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Eingelegte Mandeln und Nüsse

Le Ménagier de Paris · Paris · 1393

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Bürgerliche KücheBürgerlichVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit60 Min.Portionen1 Glas (ca. 500 ml)BuchMénagier de Paris (~1393)

Nimm frische Mandeln und entferne mit einem Messer vorsichtig die äußere Haut. Stich danach jede Mandel in der Mitte durch. Sind diese Schritte getan, lege die Mandeln in frisches Wasser und lasse sie dort fünf oder sechs Tage lang stehen. Wechsle das Wasser jedoch jeden Tag einmal. Nach Ablauf der fünf oder sechs Tage nimm die Mandeln aus dem Wasser und lege sie in frisches Wasser, wo sie einen ganzen Tag lang verbleiben sollen, um den Geruch und unerwünschten Geschmack des vorherigen Wassers zu entfernen. Danach nimm eine ausreichende Menge guten und besten Honigs, passend zur Menge der Mandeln. Lasse diesen Honig gut kochen und ausreichend einkochen, und reinige ihn dabei. Wenn er gekocht und abgekühlt ist, stecke in jedes Loch der Mandeln eine Nelke. Lege alle Mandeln in ein gutes Tongefäß und gieße den Honig darüber. Ebenso verfahre mit Walnüssen, doch diese müssen neun Tage lang im Wasser stehen, wobei das Wasser täglich zu wechseln ist. Der gut gekochte und zubereitete Honig soll die Mandeln und Nüsse bedecken. Nach zwei Monaten können sie gegessen werden.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Agmidala rescencia 500 g frische Mandeln - -
aqua dulci Wasser Leitung -
boni et optimi mellis 500 g Honig - -
gariofilum 10-20 ganze Nelken - -
nucibus 250 g Walnüsse - -

Welches Gericht ist das? Eine Honigkonserve aus Mandeln und Walnüssen - der direkte Verwandte der bis heute in Süditalien und am Balkan beliebten in Honig oder Sirup eingelegten Nüsse und der „schwarzen" grünen Walnüsse. Die Nüsse werden tagelang gewässert, mit Nelken gespickt und in eingekochtem Honig zwei Monate gereift. Dasselbe Verfahren - mit der Ahle durchstechen, wässern, in Honig-Sud setzen - findet sich fast wortgleich in den deutschen Walnuss-Konserven des Korpus.

Ungewöhnlich ist, dass dieser Text lateinisch überliefert ist (agmidala = Mandeln, nuces = Walnüsse), während der Ménagier sonst auf Mittelfranzösisch schreibt.

Das lange Wässern mit täglichem Wasserwechsel - fünf bis sechs Tage für Mandeln, neun für Walnüsse - zieht Bitter- und Gerbstoffe heraus. Der Schritt, die Nüsse zum Schluss noch einen Tag in frisches Wasser zu legen, um den vapor dicte aque zu entfernen, meint, den muffigen Geruch und Beigeschmack des alten Wassers loszuwerden.

Der Honig wird decoquatur … et purgetur, also eingekocht und dabei abgeschäumt (geklärt), bis er dickflüssig genug ist, um die Nüsse vollständig zu bedecken und haltbar zu konservieren. In jedes vorgestochene Loch kommt eine Nelke (gariofilum), die Würze und Konservierung beisteuert.

Praxis. Mandeln häuten, mittig durchstechen, 5-6 Tage wässern (täglich Wasser wechseln), Walnüsse 9 Tage. Zum Schluss einen Tag in frischem Wasser. Honig sanft einkochen und abschäumen. In jedes Loch eine Nelke stecken, Nüsse in ein Tongefäß schichten, mit dem heißen Honig randvoll bedecken. Verschlossen 2 Monate durchziehen lassen.

Was bedeutet 'vapor dicte aque' und wie entferne ich ihn?

