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Mandelmus mit gebratenen Äpfeln

Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9.3/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit15 Min.Portionen2-4 PersonenBuchDas Buch von guter Speise (~1350)

Wenn Ihr ein Mandelmus zubereiten wollt, so nehmt Mandelmilch und Brot. Schneidet das Brot würfelförmig und gebt es in die Mandelmilch, dann lasst es aufkochen. Nehmt sodann einen Apfel, schneidet auch diesen würfelförmig und bratet ihn in etwas pflanzlichem Fett an. Gebt die gebratenen Apfelwürfel auf das Mandelmus.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
mandelmilch Mandelmilch - -
brot Altbackenes Brot Bäcker / Supermarkt -
einen apfel 1 Apfel Supermarkt / Wochenmarkt -
eime smaltze Pflanzliches Öl (z.B. Olivenöl, Rapsöl) Supermarkt Tierisches Schmalz (nicht fastenkonform)

Welches Gericht ist das? Ein süßer Brotbrei in Mandelmilch mit gebratenen Apfelwürfeln - im Geiste der direkte Verwandte von Armen Rittern und Brotpudding, fastenkonform durch die Mandelmilch statt Kuhmilch. Ein naher Vetter ist der Käse-Quark-freie Mandelziger bgs-071 sowie das gleichnamige Mandelmus aus dem Rheinfränkischen (rfk-017), nach Meister Hans (mha-002) und mit Reismehl statt Brot gebunden (m5919-030).

erwelle. Das Brot wird in der Mandelmilch erwellet - aufgekocht und weichgegart, bis es die Flüssigkeit aufgesogen hat und ein dickes Mus entsteht. Kein Backen, kein Stocken - reine Topf-Arbeit am Feuer.

smaltze. Der Apfel wird in eime smaltze verarbeitet - das Verb dafür fehlt an dieser Stelle im Transkript, der engste Zwilling bgs-075 hat hier aber die Vollform „...vnd roest den in eime smaltze“ (rösten/braten), was die Lesart „braten“ gut stützt. In einem Mandelmilch-Gericht (klassische Fastenspeise) ist das pflanzliches Fett - Öl oder Nussöl -, denn tierisches Schmalz wäre fastenwidrig. Außerhalb der Fastenzeit ginge auch Butter oder Schmalz.

Praxis. Etwa zwei Teile Mandelmilch auf einen Teil altbackene Weißbrotwürfel (1-2 cm). Mandelmilch erhitzen, Brot zugeben, aufkochen, dann sanft 10-15 Minuten köcheln, bis ein dickes Mus entsteht, das langsam vom Löffel fällt. Eine Prise Salz hebt die Mandelsüße; eine Messerspitze Zimt oder Ingwer ist zeittypisch und denkbar, auch wenn das knappe Original keine Gewürze nennt. Die Apfelwürfel (ca. 1 cm) in Öl goldbraun und leicht karamellig braten und warm über das Mus geben.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Es benötigt nur wenige, leicht zu transportierende Zutaten und kann mit einem Topf und einer Pfanne über offenem Feuer oder einem Kocher schnell zubereitet werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Buch von guter Speise', einer der ältesten bekannten deutschsprachigen Kochbuchsammlungen, die um 1350 in Süddeutschland (vermutlich Würzburg) entstanden ist. Es gibt Einblicke in die Kochkultur des Spätmittelalters, verortet im Umfeld eines geistlich-höfischen Haushalts.

Was bedeutet 'smaltze' im Rezept?

'Smaltze' bedeutet 'Schmalz' oder 'Fett'. Da das Rezept Mandelmilch verwendet, die oft in Fastenzeiten als Milchersatz diente, wird hier 'smaltze' als pflanzliches Fett (z.B. Olivenöl oder Nussöl) interpretiert, um die Fastenkonformität des Gerichts zu wahren. Außerhalb der Fastenzeit wäre auch tierisches Schmalz denkbar.

Ein mandelmuos. So du wilt machen ein mandelmuos, so nim mandelmilch vnd brot vnd snide daz wuerfeleht vnd tuo daz in die mandelmilch erwelle daz. vnd nim einen apfel vnd snit den wuerfeleht den in eime smaltze, vnd tuo daz vf daz mandelmuos. vnd
mandelmuos

Mandelmus oder -brei, eine häufige Fastenspeise - hier mit Brot zu einem dicken Mus gekocht.

erwelle daz

Lass es aufkochen / aufwallen (erwellen) - das Brot gart dabei in der Mandelmilch weich, bis ein Mus entsteht. Nicht „vollenden“.

smaltze

Bratfett. Im Mandelmilch-Kontext (Fastenspeise) pflanzliches Öl; außerhalb der Fastenzeit auch tierisches Schmalz oder Butter.

den in eime smaltze

Zwischen „snit den wuerfeleht“ und „den in eime smaltze“ fehlt im Transkript das Verb für die Fettbehandlung des Apfels. Der Zwilling bgs-075 hat an derselben Stelle die Vollform „snit den wuerfeleht vnd roest den in eime smaltze“ - die Übersetzung mit „braten“ folgt dieser durch den engsten Zwilling gestützten Lesart.

Handschrift
Daz buoch von guoter spîse
Folio
Fol. 163v
Sprache
Mittelhochdeutsch
Entstehung
Würzburg, 1350

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartsmaltze

Gewählte Lesart: Pflanzliches Öl - das Gericht ist durch die Mandelmilch eine Fastenspeise, in der tierisches Fett vermieden wurde.

Andere mögliche Lesart:

  • Tierisches Schmalz (z.B. Schweineschmalz). - Die Handschrift gibt keine ausdrückliche Fastenanweisung; außerhalb der Fastenzeit war Schmalz das gängige Bratfett. Die Mandelmilch legt aber den fastenkonformen Gebrauch nahe.

Originalwerk (~1350) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 163v, Universitätsbibliothek München, 2° Cod. ms. 731 (Cim. 4), Open Access LMU
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 1994/2001) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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