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Reis für Fasten- und Fleischtage

Le Ménagier de Paris · Paris · 1393

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10BeilageBeilageBürgerliche KücheBürgerlichReisReis
Zubereitungszeit75 Min.Portionen4-6 PersonenBuchMénagier de Paris (~1393)

Nimm den Reis, sortiere ihn und wasche ihn in zwei oder drei Wechseln warmen Wassers, bis das Wasser ganz klar wird. Dann koche ihn halb gar. Püriere ihn dann und lege ihn auf Platten oder Schneidebretter zum Abtropfen und Trocknen vor dem Feuer.

Für Fleischtage: Koche den Reis dann sehr dickflüssig mit Rinderbrühe und mit Safran.

Für Fastentage: Ist es jedoch ein Fastentag, so verwende keine Rinderbrühe, sondern gib stattdessen sehr fein zerstoßene Mandeln hinzu, ohne sie zu seihen, süße dann kräftig und verzichte auf Safran.

Weitere Kleinigkeiten sind nicht zwingend erforderlich.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Ris 250 g Reis - -
deux ou troiz paires d'eaues chaudes 1-2 Liter warmes Wasser Leitung -
l'eaue de la gresse de char de beuf 500 ml Rinderbrühe - -
du saffran 1 Prise Safranfäden Supermarkt -
amandes bien finement broyees 150 g Mandeln, sehr fein gemahlen - -
succrer fort 50-100 g Zucker - -

Welches Gericht ist das? Ein püriertes Reis-Mus mit zwei Varianten - herzhaft mit Rinderbrühe und Safran für Fleischtage, süß mit Mandeln und Zucker für Fastentage. Der direkte Verwandte im Korpus ist foc-009 (Reis mit Mandelmilch und Safran); der Reis-Mandel-Brei zieht sich durch die ganze höfische Küche Europas (vgl. mar-178, kkm-046). Wer Milchreis kennt, kennt das Prinzip.

Waschen, halbgaren, trocknen. Der Reis wird sortiert und in mehreren Wasserwechseln gewaschen, bis das Wasser klar bleibt (tant que l'eaue reviengne toute clere) - das entfernt Stärkestaub. Dann nur halb gegart, püriert und auf Brettern vor dem Feuer getrocknet. Dieses Vortrocknen lässt den Reis im zweiten, langsamen Garen die Flüssigkeit (Brühe oder Mandelmilch) gezielt aufsaugen und gibt das gewünschte espoiz (dickflüssig-cremige) Ergebnis.

Die zwei Fasten-Varianten. Am Fleischtag (jour de char) gibt kräftige Rinderbrühe Geschmack, Safran die goldene Festfarbe. Am Fastentag (jour de poisson) ersetzt man die Brühe durch fein gestoßene Mandeln, die ohne Seihen (sans couler) direkt in den Reis kommen - also dicke Mandelmasse, nicht dünne Mandelmilch -, süßt kräftig und lässt den Safran weg. Das ist der typische Fasten-Trick: Mandelmilch tritt an die Stelle von Fleischbrühe.

Sans couler. Ein bewusster Kontrast zur sonst üblichen, durchgeseihten Mandelmilch: hier bleibt die ganze gemahlene Mandelmasse drin und macht das Mus reichhaltiger und sättigender.

Praxis. 250 g Rundkornreis waschen, in reichlich Wasser halb garen (ca. 8 Min.), abgießen, grob zerdrücken. Fleischtag: mit 500 ml kräftiger Rinderbrühe und einer Prise Safran sämig fertig garen. Fastentag: 150 g sehr fein gemahlene Mandeln und 50-100 g Zucker einrühren, mit etwas Wasser zu dickem Mus garen, ohne Safran.

Was bedeutet 'pürieren' bei Reis und wie mache ich das?

Im Mittelalter wurde 'pürieren' oft in einem großen Mörser mit einem schweren Stößel durchgeführt, um Zutaten zu einer feinen Paste zu verarbeiten. Für Reis bedeutet dies, ihn nach dem Halb-Garen zu zerstampfen, bis er eine breiige, glatte Konsistenz hat. Modern kannst du dafür einen Pürierstab oder eine Küchenmaschine verwenden, um eine feine Reispaste zu erhalten. Wer es authentisch mag, nutzt einen großen Granit-Mörser.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind einfach zu transportieren. Das Waschen, Halb-Garen und Pürieren des Reises kann direkt am Feuer erfolgen, wobei ein großer Mörser authentisch wäre. Das Trocknen vor dem Feuer ist ebenfalls unkompliziert. Rinderbrühe kann man vorbereitet mitbringen oder aus Instant-Brühe herstellen. Gemahlene Mandeln und Zucker sind ohnehin Lager-Standard.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem französischen Haushaltsbuch, das um 1393 verfasst wurde. Es ist eine wichtige Quelle für die spätmittelalterliche bürgerliche Küche in Frankreich und bietet detaillierte Anweisungen für eine Vielzahl von Gerichten, oft mit Varianten für Fasten- und Fleischtage.

