Le Ménagier de Paris · Paris · 1393
Sauce für einen Kapaun oder ein Huhn. Weiche ein sehr kleines Stück weiße Brotkrume in Verjus und Safran ein. Zerstoße es dann im Mörser. Gib die Masse anschließend in die Bratpfanne und füge vier Teile Verjus sowie ein Fünftel des Fettes vom Huhn oder Kapaun hinzu (nicht mehr, denn mehr wäre zu viel). Lasse es in der Bratpfanne aufkochen und richte es in Schalen an.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| ung trespetit de mye de pain blanc | Eine sehr kleine Menge weiße Brotkrume | - | - |
| vertjus | Verjus | Bio-Laden | Weißweinessig oder Zitronensaft |
| saffran | Safran | Online-Gewürzhandel | - |
| gresse de la poule ou chappon | Fett vom Huhn oder Kapaun | Metzger | Geflügelfond und Butter |
Welches Gericht ist das? Eine säuerlich-gelbe Bratensauce für Geflügel, die direkt in der Fettpfanne unter dem Spieß entsteht - die schlanke Schwester der saueren Geflügelsauce ant-027 und verwandt mit Martinos Brotkrumen-Verjus-Sauce mar-059. Heute am ehesten als helle, säuerliche Pfannensauce zum Brathähnchen zu denken.
Sauce aus dem Bratfett. Die leschefricte ist die Fettpfanne unter dem Bratspieß; in ihr fängt sich das tropfende Geflügelfett. Die Sauce wird genau hier angesetzt, sodass sie den Bratengeschmack aufnimmt - kein separater Topf nötig.
Brotkrume bindet, das Verhältnis ist exakt. Eine sehr kleine Menge weiße Brotkrume wird in Verjus und Safran eingeweicht, gemörsert und gibt der Sauce Körper - die zeittypische Brotbindung, nicht Mehl. Bemerkenswert ist die präzise Mengenangabe: vier Teile Verjus auf ein Fünftel Geflügelfett (also etwa 4:1 Säure zu Fett). Der Text warnt ausdrücklich, nicht mehr Fett zu nehmen - sonst kippt die Balance ins Fettige. Das ist die mittelalterliche Säure-gegen-Fett-Logik in Reinform.
Safran als Farbe. Der saffran färbt die Sauce gelb (Farb- und Statusgewürz); periodentreues Gelb kommt hier wie üblich aus dem Safran, nicht aus modernen Farbmitteln.
Praxis. Eine kleine Menge weiße Brotkrume in Verjus mit ein paar Safranfäden einweichen, im Mörser zerstoßen. In die Pfanne mit dem aufgefangenen Geflügelfett geben, mit Verjus im Verhältnis vier Teile Verjus zu einem Teil Fett auffüllen, aufkochen und in Schalen anrichten. Ohne Spießbraten: Bratrückstände vom Geflügel im Pfännchen mit Verjus ablöschen, Brotkrume-Safran-Paste einrühren, kurz binden lassen.
Verjus ist der Saft unreifer Weintrauben, der einen säuerlichen, aber fruchtigen Geschmack hat. Er war im Mittelalter ein häufiges Säuerungsmittel. Du findest ihn in gut sortierten Bio-Läden oder online bei Spezialitätenhändlern. Als Ersatz kannst du Weißweinessig oder Zitronensaft verwenden, wobei der Geschmack leicht abweicht.
Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Zubereitung ist einfach und erfordert nur wenige Schritte, die über offenem Feuer oder auf einem Kocher in einem Topf durchgeführt werden können. Brotkrume und Safran lassen sich problemlos transportieren.
Dieses Rezept stammt aus dem „Ménagier de Paris“, einem Haushaltsbuch, das um 1393 in Paris verfasst wurde. Es ist eine umfangreiche Sammlung von Kochrezepten, Haushaltstipps und moralischen Anweisungen, die ein älterer Pariser Bürger für seine junge Frau zusammenstellte. Es gibt einen tiefen Einblick in die bürgerliche Küche des späten Mittelalters.
Im mittelalterlichen Kochkontext ist ein Mörser oft ein großer Fleischmörser, in dem Zutaten zu einer feinen Paste zerstoßen wurden. Für dieses Rezept kannst du die eingeweichte Brotkrume mit Safran und Verjus in einem modernen Mixer oder einer Küchenmaschine pürieren, um eine glatte Konsistenz zu erhalten. Ein kleiner Gewürzmörser ist hierfür nicht ausreichend.
Fettpfanne unter dem Bratspieß, die das tropfende Geflügelfett auffängt. Die Sauce wird direkt darin angesetzt, sodass sie den Bratengeschmack aufnimmt.
Präzises Mischungsverhältnis: vier Teile Verjus auf einen Teil (ein Fünftel) Geflügelfett. Der Text warnt, nicht mehr Fett zu nehmen - sonst wird die Sauce zu fett. Die Säure-gegen-Fett-Balance in Reinform.
Saft unreifer Weintrauben, sauer wie Essig, aber fruchtiger - das bürgerliche Säuerungsmittel der Pariser Küche.
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