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Bubenpulbe - gefüllte Eierblatt-Röllchen

Rheinfränkisches Kochbuch (ohne Originaltitel; Ms. germ. fol. 244, fol. 285r-294v) · Mittelrhein · 1445

RindHauptspeise · RindLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittel
Zubereitungszeit75 Min.Portionen4-6 PersonenBuchRheinfränkisches Kochbuch (~1445)

Original - Rheinfränkisch (Mittelhochdeutsch, Mittelrhein, ca. 1445)

Bubenpulbe - gefüllte Eierblatt-Röllchen - Originalseite aus Rheinfränkisches Kochbuch
Fol. 290v, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Ms. germ. fol. 244 (um 1445), fol. 285r-294v - Public Domain Mark 1.0 (Digitalisierung 2014, gefördert durch DFG)

Transkription - Rheinfränkisch (Mittelhochdeutsch, Mittelrhein, ca. 1445)

Wiltu machen einen buben pulbe so nym eins kalbes czunge vnd lungen vnd snyt die gar wol vnd snyt specke dar vnder vnde hacke isz clein vnd slage eyer darane vnd saffran vnd peffer vnde mach dan eyer bleter vnd bewelle isz dar in vnd bestrijch isz andem ende mit eyeren vnd back isz insmalcze

Primäre wissenschaftliche Vergleichs-Edition: Böhm, A. & Klug, H. W. (2021): CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, ms. B1 (Berlin, Staatsbibliothek, Ms. germ. fol. 244). Hyperdiplomatische Transkription, Universität Graz, FWF I 3614, hdl:11471/562.10.1791, CC BY 4.0. Zusätzlich: Thomas Gloning, Sample-Edition (Universität Gießen, rfk1.htm) mit den ersten 5 Rezepten. Volltext-Print-Edition Adelmann/Ehlert/Gloning 1998 (Auer Verlag, ISBN 3-403-03131-4, Tupperware-Stiftungsausgabe, vergriffen).

Moderne Übersetzung

LagerkücheLagerküche-Tipp: Im Lager gut machbar. Die Innereien und der Speck müssen sehr fein gehackt werden, was etwas Zeit in Anspruch nimmt. Frische Kalbsinnereien sollten am Markttag besorgt oder gut gekühlt mitgebracht werden. Die Eierblätter lassen sich gut in einer Pfanne über dem Feuer zubereiten.

Willst du einen Bubenpulbe zubereiten, so nimm eine Kalbszunge und eine Kalbslunge. Schneide diese Innereien sehr fein und füge Speckwürfel hinzu. Hacke die gesamte Mischung sehr klein. Schlage dann Eier, Safran und Pfeffer unter die Masse.

Bereite anschließend dünne Eierblätter (Crêpes) zu. Rolle die Fleischmasse in diesen Eierblättern ein und bestreiche die Enden mit verquirltem Ei. Backe das Gericht schließlich in heißem Schmalz aus.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
eins kalbes czunge Kalbszunge Metzger -
lungen Kalbslunge Metzger -
specke Speck Metzger -
eyer Eier für die Füllung - -
saffran Safran - -
peffer Pfeffer - -
eyer bleter Eier für Eierblätter - -
eyeren Eier zum Bestreichen - -
smalcze Schmalz Metzger Pflanzenöl

Anmerkungen

buben pulbe

Ein Gericht, dessen Name „Bubenpulver“ oder „Bubenbrei“ bedeutet. Die genaue Herkunft des Namens ist unklar, könnte aber auf eine einfache, herzhafte Speise oder eine Anspielung auf die „bubenhaften“ Innereien hindeuten.

czunge vnd lungen

Kalbszunge und Kalbslunge. Innereien waren im Mittelalter eine gängige und geschätzte Zutat, oft fein gehackt oder püriert.

eyer bleter

Dünne Eierkuchen oder Crêpes, die als Hülle für die Füllung dienen. Eine frühe Form von gefüllten Pfannkuchen oder Rouladen.

smalcze

Tierisches Fett, meist Schweineschmalz, das zum Braten und Backen verwendet wurde.

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartbuben pulbe

Gewählte Lesart: „Bubenpulbe“ als Eigenname für das Gericht, das eine fein gehackte oder pürierte Masse bezeichnet.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine Art Brei oder Püree für 'Buben' (Jungen/Knechte). - ‚Bube' kann ‚Junge' oder ‚Knecht' bedeuten, ‚Pulbe' könnte von ‚Pulp' (Brei) oder ‚Pulver' (fein gehackt) kommen. Es wäre eine einfache, nahrhafte Speise für Bedienstete.

Lesartsnyt die gar wol / hacke isz clein

Gewählte Lesart: Die Innereien und der Speck sollen sehr fein geschnitten und gehackt werden, um eine pastenartige Konsistenz zu erreichen.

Andere mögliche Lesart:

  • Die Innereien und der Speck werden nur grob geschnitten und gehackt. - Die Formulierung ‚gar wol' kann auch ‚gut' im Sinne von ‚gründlich' bedeuten, ohne zwingend ‚sehr fein' zu implizieren. Eine gröbere Textur wäre denkbar, aber die Kombination mit ‚hacke isz clein' legt eine feine Verarbeitung nahe.

Lesarteyer bleter

Gewählte Lesart: Dünne Eierkuchen oder Crêpes, die als Hülle dienen.

Andere mögliche Lesart:

  • Eier in Blattform, eventuell eine Art gestocktes Ei, das in dünne Scheiben geschnitten wird. - Obwohl weniger gebräuchlich, könnte ‚Blätter' auch eine Formgebung von gestocktem Ei meinen. Die Anweisung ‚bewelle isz dar in' (rolle es darin ein) spricht jedoch stark für eine flexible Hülle wie einen Crêpe.

Häufige Fragen

Was ist ein 'Bubenpulbe'?

Ein 'Bubenpulbe' ist ein mittelalterliches Gericht, dessen Name wörtlich 'Bubenpulver' oder 'Bubenbrei' bedeutet. Es handelt sich um eine herzhafte Füllung aus fein gehackten Kalbsinnereien und Speck, die in dünne Eierblätter gerollt und in Schmalz ausgebacken wird. Der Name könnte eine spielerische Anspielung auf die einfachen, aber nahrhaften Zutaten sein.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Innereien und der Speck müssen sehr fein gehackt werden, was etwas Zeit in Anspruch nimmt. Frische Kalbsinnereien sollten am Markttag besorgt oder gut gekühlt mitgebracht werden. Die Eierblätter lassen sich gut in einer Pfanne über dem Feuer zubereiten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem „Rheinfränkischen Kochbuch“, das um 1445 verfasst wurde. Es ist eine wichtige Quelle für die bürgerliche Küche des Spätmittelalters im rheinfränkischen Raum.

Was sind 'Eierblätter'?

'Eierblätter' sind dünne Eierkuchen oder Crêpes, die im Mittelalter häufig als Hülle für Füllungen oder als Beilage verwendet wurden. Sie werden ähnlich wie moderne Pfannkuchen zubereitet, aber sehr dünn ausgebacken, um sie rollbar zu machen.

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