Was ist der Unterschied zwischen 'Fastentag' und 'Fleischtag'?

Im mittelalterlichen Christentum gab es strenge Fastenregeln. An 'Fleischtagen' (jours gras) war der Verzehr von Fleisch, Geflügel und tierischen Produkten wie Eiern und Milch erlaubt. An 'Fastentagen' (jours de poisson oder jours maigres) waren diese Produkte verboten; stattdessen durften Fisch und pflanzliche Speisen (Getreide, Gemüse, Obst, Nüsse, Mandelmilch) gegessen werden. Dieses Rezept bietet für beide Gelegenheiten eine passende Variante.

Was ist mit 'Wasser des Rinderfetts' gemeint?

Die Formulierung 'eaue de la gresse de char de beuf' bezieht sich wahrscheinlich auf eine kräftige Rinderbrühe, die möglicherweise durch das Auskochen von Rinderfett oder fleischigen Knochen besonders reichhaltig und geschmackvoll gemacht wurde. Es ist eine Brühe, die den Reis mit dem vollen Aroma des Rindfleisches anreichert.

Ris. Esliziez le, et lavez en deux ou troiz paires d'eaues chaudes tant que l'eaue reviengne toute clere. Puis le faictes aussi comme demy cuire. Puis le purez, et mectez sur tranchouers en platz pour esgouter et seicher devant le feu. Puis cuisiez bien espoiz avec l'eaue de la gresse de char de beuf et avec du saffran, se c'est jour de char. Et se c'est jour de poisson, n'y mectez pas eaue de char, maiz en ce lieu mectez amandes bien finement broyees et sans couler, puis succrer fort, et sans saffran. Autres menues choses qui ne sont de neccessité
Esliziez le

auslesen, verlesen - den Reis von Steinchen und Spelzen befreien.

paires d'eaues

Wasser-Wechsel, nicht ‚Paare‘ - in zwei, drei frischen Wassern waschen, bis es klar bleibt.

demy cuire

halb garen - der Reis saugt die Brühe bzw. Mandelmilch erst beim zweiten, langsamen Garen voll auf.

espoiz

dickflüssig, sämig - die angestrebte cremige Mus-Konsistenz.

eaue de la gresse de char de beuf

kräftige Rinderbrühe, mit dem Fett vom Rindfleisch ausgekocht - die herzhafte Basis für den Fleischtag.

sans couler

‚ohne zu seihen‘ - die ganze gemahlene Mandelmasse bleibt im Reis (dickes Mus), nicht nur die abgeseihte Mandelmilch.

Autres menues choses qui ne sont de neccessité

‚weitere Kleinigkeiten, die nicht nötig sind‘ - der typische Schluss-Hinweis, dass das Rezept vollständig ist und Verfeinerungen freistehen.

Handschrift
Le Ménagier de Paris
Folio
Fol. 166v
Sprache
Moyen Français
Entstehung
Paris, 1393

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesarteaue de la gresse de char de beuf

Gewählte Lesart: Kräftige Rinderbrühe, beim Auskochen von fettem Rindfleisch gewonnen.

Andere mögliche Lesart:

  • Das ausgelassene, flüssige Rinderfett selbst. - eaue (Wasser) spricht klar für eine Brühe, doch gresse (Fett) lässt eine besonders fettreiche, schmalzige Flüssigkeit zumindest denkbar erscheinen.

Originalwerk (~1393) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 166v, Scan: Bibliothèque nationale de France, Gallica (BnF Manuscrit Français 12477)
Transkription
Base de Français Médiéval (BFM), ENS Lyon - TEI P5, Lizenz Etalab Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Gut am Feuer machbar: Waschen, Halbgaren und Fertiggaren im Topf, Mandeln und Brühe sind transportabel. Das Pürieren mit Mörser oder vorbereitet von zu Hause.
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