Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate DokumentDruckversion DokumentTEI-XML

Schleie mit Verjus

Le Ménagier de Paris · Paris · 1393

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10Bürgerliche KücheBürgerlichFischFastenspeise
Zubereitungszeit15 Min.Portionen2 PersonenBuchMénagier de Paris (~1393)

Nimm eine Schleie, koche sie in Wasser oder brate sie über dem Feuer. Serviere das Gericht anschließend mit Verjus.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Tante Schleie (ca. 500 g) 1 Fischhändler Forelle oder Karpfen
eaue Wasser - Leitung -
vertjus Verjus - Feinkostladen, Online-Handel Weißweinessig oder Zitronensaft

Welches Gericht ist das? Schleie, schlicht gekocht oder gebraten und mit Verjus serviert - ein knappes Fastenrezept, das sich auf das Wesentliche beschränkt: milder Süßwasserfisch und ein säuerlich-fruchtiger Saft als einzige Begleitung. Es gehört in dieselbe Familie wie mar-229, das die Schleie gleich auf drei Arten zubereitet.

Tante - die Schleie. Die Schreibung Tante ist mit großer Wahrscheinlichkeit eine Verschreibung von Tanche, der Schleie - im Mittelalter ein beliebter, fester Süßwasserfisch. Dafür sprechen die Zubereitungsarten (gekocht oder gebraten) und die Nachbarschaft zu anderen Fischrezepten. Die Schleie hat ein mildes, leicht erdiges Fleisch, das eine säuernde Begleitung gut verträgt.

Vertjus - der grüne Saft. Verjus, der Saft unreifer Weintrauben, ist säuerlich wie Essig, aber fruchtiger und weicher. Er passt sowohl zum gekochten als auch zum gebratenen Fisch und braucht keine weitere Sauce - die Säure allein hebt den milden Fisch.

Praxis. Eine küchenfertige Schleie (ersatzweise Forelle oder Karpfen) entweder in leicht gesalzenem Wasser knapp unter dem Siedepunkt 10-15 Minuten ziehen lassen oder über der Glut bzw. in der Pfanne braten. Vor dem Servieren mit Verjus beträufeln (ersatzweise milder Weißweinessig oder etwas Zitronensaft).

Was ist mit 'Tante' gemeint?

Im Originaltext steht 'Tante', was wörtlich 'Tante' bedeutet. Dies ist höchstwahrscheinlich ein Schreibfehler für 'Tanche', die Schleie, einen im Mittelalter häufig verzehrten Süßwasserfisch. Die Zubereitungsarten 'gekocht in Wasser oder gebraten' passen gut zu einem Fisch. Eine andere Möglichkeit wäre ein Schreibfehler für 'Toute' (ganz), was sich auf ein ganzes kleines Tier beziehen könnte.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses einfache Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Das Kochen in Wasser erfordert lediglich einen Topf über dem Feuer, und das Braten kann auf einem Rost oder Spieß über Glut erfolgen.

Was bedeutet 'Verjus' und wo bekomme ich ihn?

Verjus (wörtlich 'grüner Saft') ist der Saft unreifer Weintrauben. Er ist sauer wie Essig, besitzt aber eine fruchtigere Note. Du findest ihn in gut sortierten Feinkostläden oder online bei spezialisierten Händlern. Als Alternative kannst du Weißweinessig oder Zitronensaft verwenden, wobei der Geschmack leicht abweichen wird.

Wie brate ich die Schleie am besten über offenem Feuer?

Für das Braten über offenem Feuer kannst du die Schleie auf einem Spieß oder einem Rost garen. Historisch wurde oft ein hölzerner Rost verwendet, der über reiner Glut platziert wurde. Alternativ funktioniert auch ein moderner Metallrost. Achte darauf, dass die Glut nicht zu heiß ist, um ein gleichmäßiges Garen zu gewährleisten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Ménagier de Paris. Haushaltsbuch eines Pariser Bürgers (~1393). Enthält rund 380 Rezepte sowie Anleitungen zu Falknerei, Gartenbau und Haushaltsführung.

Tante cuicte en eaue, ou rostie, mengee au vertjus.
Tante

Höchstwahrscheinlich Verschreibung für Tanche - die Schleie, ein beliebter Süßwasserfisch der Fastenküche.

Handschrift
Le Ménagier de Paris
Folio
Fol. 155r
Sprache
Moyen Français
Entstehung
Paris, 1393

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Tantetench Q83363035
eauewater Q283
vertjusverjuice Q1060458

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartTante

Gewählte Lesart: Gelesen als Tanche (Schleie). Die Zubereitung (gekocht oder gebraten) und der Fischkontext der umgebenden Rezepte stützen diese Lesart eindeutig.

Andere mögliche Lesart:

  • Denkbar wäre graphisch auch Toute (ganz), also ein ganz zubereitetes kleines Tier. - Die Schreibung liegt nah; der Fischkontext und die für Fisch typische Garweise sprechen aber klar für die Schleie.

Originalwerk (~1393) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 155r, Scan: Bibliothèque nationale de France, Gallica (BnF Manuscrit Français 12477)
Transkription
Base de Français Médiéval (BFM), ENS Lyon - TEI P5, Lizenz Etalab Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Nur ein Topf zum Kochen oder ein Rost/Spieß zum Braten über offenem Feuer nötig. Verjus lässt sich vorbereitet mitbringen.
Alle Rezepte aus Ménagier de Paris Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.

Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.