Le Ménagier de Paris · Paris · 1393
Gelbe oder säuerliche Pfeffersauce. Nimm Ingwer und Safran; dann nehme man geröstetes Brot, in Fleischbrühe aufgelöst - und noch besser ist magere Kohlbrühe -, lasse es aufkochen und gebe beim Kochen den Essig hinzu.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| gingembre | Ingwer | - | - |
| saffran | Safran | - | - |
| pain rosty | Geröstetes Brot | - | Zwieback oder Paniermehl |
| eaue de char | Fleischbrühe | - | - |
| meigre aue de chous | Kohlbrühe | - | - |
| vinaigre | Essig | - | - |
Welches Gericht ist das? Eine brotgebundene Gewürzsauce zum Fleisch - der direkte Verwandte der gelben Poivre jaunet und der schärferen Poivre noir der Pariser Küche (vgl. men-282). Im Korpus steht sie neben Martinos gelber Pfeffersauce für Fisch (mar-116) und der ganzen brotgebundenen salse-Familie. Heute am ehesten als pikante Bratensauce zu denken, durch Brot statt durch Mehlschwitze gebunden.
Bindung mit Brot, nicht mit Mehl. Gebunden wird zeittypisch mit geröstetem Brot, das in der Brühe zerfällt - das mittelalterliche Standard-Bindemittel lange vor der Mehlschwitze. Das Rösten gibt Farbe und eine leicht nussige Note; je feiner das Brot zerstoßen wird, desto glatter die Sauce.
Jaunet ou aigret - gelb oder säuerlich. Der Titel beschreibt zwei Spielarten derselben Grundsauce: gelb durch den saffran (Safran als Farb- und Statusgewürz), säuerlich durch den vinaigre, der erst beim Kochen zugegeben wird, damit die Säure frisch bleibt. Es ist keine Zutat namens "Pfeffer-Gelb", sondern eine Charakterisierung.
Fasten-Variante. Statt Fleischbrühe (eaue de char) die magere Kohlbrühe (meigre aue de chous) - das Kochwasser von gekochtem Kohl. Damit wird dieselbe Sauce fastentauglich; der Text nennt die Kohlbrühe sogar als die bessere Wahl.
Praxis. Eine Scheibe Weißbrot trocken dunkel rösten und fein zerbröseln. In etwa 150 ml heißer Brühe (Fleisch- oder Gemüse-/Kohlbrühe) auflösen, eine Messerspitze gemahlenen Ingwer und ein paar Safranfäden zugeben, aufkochen, dann mit einem Schuss Weinessig abschmecken. Soll sämig, würzig und angenehm sauer sein - eine kleine Schale Sauce zu Gebratenem.
'Poivre jaunet ou aigret' ist hier keine Zutat, sondern beschreibt den gewünschten Geschmack und das Aussehen der Sauce: 'gelblich' (durch den Safran) und 'säuerlich' (durch den Essig), mit einer pfeffrigen Grundnote. Es ist der Titel oder die Charakterisierung der Sauce.
Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind einfach zu transportieren und die Zubereitung ist schnell und unkompliziert über offenem Feuer oder auf einem Kocher möglich.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem französischen Haushaltsbuch, das um 1393 verfasst wurde. Es bietet Einblicke in die bürgerliche Küche des späten Mittelalters in Paris.
Für 'geröstetes Brot' kannst du einfaches Weißbrot verwenden, das du trocken röstest und dann zerkleinerst. Alternativ eignen sich auch Zwieback oder Paniermehl, um die Sauce zu binden und ihr eine leicht nussige Note zu verleihen.
Kein Zutatname, sondern der Charakter der Sauce: gelb (vom Safran) oder säuerlich (vom Essig), auf pfeffrig-würziger Grundlage. Beschreibt zwei Spielarten derselben Grundsauce.
Fleischbrühe gegen magere Kohlbrühe (Kochwasser von Kohl). Der Tausch macht die Sauce fastentauglich; der Text nennt die Kohlbrühe als die bessere Wahl.
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