Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent · Frankreich · 1300
Für einen passierten Eintopf nimm Kalb- und Geflügelfleisch, in Stücke zerteilt. Brate es in einem Topf in Schweineschmalz an. Gib Rinderbrühe hinzu und lasse Brot darin einweichen. Seihe die Flüssigkeit durch. Füge Paradieskörner und Ingwer hinzu, ohne weitere Gewürze, in ausreichender Menge. Wenn der Eintopf fertig ist, gib Verjus (Saft unreifer Trauben) oder Stachelbeeren darüber.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| veau | Kalbfleisch | - | Metzger | - |
| poulaille | Geflügel | - | Metzger | - |
| sain de lart | Schweineschmalz | - | - | - |
| bouillon de beuf | Rinderbrühe | - | - | - |
| pain | Brot | - | - | - |
| grain | Paradieskörner | - | Online (z.B. Gewürzhändler) | Schwarzer Pfeffer mit einem Hauch Kardamom |
| gingembre | Ingwer | - | - | - |
| vert ius de grain | Verjus | - | Feinkostladen, Online | Weißweinessig oder Zitronensaft |
| grouselles | Stachelbeeren | - | Wochenmarkt (saisonal), Supermarkt (tiefgekühlt) | - |
Welches Gericht ist das? Ein brouet rappé - eine brotgebundene, durchgeseihte Brühe (brouet) über angebratenem Kalb- und Geflügelfleisch, am Schluss mit saurem Saft frisch abgeschmeckt. Die Familie ist im Korpus dicht belegt: men-075 (Eintopf mit gegrilltem Fleisch), men-115 (helles Kalbs-Civet), men-235 ("falscher Knurrhahn") und men-106 (weißes Brouet vom Geflügel) teilen dasselbe Grundverfahren - anbraten, mit Brühe und eingeweichtem Brot binden, passieren, mit Ingwer/Paradieskörnern würzen und mit Verjus oder Stachelbeeren säuern.
rappé (im Titel brouet rappe) bezeichnet die Bindung: Brot wird in der Brühe eingeweicht und dann durchgeseiht (coules), sodass eine sämige Sauce entsteht - nicht zu verwechseln mit gerösteter Bindung anderer Brouets.
grain ist hier kein Getreide, sondern die schon erwähnten Fleischstücke (mittelfranzösisch grain = die festen Bestandteile, das "Eingemachte" eines Eintopfs). Die durchgeseihte Brühe wird also über das Fleisch gegeben.
grain in vert ius de grain meint dagegen Trauben: verjus de grain ist Verjus aus unreifen Weintrauben (im Gegensatz zu Verjus aus Sauerampfer). Als saisonale Alternative nennt der Text grouselles - Stachelbeeren, die im Frühsommer dieselbe frische Säure liefern, bevor die Trauben so weit sind.
Praxis. Kalb- und Geflügelfleisch in Stücke schneiden und in Schweineschmalz im Topf anbraten. Mit kräftiger Rinderbrühe ablöschen, eine Handvoll altbackenes Brot einweichen, kurz ziehen lassen und die Bindung durch ein Sieb oder Tuch passieren. Diese gebundene Brühe übers Fleisch gießen, nur mit Paradieskörnern und Ingwer würzen (der Text betont sans autres espices - ohne weitere Gewürze), gar ziehen lassen. Zum Servieren mit Verjus oder zerdrückten Stachelbeeren übergießen.
Verjus ist der Saft unreifer Weintrauben. Er ist sauer wie Essig, aber fruchtiger und milder im Geschmack. Du findest ihn in gut sortierten Feinkostläden oder online bei spezialisierten Händlern. Alternativ kannst du Weißweinessig oder Zitronensaft verwenden, wobei der Geschmack dann etwas anders ausfällt.
Das Wort 'grain' wird in diesem Rezept in zwei Bedeutungen verwendet. Im ersten Fall ('du grain / & gingembre') bezieht es sich auf Paradieskörner (Maniguette), ein pfeffrig-kardamomartiges Gewürz, das im Mittelalter häufig verwendet wurde. Im zweiten Fall ('vert ius de grain') meint 'grain' unreife Weintrauben, deren Saft als Verjus verwendet wird, um dem Gericht eine säuerliche Note zu verleihen.
Nein, nicht ideal. Es erfordert mehrere Kochschritte, das Passieren von Zutaten und die Verwendung von frischem Fleisch, das ohne Kühlung schnell verderben würde. Bereite es am besten zu Hause vor.
Dieses Rezept stammt aus „Le Viandier de Taillevent“. Ältestes erhaltenes französisches Kochbuch der höfischen Küche (~1300). Taillevent, Chefkoch der Könige Frankreichs, prägt mit diesem Werk die Saucen-, Fleisch- und Festmahlkultur des Spätmittelalters. Erhalten in mehreren Handschriften; Grundlage ist die kritische Edition Pichon & Vicaire (1892) nach der Sion-Handschrift.
Brotgebundene, durchgeseihte Brühe; das eingeweichte Brot wird passiert und macht die Sauce sämig.
Hier die festen Fleischstücke des Eintopfs (mfrz. 'grain' = das Eingemachte), nicht Getreide. In 'vert ius de grain' dagegen: unreife Weintrauben.
Verjus aus unreifen Weintrauben - saures Säuerungsmittel; saisonal durch Stachelbeeren (grouselles) ersetzbar.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| veau | veal Q957434 |
| sain de lart | lard Q72827 |
| bouillon de beuf | beef stock Q96362190 |
| pain | bread Q7802 |
| grain | grain of paradise Q1503476 |
| gingembre | ginger Q15046077 |
| vert ius de grain | verjuice Q1060458 |
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.
Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.