt wird beim Brot eine Zeile vorher eindeutig als „ausgedrückt/ausgepresst“ gebraucht; der parallele Wortgebrauch beim Safran legt dieselbe Geste nahe. Im Ergebnis (gelöste Farbe) sind beide Lesarten praktisch deckungsgleich.

Originalwerk (~1300) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 144r, Det Kongelige Bibliotek Kopenhagen, NKS 66, 8vo (ca. 1300), Public Domain
Transkription
Tekstnet.dk / DSL - Diplomatische Transkription nach NKS 66, 8vo. Ed. Jonathan Adams & Ebba Hjorth (2006) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Ein dicker Milchbrei lässt sich im Topf über kleiner Glut gut rühren - die Eier dürfen nur nicht zu heiß werden. Milch und Eier brauchen am Lager Kühlung; im Sommer eher zuhause vorbereiten.
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