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Gelbe Sülze mit Mandelkernen

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

Gewürz / SauceGewürz / SauceLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 7/10
Zubereitungszeit10 Min.Portionenals Zugabe zu einer Grund-SülzeBuchKochbuch des Meisters Hans (~1460)

Eine Sülze [Würzsauce].

Willst du sie besonders gelb machen, eine Sülze, die gelb sei: Wirf dann zehn Mandelkerne hinein, oder auch mehr.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
zehen mandel keren 10 Mandelkerne - -

Welches Gericht ist das? Ein knapper Item-Vermerk zu einer bereits andernorts im Buch beschriebenen Sülze. Der lebende Nachfahre dieser Gerichtsfamilie ist die bis heute unter demselben Namen bekannte deutsch-österreichische Sülze (Fleisch oder Fisch in Aspik, etwa Presskopf oder saure Sulz). Ob hier eine feste Gallerte oder eine dickflüssige, kalt servierte Würzsauce gemeint ist, bleibt offen, da im Text kein Geliermittel (Fischblase, kollagenreiche Brühe) genannt wird.

Die Gelbfärbung. Die stehende Kochbuch-Formel 'mach ez gel mit saffran' und eine direkte CoReMA-Sachglosse zu diesem Rezept stützen, dass die gewünschte Gelbfärbung von Safran stammt - genannt wird das Gewürz im Fließtext allerdings nicht, weshalb es auch nicht in der Zutatenliste steht. Die zehn Mandelkerne selbst färben nichts gelb: geschälte Mandelkerne sind cremeweiß und kein Farbmittel. Der Text stellt hier auch keine Ursache-Wirkung her - 'Da wirf...' heißt schlicht 'dann/daraufhin wirf...', eine sequentielle Anweisung, keine Erklärung der Farbe.

Die Funktion der Mandelkerne. Vergleichbare, aufwendigere Sülze-Rezepte im Korpus verwenden Mandelkerne teils als Steckgarnitur auf der bereits fertigen, gefärbten Sülze statt als eingerührte Zutat. Ob mha-047 dasselbe meint oder die Kerne tatsächlich untergerührt werden, lässt sich aus dem kurzen Fragment nicht entscheiden.

Was bedeutet 'gell' bzw. 'gel' in diesem Rezept?

Beides sind Schreibvarianten von 'gelb'. In mittelalterlichen Kochbüchern ist gelbe Farbe fast immer ein Hinweis auf Safran als Färbemittel; CoReMA verzeichnet zu diesem Rezept sogar eine direkte Sachglosse zu Safran, auch wenn das Gewürz im Text selbst nicht ausdrücklich genannt wird.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Nein - das ist keine eigenständige Zubereitung, sondern eine Randnotiz zu einer andernorts im Buch beschriebenen Grund-Sülze. Die Grundlage müsste aus einem anderen Rezept ergänzt werden.

Ist 'sulcz' hier eine feste Sülze oder eher eine Sauce?

Der Begriff wird in mittelalterlichen Quellen für beides verwendet. Da im Text kein Geliermittel genannt wird, ist wahrscheinlich eine dicke, kalt servierte Würzsauce gemeint, kein festes Aspik im modernen Sinn.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.

Ain sulcz die Item wiltu machen gar gell sej . ain sulcz die gel sey . Da wirff zehen mandel keren darein oder mer .
sulcz

CoReMA verzeichnet 'sulcz' als Aspik/Gallerte. Da hier aber kein Geliermittel (Fischblase, kollagenreiche Brühe) genannt wird, ist eher eine dicke, kalt servierte Würzsauce gemeint als ein festes, geliertes Gericht.

gar gell sej / die gel sey

'gelb' war im Mittelalter oft gleichbedeutend mit 'mit Safran gefärbt' - CoReMA verzeichnet zu diesem Rezept eine direkte Sachglosse von 'gell/gel' auf Safran (Wikidata Q25434), nicht nur die formelhafte Analogie zur stehenden Wendung 'mach ez gel mit saffran'. Safran selbst wird im Fließtext dennoch nicht genannt.

mandel keren

Gemeint sind geschälte, ganze oder halbierte Mandelkerne, keine Mandeln mit Schale. Ob sie hier in die Sülze eingerührt oder - wie in vergleichbaren, aufwendigeren Sülze-Rezepten des Korpus - als Garnitur aufgesteckt werden, lässt sich aus dem kurzen Fragment nicht entscheiden.

Handschrift
Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch
Folio
Fol. 032r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)
Entstehung
Württemberg / Basel, 1460
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartgell / gel

Gewählte Lesart: Farbadjektiv 'gelb', das nach mittelalterlicher Konvention auf Safran als Färbemittel verweist, obwohl Safran im Text selbst nicht genannt wird.

Andere mögliche Lesart:

  • Rein beschreibendes Farbadjektiv ohne implizierte Zutat. - Der Text nennt tatsächlich kein Färbemittel, daher könnte 'gelb' auch schlicht das gewünschte Ergebnis beschreiben, ohne dass eine bestimmte Zutat gemeint ist.

Lesartsulcz

Gewählte Lesart: Dicke, kalt servierte Würzsauce, da kein Geliermittel im Text genannt wird.

Andere mögliche Lesart:

  • Festes Aspik/Gallerte, wie von der CoReMA-Sachglosse (Wikidata: aspic) nahegelegt. - Die Wikidata-Verlinkung der Quelle klassifiziert 'sulcz' als aspic, doch ohne genannte Gelier-Zutat bleibt unklar, ob eine feste Konsistenz tatsächlich erreicht wurde.

Lesartmandel keren (Funktion)

Gewählte Lesart: Die Mandelkerne werden in die Sülze eingerührt, wie es der Wortlaut ('wirf... darein') nahelegt.

Andere mögliche Lesart:

  • Die Mandelkerne dienen als Steckgarnitur auf der bereits fertigen Sülze, wie in vergleichbaren, aufwendigeren Sülze-Rezepten des Korpus. - In diesen Vergleichsrezepten werden ähnliche Mandelkerne nicht zur Färbung, sondern als aufgesteckte Garnitur verwendet; das kurze Fragment von mha-047 lässt beide Lesarten offen, ohne dass sich eine Entscheidung aus dem Text selbst treffen ließe.

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 032r, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Kein eigenständiges Rezept, sondern eine Randnotiz zu einer andernorts beschriebenen Grund-Sülze - für die Lagerküche nicht separat einsetzbar.
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