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Gebratener Reiher mit Safranbrühe

Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1) · Österreich (Mondsee, Oberösterreich) · 1480

WildHauptspeise · WildLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 7/10
Zubereitungszeit90 Min.Portionen2-4 PersonenBuchMondseer Kochbuch (~1480)

Wenn du einen guten Reiher zubereiten willst, dann brate einen Reiher.

Bereite dazu eine gute Brühe mit Safran zu und serviere es dann saftig auf den Tisch.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
raiger Reiher ⚠ In Deutschland und der EU streng geschützt (FFH-Richtlinie Anhang I). Nicht legal erhältlich. Für historische Nachstellungen: Zuchtgans oder Ente als Ersatz. Zuchtgans oder Ente
saffran Safran gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
pruelein Brühe - -

Welches Gericht ist das? Im Kern ist das ein ganz gebratener Wildvogel mit separat aufgekochter, safrangefärbter Bratensauce - die nächste lebende Verwandtschaft ist die klassische Wildgeflügelplatte mit Bratensauce (Wildente, Fasan), bei der das Fleisch ganz gebraten und mit einem reduzierten, gewürzten Fond serviert wird.

Zwei getrennte Arbeitsschritte, keine Bindung. Der Reiher wird am Spieß oder im Bratrohr durchgegart, während parallel eine dünnflüssige Safranbrühe entsteht - vom Text nicht als sämige Sauce beschrieben, eher als klare, goldgelbe Jus-artige Begleitflüssigkeit. Eine Bindung mit Semmel, Mandeln oder Ei wird im Rezept nicht erwähnt und sollte auch nicht unterstellt werden.

Praxis. Reiher ist in Deutschland und der EU streng geschützt und darf nicht gejagt, gehandelt oder gegessen werden - für eine Nachstellung eignet sich ein ganzer Gänse- oder Entenbraten. Der Vogel wird gerupft, ausgenommen und am Spieß oder im Ofen bei mittlerer Hitze langsam gebraten, bis er durchgegart, aber innen noch saftig ist (bei einem großen Vogel 1,5 bis 2 Stunden). Parallel dazu Geflügelfond mit einer guten Prise Safran aufkochen und offen etwas einkochen lassen, bis die Farbe kräftig goldgelb ist. Zum Servieren wird der Braten mit der Safranbrühe beträufelt oder die Brühe daneben gereicht, sodass das ganze Gericht - Fleisch und Sauce zusammen - saftig auf den Tisch kommt. Für die Lagerküche ist das wegen der langen Bratzeit und der nötigen Zeitfenster-Koordination zwischen Braten und Sauce eher ein Schaugericht am Spieß über offener Flamme als ein Alltagsgericht im Taktbetrieb.

Wo bekomme ich Reiher?

Reiher sind in Deutschland und der EU streng geschützt und dürfen nicht gejagt oder gehandelt werden. Für eine historische Nachstellung kannst du auf eine Zuchtgans oder Ente zurückgreifen, um die Größe und den Charakter eines Wildvogels zu imitieren.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein - Reiher sind streng geschützt und nicht legal erhältlich. Selbst mit Ersatzgeflügel bleibt es ein Gericht mit langer Bratzeit und paralleler Sauce-Zubereitung, das sich kaum im Taktbetrieb eines Marktstands stemmen lässt - eher ein Schaugericht am Spieß als ein Alltagsgericht der Lagerküche.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Mondseer Kochbuch', einer umfangreichen deutschsprachigen Rezeptsammlung aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Es wurde im bairisch-österreichischen Raum, vermutlich im Umfeld des Klosters Mondsee, verfasst und spiegelt die gehobene Küche der Zeit wider.

Was bedeutet 'guecz pruelein' im Rezept?

'Guecz pruelein' bedeutet 'gute Brühe'. 'Guecz' ist eine im Mondseer Kochbuch mehrfach belegte Schreibvariante von 'guot' (=gut) und keine Kurzform von 'gewürz'. Die Brühe wird mit Safran verfeinert, was ihr eine edle Farbe und ein besonderes Aroma verleiht.

ITem wil dw raiger guett machen So mach ain gepratten raiger vnd ein guecz pruelein mit saffran vnd gibs also safftig hin auff den tisch
raiger

Der Reiher war im Mittelalter ein beliebtes Jagdwild und galt als Statussymbol auf der Tafel des Adels. Heute sind Reiher in Deutschland und der EU streng geschützt.

gepratten

Partizip 'gebraten', hier im Sinne von 'einen gebratenen Reiher zubereiten'.

safftig

Bedeutet 'saftig' im Sinne von feucht und aromatisch, nicht 'säftig' im modernen Sinne von viel Saft enthaltend.

guecz

Schreibvariante von 'guot' (=gut); im Mondseer Kochbuch mehrfach belegt (u.a. mon-011, mon-023, mon-052, mon-076, mon-112, mon-126), nie als Kurzform von 'gewürz'.

Handschrift
Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)
Folio
Fol. 040r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)
Entstehung
Österreich (Mondsee, Oberösterreich), 1480
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartgepratten

Gewählte Lesart: 'Gebraten' - als Partizip des Verbs 'braten', bezogen auf den Reiher.

Andere mögliche Lesart:

  • 'Brät' - Das Wort 'geprät' kann 'Brät' (fein zerkleinertes Fleisch) bedeuten. Hier steht es jedoch als Partizip zu 'raiger' ('ain gepratten raiger'), was eindeutig 'ein gebratener Reiher' meint und nicht 'Reiherbrät'.

Originalwerk (~1480) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 040r, Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. GR1 (Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Nein - Reiher sind in Deutschland und der EU streng geschützt und dürfen nicht gejagt oder gehandelt werden. Die Zubereitung eines ganzen Vogels ist zudem aufwendig und nicht für die Lagerküche geeignet.
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