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Holunderblüten-Milchmus

München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919 · Regensburg, Bayern · 1505

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit15 Min.Portionen2-4 PersonenBuchRegensburger Kochbuch (Cgm 5919) (~1505)

Wenn du Holunderblüten-Mus machen willst, nimm die Blüten vom Holunder und lege sie in Milch. Lass sie eine gute Weile darin liegen.

Seihe dann die Milch durch ein Tuch und setze sie auf ein Feuer. Rühre, damit sie nicht gerinnt. Schlage ein paar Eier und gib Fett und gute Gewürze hinzu.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
die plue von dem holer Holunderblüten Wochenmarkt, Wald -
ain milich Milch - -
wer ayr ein paar Eier - -
faist es Fett - Butter oder Schmalz
gut gewurtz gute Gewürze - Zimt, Muskat, Ingwer

Welches Gericht ist das? Ein aromatisch-blumiges Milchmus - im Geiste ein warmer, zarter Pudding oder eine Creme, die ihre feine Süße und ihr einzigartiges Aroma von Holunderblüten erhält und mit Eiern gebunden wird.

So gelingt es. Der Schlüssel zu diesem Mus liegt in der sanften Aromatisierung der Milch und der behutsamen Bindung. Zupfe die Holunderblüten vorsichtig von den groben Stielen und lege sie in die Milch. Für ein intensives Aroma lässt du sie am besten über Nacht im Kühlschrank ziehen; alternativ kannst du die Milch mit den Blüten einmal kurz aufwallen lassen und dann für mindestens eine Stunde ziehen. Seihe die Milch danach unbedingt durch ein feines Tuch oder Sieb, um alle Blütenreste zu entfernen. Setze die aromatisierte Milch bei milder Hitze auf den Herd - idealerweise im Wasserbad, um ein Anbrennen oder Gerinnen zu verhindern. Rühre dabei ständig. Als Startpunkt für die Bindung schlägst du für einen Liter Milch zwei bis drei Eier gut auf. Um ein Stocken der Eier zu vermeiden, temperiere sie: Nimm eine Kelle der warmen Milch, rühre sie langsam unter die Eier und gib dann die Ei-Milch-Mischung unter ständigem Rühren zurück in den Topf. Lass das Mus langsam eindicken, bis es eine sämige Konsistenz hat und den Rücken eines Löffels überzieht. Gib als Startpunkt ein bis zwei Esslöffel Schmalz oder Butter hinzu, das sorgt für Schmelz und Fülle. Der häufigste Fehler ist zu starke Hitze, die die Milch gerinnen oder die Eier stocken lässt; arbeite hier geduldig und mit Gefühl.

So wird es richtig gut. Die ‚guten Gewürze‘ sind hier entscheidend, um das feine Holunderaroma zu unterstreichen, nicht zu überdecken. Eine Prise Zimt und ein Hauch Muskatnuss passen wunderbar. Wenn du es süßer magst, gib etwas Honig oder Zucker hinzu. Achte auf die Balance: Das Mus soll blumig-süß schmecken, nicht überwürzt. Für eine besonders feine Textur kannst du das fertige Mus nochmals durch ein feines Sieb passieren. Serviere es lauwarm, so entfaltet es seine Aromen am besten. Ein paar frische Holunderblüten als Garnitur sind nicht nur schön, sondern unterstreichen auch den Geschmack.

Wo bekomme ich Holunderblüten?

Holunderblüten findest du im Frühsommer an Holundersträuchern in der Natur oder auf Wochenmärkten. Achte darauf, sie an unbelasteten Stellen zu sammeln.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Zubereitung dauert etwa 30 Minuten am offenen Feuer. Milch und Eier müssen gekühlt werden, sind aber am Markttag frisch erhältlich.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Regensburger Kochbuch' (Cgm 5919), das um 1500-1510 in Regensburg verfasst wurde. Es ist ein Beispiel für die gehobene bürgerliche Küche dieser Zeit in Mittelbairn.

Was bedeutet 'grein' im Rezept?

'Grein' bedeutet 'gerinnen' oder 'stocken'. Die Anweisung 'wir das es nicht grein' bedeutet, dass du die Milch unter ständigem Rühren erhitzen sollst, um zu verhindern, dass die Eier in der Milch gerinnen und eine klumpige Konsistenz entsteht.

von holer mus me rck so du holer mus wild machen von holer so nym die plue von dem holer vnd leg dy in ain milich vnd las sy ain guty weill dar yn ligen so seich dy milich durch ain thuch vnd secz sy zw ainem fewr vnd wir das es nicht grein vnd slach wer ayr vnd thue dar ein faist es vnd gut gewurtz
holer

Holunder, im Mittelbairischen oft zu ‚Holer‘ verkürzt. Gemeint sind die Blütendolden (Frühsommer).

merck

Schreiber-Markierung ‚merke‘ am Titel, die hier mehrere aufeinanderfolgende Rezepte einleitet (vgl. m5919-030/031/032) - keine Zutat.

grein

‚gerinnen/stocken‘. Das Rühren beim Erhitzen verhindert, dass Milch und Eier gerinnen, und hält das Mus glatt. Im Scan mit ‚?!‘ als Knackpunkt markiert.

faist es

Fett - hier Butter oder Schmalz, das dem Mus Schmelz und Fülle gibt.

Handschrift
München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919
Folio
Fol. 019r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (mittelbairisch, Regensburg, um 1500-1510)
Entstehung
Regensburg, Bayern, 1505

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartwer ayr

Gewählte Lesart: ‚etliche/ein paar Eier‘ - die Menge bleibt unbestimmt, gemeint ist so viel, wie die Milch zu binden braucht. Die b/w/v-Verwechslung dieser Hand lässt aber auch eine konkrete Zahl zu.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚zwei Eier‘ als Verlesung von zbey (zwei). - Die b/w-Verwechslung ist in dieser Handschrift häufig, und zwei Eier wären eine plausible Bindemenge für ein kleines Milchmus.

Originalwerk (~1505) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 019r, Bayerische Staatsbibliothek München, Cgm 5919 (Regensburg, um 1500); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. M9 (München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Im Topf am Feuer in etwa 30 Minuten fertig. Milch und Eier brauchen Kühlung, sind am Markttag aber frisch erhältlich.
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