Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Rheinische Hühner braten und in zwölf Stücke teilen, sodass es für einen Tafelgang genug ist.
Dazu 32 Eier bereithalten, dazu eine gute Brühe, Schmalz, ein Pfund (ca. 500 g) Weinbeeren (Trauben oder Rosinen) und ein Viertel (ca. 125 g) Gewürz. Alles gut würzen.
Über dem Feuer verrühren.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| Reinische huner | Hühner | Metzger | - |
| zwai vnd dreissigk ayer | 32 Eier | - | - |
| ein guote prue | Brühe | - | - |
| schmalcz | Schmalz | - | - |
| ain pfunt weinper | 500 g Weinbeeren (Trauben oder Rosinen) | - | - |
| ain vierdung gewurcz | 125 g Gewürzmischung | Gewürzhandel | Pfeffer, Ingwer, Muskat, Nelken als typische Mischung der Zeit |
Welches Gericht ist das?
Ein Hühnergericht mit einer separat am Feuer gerührten Ei-Schmalz-Tunke aus Weinbeeren und Gewürz - strukturell nahe dem, was die deutsche Küche bis heute Legieren nennt (eine Sauce mit Ei über Hitze binden), hier allerdings als dicke, süßlich-würzige Tunke statt klarer Suppe. Eine feste Verwandtschaftslinie zu einem bestimmten späteren Gericht lässt sich daraus nicht ableiten, nur die strukturelle Nähe zu ei-gebundenen, fruchthaltigen Geflügelsaucen höfischer Küchen des 15. Jahrhunderts.
Weinbeeren: Trauben oder Rosinen?
Der Text nennt "weinper" ohne Einweich- oder Quellschritt vor der Verwendung. Das spricht eher für frische Trauben, schließt getrocknete Rosinen aber nicht aus - beide Lesarten bleiben offen, für die Praxis eignen sich beide.
Praxis.
Hühner braten und in zwölf Stücke teilen. Parallel Eier, Brühe, Schmalz, Weinbeeren und Gewürz in einem Topf über dem Feuer verrühren, bis die Mischung bindet - bei 32 Eiern auf diese Flüssigkeitsmenge braucht es Aufmerksamkeit, damit die Masse sämig bindet statt zu Rührei zu gerinnen. Das Manuskript endet mit diesem Rührschritt über dem Feuer; ob und wie die Tunke anschließend über die Hühnerstücke gegeben wird, sagt der Text nicht ausdrücklich - naheliegend, aber eine eigene Ergänzung über den Wortlaut hinaus.
Das Verhältnis wirkt auf den ersten Blick seltsam, ist aber typisch für höfische Bankettrezepte: die Eier bilden nicht die Beilage, sondern die Basis einer dicken, reichhaltigen Tunke aus Schmalz, Weinbeeren und Gewürz. Die Menge zeigt, dass hier für eine größere Tafelrunde gekocht wurde.
Vierdung war ein historisches Viertel-Maß, meist ein Viertelpfund oder eine feste Gewichtseinheit um die 60 g. Für dieses Rezept wurde es grob mit rund 125 g Gewürzmischung angesetzt, moderne Nachkocher können hier nach Geschmack variieren.
Ja, mit etwas Vorbereitung: Hühner am Spieß oder in der Pfanne braten, parallel dazu die Eier-Schmalz-Tunke im Topf über dem Feuer rühren, bis sie bindet. Bei der großen Eiermenge lohnt Aufmerksamkeit, damit die Masse sämig bindet statt zu Rührei zu gerinnen. Rund 90 Minuten Gesamtzeit, gut machbar mit Standard-Lagerausrüstung.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
Wörtlich 'rheinische Hühner' - vermutlich eine regionale Herkunftsbezeichnung für besonders geschätztes Geflügel aus dem Rheinland, ein Statusmerkmal auf der Speisekarte.
Historisches Viertel-Maß, ungefähr ein Viertelpfund. In manchen Quellen auch eine feste Gewichtseinheit von etwa 60 g, hier als Gewürzmenge grob mit 125 g angesetzt.
Wörtlich 'Weinbeeren' - ob getrocknete Rosinen oder frische Trauben gemeint sind, bleibt hier offen; der Text nennt keinen Einweich- oder Quellschritt, wie er bei Rosinen sonst oft vorkommt.
Brühe, hier als Grundlage der Eier-Schmalz-Tunke.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Reinischen honern
Gewählte Lesart: Als 'Rheinische Hühner' übersetzt, eine regionale Herkunftsbezeichnung für hochwertiges Geflügel.
Andere mögliche Lesart:
vierdung
Gewählte Lesart: Als Viertelpfund-Maß gelesen und mit rund 125 g Gewürz umgerechnet.
Andere mögliche Lesart:
Gewählte Lesart: Als 'Weinbeeren' übersetzt, ohne Festlegung zwischen frischen Weintrauben und getrockneten Rosinen.
Andere mögliche Lesarten:
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