München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632 · Rott am Inn, Oberbayern · 1460
Wenn du einen guten Eierkuchen nach Meißner Art für eine Herrenschüssel zubereiten möchtest, so nimm zehn Eier und schlage sie sehr gut auf. Nimm dann Petersilie und rühre sie unter die Eier.
Nimm eine Pfanne und setze sie auf die Glut. Gib ein wenig Schmalz hinein und gieße dann die geschlagenen Eier dazu. Lasse sie so braten und wende den Eierkuchen dann. Gib noch ein wenig geriebenes Semmelmehl dazu.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| zehen ayer | 10 Eier | - | - |
| petersil | Petersilie | - | - |
| schmaltz | Schmalz | Metzger, Supermarkt | Pflanzenöl oder Butter |
| geriben semel mel | geriebene Semmel | - | Paniermehl |
Welches Gericht ist das? Ein Kräuter-Eierkuchen ‚nach Meißner Art' für eine Herrenschüssel - im Kern eine Petersilien-Omelette/Frittata aus zehn Eiern, in Schmalz gebacken und mit geriebener Semmel bestäubt. Verwandt mit dem welschen Kräuter-Eierkuchen koe-015.
Technik. Zehn Eier gut verschlagen, reichlich gehackte Petersilie unterrühren. In einem feuerfesten Gefäß (der Text sagt mörser, hier als Tiegel/Pfanne auf der Glut zu verstehen) etwas Schmalz erhitzen, die Eier eingießen, stocken lassen, wenden und mit etwas geriebener Semmel (nicht Mehl) bestreuen.
Praxis. Wie eine dicke Kräuter-Frittata: 10 Eier mit einem großen Bund gehackter Petersilie und etwas Salz verquirlen, in der Pfanne bei mittlerer Hitze in Butterschmalz stocken lassen, einmal wenden, zum Schluss mit Semmelbröseln bestreuen. Als sättigende Eierspeise.
Der Begriff 'Meychsischen' bezieht sich wahrscheinlich auf die Stadt Meißen in Sachsen und deutet auf eine Zubereitungsart oder einen Stil hin, der aus dieser Region stammt oder dort populär war. Es könnte eine regionale Spezialität oder eine bekannte Art der Eierzubereitung gewesen sein.
Ja, dieses Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Es ist schnell zubereitet (ca. 15 Minuten), benötigt nur einfache Zutaten wie Eier, Petersilie, Schmalz und Semmelmehl, die gut transportierbar sind und keine aufwendige Kühlung erfordern. Eine Pfanne und eine Feuerstelle mit Glut sind ausreichend.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Klosterkochbuch Rott am Inn' (Clm 15632), einer Handschrift aus dem Benediktinerkloster Rott am Inn in Bayern, datiert auf die Jahre 1458 und 1464. Es ist ein Beispiel für die frühneuhochdeutsche Klosterküche dieser Zeit.
Obwohl ein Mörser primär zum Zerstoßen von Zutaten dient, wird er hier im Kontext von 'auf die Glut setzen' und 'Schmalz hineintun' als eine Art Pfanne oder flaches Kochgefäß interpretiert, das direkt auf die Glut gestellt werden kann. Für die moderne Zubereitung verwendest du einfach eine Bratpfanne.
Im Mittelhochdeutschen und Frühneuhochdeutschen bezeichnet ‚semel‘ geriebenes Weißbrot oder Semmelbrösel zur Bindung, nicht Mehl im modernen Sinne. Mehlbindungen (wie eine Mehlschwitze) sind für diese Zeit anachronistisch.
Obwohl ‚Mörser‘ wörtlich ein Reibgefäß ist, wird es hier im Kontext von ‚auf die Glut setzen‘ und ‚Schmalz hineintun‘ als Pfanne oder ein ähnliches Kochgefäß interpretiert, das direkt auf die Glut gestellt werden kann.
Die ‚Glut‘ bezeichnet die heißen, glühenden Kohlen eines Feuers, die eine gleichmäßigere Hitze zum Kochen und Braten liefern als offene Flammen.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Meychsischen
Gewählte Lesart: Als 'Meißner Art' oder 'aus Meißen stammend' interpretiert. Dies deutet auf einen regionalen Stil oder eine spezifische Zubereitungsweise hin, die mit der Stadt Meißen in Verbindung gebracht wird.
Andere mögliche Lesart:
zerschlach
Gewählte Lesart: Als 'aufschlagen' oder 'verquirlen' der Eier interpretiert, da 'gar wol' (sehr gut) auf ein gründliches Vermischen hindeutet.
Andere mögliche Lesart:
morser
Gewählte Lesart: Als 'Pfanne' oder ein flaches Kochgefäß interpretiert, das direkt auf die Glut gestellt werden kann, da die Anweisungen 'setz In auff ein glut' und 'thue dar ein ein wenig schmaltz' auf eine Bratfunktion hindeuten.
Andere mögliche Lesart:
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