'Vapor dicte aque' bezieht sich auf den Geruch oder unerwünschten Geschmack, den das Wasser nach dem langen Einweichen annehmen kann. Um ihn zu entfernen, wechsle das Wasser erneut und lasse die Mandeln einen Tag in frischem, sauberem Wasser liegen. Dies hilft, eventuelle Bitterstoffe oder muffige Noten zu beseitigen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist nicht für die direkte Zubereitung im Lager geeignet. Es erfordert ein mehrtägiges Wässern und eine Reifezeit von zwei Monaten. Bereite es zu Hause vor.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem Haushaltsbuch aus dem späten 14. Jahrhundert (um 1393). Es wurde von einem wohlhabenden Pariser Bürger für seine junge Frau verfasst und enthält neben Kochrezepten auch Ratschläge zur Haushaltsführung. Der vorliegende Text ist in Latein verfasst, was für den Ménagier untypisch ist, da die meisten Rezepte in Mittelfranzösisch geschrieben sind.

Was ist der Zweck des langen Wässerns der Mandeln und Nüsse?

Das lange Wässern dient der Vorbereitung und Konservierung. Es hilft, Bitterstoffe aus den Mandeln und Nüssen zu entfernen und sie weicher zu machen, was die Aufnahme des Honigs und die Haltbarkeit verbessert. Es ist eine Form der Vorbehandlung, die für die Langzeitlagerung in Honig wichtig ist.

Agmidala rescencia recipe, et ab eis cum gladio remove eciam subtiliter primum corticem, et postea perforetur quodlibet agmidalum uno foramine in medio. Et hiis peractis, dicta agmidala ponantur in aqua dulci, in qua stent per quinque vel sex dies. Sed qualibet die fiat mutacio aque semel en die. Deinde lapsis quinque vel sex diebus, dicta agmidala extrahantur a dicta aqua et ponantur in aliqua aqua ubi stent per unum diem naturalem ad exteandum et removendum vaporem dicte aque. Postea habeatur sufficiens quantitas boni et optimi mellis respectu quantitatis dictarum agmidalarum. Et illud mel buliatur bene et decoquatur sufficienter et decoquendo purgetur, et cum decoctum fuerit et refrigeratum, ponatur in quolibet foramine dicti agmidali unum gariofilum, et respositis omnibus dictis agmidalis in aliquo bono vase terreo, ponatur desuper. Item fiat de nucibus conficiendis, sed ille habent stare in aqua per novem dies qualibet die mutanda, dictum mel bene decoctum et dispositum pro mensura coperiente dicta agmidala, elapsis duobus mensibus postea comedantur.
Agmidala

Mandeln (lat., für amygdala). Der Text ist - untypisch für den Ménagier - lateinisch.

vapor dicte aque

Geruch und Beigeschmack des Wassers - der muffige Ton, den das Einweichwasser annimmt und der durch frisches Wasser ausgewaschen wird.

decoquatur … purgetur

Einkochen und dabei abschäumen/klären - der Honig wird eingedickt und von Trübstoffen befreit.

gariofilum

Nelke - kommt in jedes vorgestochene Loch der Nuss, für Würze und Haltbarkeit.

vase terreo

Tongefäß.

Handschrift
Le Ménagier de Paris
Folio
Fol. 173r
Sprache
Moyen Français
Entstehung
Paris, 1393

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartvapor dicte aque

Gewählte Lesart: Geruch und unerwünschter Beigeschmack des alten Einweichwassers, der durch einen letzten Tag in frischem Wasser entfernt wird.

Andere mögliche Lesart:

  • Dampf / Ausdünstung des Wassers - Vapor heißt zunächst Dampf. Da das Wasser hier kalt ist, ist die übertragene Bedeutung Geruch/Essenz im Kontext des Auswaschens schlüssiger - die wörtliche Dampf-Lesart bleibt aber im Wortsinn möglich.

Originalwerk (~1393) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 173r, Scan: Bibliothèque nationale de France, Gallica (BnF Manuscrit Français 12477)
Transkription
Base de Français Médiéval (BFM), ENS Lyon - TEI P5, Lizenz Etalab Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Das Einkochen des Honigs und das Einlegen gelingt am Topf über dem Feuer. Das tagelange Wässern und die zweimonatige Reife laufen aber zu Hause - kein Lager-Sofortgericht.
Alle Rezepte aus Ménagier de Paris Alle Kochbücher

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