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Feine Gewürzmischung (Pouldre Fine)

Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent · Frankreich · 1300

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofkücheVeganVegan
Zubereitungszeit5 Min.PortionenEin GewürzvorratBuchLe Viandier de Taillevent (~1300)

Ingwer, Zimt, Nelken, Paradieskörner, Pfeffer, Mastix, Galgant, Muskatnuss, Safran, Zimt, Zucker, Anis und feines Pulver.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Gingembre Ingwer - -
canelle Zimt - -
girofle Nelken - -
graine de paradis Paradieskörner Online (z.B. Gewürzhändler) Schwarzer Pfeffer mit einem Hauch Kardamom
poiure Pfeffer - -
mastic Mastix Online (Spezialitätengeschäfte) -
garingal Galgant Asiamarkt, Online (Gewürzhändler) Ingwer
noix muscade Muskatnuss - -
saffran Safran - -
sucre Zucker - -
agnis Anis - -
pouldre fine Feine Gewürzmischung - -

Welches Gericht ist das? Kein Gericht, sondern die Zutatenliste einer pouldre fine - der feinen, eher süßlichen Standard-Gewürzmischung der französischen höfischen Küche. Sie ist das Pendant zur kräftig-scharfen pouldre forte und entspricht funktional einem mittelalterlichen „Universalgewürz", das viele Saucen und Braten würzte. Heute am ehesten mit einer hauseigenen Lebkuchen- oder Glühwein-Gewürzmischung vergleichbar.

Die Liste nennt nur die Bestandteile, keine Mengen: gingembre (Ingwer), canelle (Zimt, doppelt genannt), girofle (Nelken), graine de paradis (Paradieskörner - pfeffrig-kardamomartig), poiure (Pfeffer), mastic (Mastix, das aromatische Harz des Mastixstrauchs, zugleich Bindemittel), garingal (Galgant), noix muscade (Muskatnuss), saffran (Safran), sucre (Zucker) und agnis (Anis). Das abschließende & pouldre fine ist vermutlich eine Selbstbenennung der Mischung ("= das ist Pouldre fine"), nicht eine weitere Zutat.

Saffran und sucre machen die süß-goldene Note aus, die pouldre fine von der scharfen pouldre forte unterscheidet.

Praxis. Alle Gewürze einzeln im Mörser oder in der Mühle fein mahlen und mischen (Safran getrennt zerstoßen, Zucker zuletzt unter). Mengen nach Geschmack; bewährt ist eine zimt- und ingwerbetonte Basis mit wenig Nelke/Muskat und nur einer Prise Safran. In einem luftdichten Glas hält die Mischung lange und lässt sich fertig zum Lagerfeuer mitbringen - ideal als Allzweck-Würze für Saucen, Braten und Gewürzwein.

Was ist eine ‚Pouldre Fine‘?

Pouldre Fine‘ (feines Pulver) war im Mittelalter ein allgemeiner Begriff für eine fein gemahlene Gewürzmischung. Es gab oft verschiedene Mischungen, wie ‚Pouldre Forte‘ (stark gewürzt) und ‚Pouldre Douce‘ (mild/süßlich). Dieses Rezept listet die Bestandteile einer solchen feinen Mischung auf, ohne genaue Mengen anzugeben.

Wo bekomme ich Paradieskörner und Mastix?

Paradieskörner (Graine de Paradis) sind ein pfeffrig-kardamomartiges Gewürz, das im Mittelalter häufig als Pfefferersatz verwendet wurde. Du findest sie bei spezialisierten Gewürzhändlern online. Als Alternative kannst du schwarzen Pfeffer mit einem Hauch Kardamom verwenden. Mastix ist ein Harz des Mastixbaums, das als Gewürz und Verdickungsmittel dient. Es ist in Apotheken oder in Online-Shops für orientalische Spezialitäten erhältlich.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Die Gewürze können zuhause gemahlen und als fertige Mischung in einem luftdichten Behälter mitgebracht werden. So hast du eine vielseitige Gewürzbasis für verschiedene Gerichte direkt am Lagerfeuer.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem berühmten französischen Kochbuch ‚Le Viandier de Taillevent‘, das in verschiedenen Versionen vom späten 14. bis ins 15. Jahrhundert überliefert ist. Die hier vorliegende Version enthält eine handschriftliche Datierung auf das Jahr 1455, was sie zu einem wertvollen Zeugnis der mittelalterlichen Küche macht.

Gingembre canelle girofle graine de paradis poiure mastic garingal noix muscade saffran canelle sucre agnis & pouldre fine. Du chapellet fait au boys sur la mer le siziesme iour de iuing. Mil quatre cens cinquante & cinq par Monseigneur du Mayne / & Madamoyselle de chasteau brun. Le Premier.
chapellet

Ein Kranz, Haarkranz oder Rosenkranz.

au boys sur la mer

Wörtlich „im Wald auf dem Meer“, eine ungewöhnliche Formulierung, die „am Meer im Wald“ oder „auf einem Schiff nahe dem Wald“ bedeuten könnte.

Monseigneur du Mayne / & Madamoyselle de chasteau brun

Namen der Personen, die die handschriftliche Notiz verfasst haben.

Le Premier

„Der Erste“ - vermutlich eine Nummerierung innerhalb einer Sammlung von Rezepten oder Listen.

Handschrift
Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent
Folio
Fol. 017r
Sprache
Moyen Français (ca. 1300-1400)
Entstehung
Frankreich, 1300

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartGingembre canelle girofle graine de paradis poiure mastic garingal noix muscade saffran canelle sucre agnis & pouldre fine. / Le Premier.

Gewählte Lesart: Diese Passage wird als eine Liste von Zutaten für eine allgemeine feine Gewürzmischung (Pouldre Fine) interpretiert, ohne spezifische Mengenangaben oder Zubereitungsanweisungen. ‚Le Premier‘ wird als Nummerierung oder Titel für diese Liste verstanden. ‚Pouldre fine‘ am Ende wird als eine zusätzliche, generische Gewürzmischung interpretiert, die zu den einzeln aufgeführten Gewürzen hinzugefügt werden kann.

Andere mögliche Lesart:

  • Die Liste könnte auch als eine Aufzählung von Gewürzen verstanden werden, die in einem nicht näher beschriebenen ‚ersten‘ Gericht verwendet werden sollen, wobei ‚pouldre fine‘ dann das Ergebnis des Mahlens dieser Gewürze wäre und keine separate Zutat darstellt. - Ohne explizite Anweisungen ist die genaue Verwendung der Liste offen. Die Formulierung ‚& pouldre fine‘ am Ende könnte sowohl eine weitere Zutat (eine fertige Mischung) als auch eine Anweisung (alles zu feinem Pulver verarbeiten) sein. Die Interpretation als separate Zutat ist jedoch plausibler, da ‚pouldre fine‘ ein etablierter Begriff für eine Gewürzmischung war, die oft als eigenständige Zutat verwendet wurde.

Originalwerk (~1300) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 017r, Bibliothèque nationale de France, Manuscrit Français 19791, Gallica (ark:/12148/btv1b10501680z) - Domaine public Quelle öffnen
Transkription
Pichon & Vicaire 1892 (kritische Edition), Project Gutenberg #26567 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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Gewürze zuhause mahlen und als fertige Mischung im luftdichten Glas mitbringen - haltbar, kein Gerät am Lager nötig, vielseitig einsetzbar.
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