München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919 · Regensburg, Bayern · 1505
Merke zu Gänsen:
Die gebratene Gans gib in das Kondiment, das dort beschrieben steht. Auch das Grobe (Zwiebeln oder das Gänse-Klein) gib in das Kondiment.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| dy gepraten gans | Gebratene Gans | Metzger, Wochenmarkt | - |
| das condiment das da geschriben stett | Kondiment (Würzsauce) | - | Säuerliche Pfeffersauce aus Bratenfond/Schmalz, Zwiebeln, geröstetem Brot, hartem Ei, Pfeffer und Essig (vgl. m5919-061) |
| dem zbifall das gros | Das Grobe: grob geschnittene Zwiebeln oder grobes Gänse-Klein (Hals, Herz, Magen, Leber) | Wochenmarkt (Zwiebeln) bzw. Metzger (Gänse-Klein, auf Anfrage) | Hühnerleber und -mägen |
Welches Gericht ist das? Ein knappes Verweis-Rezept aus dem Gänse-Block des Regensburger Kochbuchs: gebratene Gans, zerlegt und in eine andernorts beschriebene Würzsauce (das condiment) gegeben. Es ist keine eigenständige Anleitung, sondern setzt eine bekannte Pfeffer-/Saucenvorschrift voraus. Lebende Verwandtschaft: die heutige Martinsgans mit dunkler Sauce, und allgemein Bratengeflügel, das mit einer aus Bratenfond, Klein und Würze gebundenen Sauce serviert wird.
zbifall das gros - der Schreiber setzt b regelmäßig für w (im direkten Nachbarrezept m5919-070 steht zbay haupt knoflichs = zwei Häupter Knoblauch). zbifall liest sich also als zwival/zwifall. Im Schwesterrezept m5919-061 derselben Hand steht genau dasselbe Wort, dort als Zwiebeln aufgelöst (Nym zbifal vnd hack den clain seud sy waich In Schmalcz - chop fein, in Schmalz weich schmoren), und der stärkste Gänse-Twin bgs-026 baut seine Sauce ebenfalls auf Zwiebeln. Daher hier primär Zwiebeln (grob geschnitten = das gros). Sachlich ebenso vertretbar bleibt das essbare Gänse-Klein (Hals, Herz, Magen, Leber), das in m5919-061 identisch behandelt wird. Da für Cgm 5919 keine kritische Edition vorliegt und der Bearbeiter die Stelle selbst mit »?!« markiert hat, bleibt die Wortbedeutung unsicher; die abwegige Lesart »Abfall/Beifall« ist auszuschließen.
condiment das da geschriben stett - ein interner Querverweis auf eine andere Saucenvorschrift im selben Buch, typisch für mittelalterliche Sammlungen. Naheliegend ist die Pfeffer-Sauce m5919-061 (eigens als von ainem kondiment darzw überschrieben) oder die Knoblauch-Safran-Sauce des unmittelbar vorausgehenden Gänse-Rezepts m5919-070. Die genaue Zielstelle ist nicht eindeutig festzulegen.
Praxis. Gans am Spieß oder im Dutch Oven knusprig braten (ca. 2,5-3 h, Brust ~75 °C Kerntemperatur), dann tranchieren. Für das Kondiment in der Art von m5919-061: grob geschnittene Zwiebeln (und/oder fein gehacktes Gänse-Klein) in Gänseschmalz mit einem Schuss Wasser weich schmoren, mit Pfeffer, etwas geröstetem Brot zum Binden, einem zerdrückten hartgekochten Ei, Salz und einem guten Schuss Essig zur säuerlichen Pfeffersauce verrühren. Die tranchierte Gans hineingeben oder übergießen. Leber, falls verwendet, zuletzt zugeben (zerfällt rasch); die Säure am Feuer vorsichtig dosieren.
Im spätmittelalterlichen Kontext ist ein Kondiment eine stark gewürzte, oft säuerliche Sauce oder Beilage zu Fleisch oder Fisch. Dieses Rezept verweist auf eine an anderer Stelle im Buch beschriebene Saucenvorschrift, ohne sie hier zu wiederholen - vermutlich die Pfeffer-Sauce m5919-061 oder die Knoblauch-Safran-Sauce m5919-070.
Der Schreiber benutzt b häufig für w (so steht zbay für 'zwei'), weshalb zbifall als zwival/zwifall zu lesen ist. Im Schwesterrezept m5919-061 derselben Hand bezeichnet genau dieses Wort Zwiebeln, die fein geschnitten und in Schmalz weich geschmort werden; der stärkste Gänse-Twin bgs-026 baut seine Sauce ebenfalls auf Zwiebeln. Ebenso plausibel bleibt das grobe Gänse-Klein (Hals, Herz, Magen, Leber). Das gros heißt 'das Grobe', also grob geschnitten. Mangels kritischer Edition für Cgm 5919 bleibt die genaue Bedeutung unsicher.
Ja, die Zubereitung einer gebratenen Gans am Spieß oder im Dutch Oven ist im Lager gut machbar, erfordert aber Zeit und eine konstante Feuerführung. Die Sauce selbst ist einfach zuzubereiten, sobald die Basis (Bratensaft, Zwiebeln bzw. Klein) vorhanden ist.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Regensburger Kochbuch' (Cgm 5919), das um 1500-1510 in Regensburg verfasst wurde. Es ist ein Beispiel für die gehobene bürgerliche bis höfische Küche des Spätmittelalters in Mittelbayern.
Eine typische Rubrik- oder Kopfformel in mittelalterlichen Kochbüchern, die 'Merke!' oder 'Beachte!' bedeutet und kein Bestandteil des Rezepts ist.
Partizip Perfekt von ‚braten‘, bedeutet ‚gebraten‘ oder ‚geröstet‘, nicht ‚Brät‘ (fein gehacktes Fleisch).
Ein Kondiment ist im Spätmittelalter eine stark gewürzte, oft säuerliche Sauce oder Beilage zu Fleisch oder Fisch. Hier ein interner Querverweis auf eine andernorts im Buch beschriebene Saucenvorschrift (vgl. m5919-061, m5919-070).
Der Schreiber setzt b regelmäßig für w (vgl. zbay = zwei in m5919-070), daher zwival/zwifall. Im Schwesterrezept m5919-061 derselben Hand steht dasselbe Wort und wird als Zwiebeln aufgelöst; ebenso vertretbar ist das essbare Gänse-Klein (Innereien). Für Cgm 5919 fehlt eine kritische Edition; der Bearbeiter markierte die Stelle selbst mit »?!«, die Bedeutung bleibt unsicher.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
gensenn
Gewählte Lesart: Gänsen (Plural von Gans).
zbifall / das gros
Gewählte Lesart: Mit der b->w-Regel dieses Schreibers zwival/zwifall = Zwiebeln, grob geschnitten (das gros = das Grobe). Im Schwesterrezept m5919-061 derselben Hand steht dasselbe Wort als Zwiebeln; der Gänse-Twin bgs-026 nutzt ebenfalls eine Zwiebel-Sauce. Mangels kritischer Edition für Cgm 5919 bleibt die Lesart unsicher.
Andere mögliche Lesart:
condimentt
Gewählte Lesart: Kondiment. Das doppelte 't' ist eine häufige Schreibvariante des Frühneuhochdeutschen.
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