Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Knödel macht man so: Nimm Kalbfleisch und hacke Speck darunter, würze gut und reibe es. Gib Eier und Weißbrot darunter und mache Kugeln daraus. Siede sie in heißem Wasser. Schneide sie und gib es hin zu essen.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| ain kalbflaisch | Kalbfleisch | Metzger | Rinderhackfleisch |
| speck | Speck | Metzger | - |
| gewurcz wol | Gewürze | - | - |
| ayer | Eier | - | - |
| weiss prot | Weißbrot | - | - |
| haissem wasser | heißes Wasser | Leitung | - |
Welches Gericht ist das? Ein gesottener Fleischkloß: Kalbfleisch und Speck gehackt, gewürzt und zu einer Farce verarbeitet, mit Ei und Weißbrot gebunden, zu Kugeln geformt und in heißem Wasser gegart. Das ist strukturell die Grundformel der süddeutschen Knödel-Familie - Fleisch, Brot und Ei als Bindemittel-Trias findet sich bis heute in Semmelknödeln mit Fleischeinlage und in der Frikadellen-/Fleischpflanzerl-Verwandtschaft, nur eben gesotten statt gebraten. Im Korpus ist dies keine Rarität: fast wortgleiche Fassungen stehen in ri15632-019, m5919-059, m384-068, sev-210 und mon-118 - eine über mehrere Kochbücher stabile Rezeptfamilie.
‚reibs‘: ‚Reibe es‘ meint hier nicht das Reibeisen, sondern das gründliche Durchmischen/Durchstoßen der Masse zu einer gleichmäßigen Farce (im Mörser oder mit den Händen). Erst danach kommen Eier und Brot dazu, sodass alles homogen wird.
Weißbrot: Im Original nur ‚weiss prot‘ ohne Spezifizierung. Praktisch empfohlen: altbackenes Weißbrot (1-2 Tage alt), in Würfel geschnitten und kurz in etwas Wasser oder Milch eingeweicht, dann ausgedrückt - so binden die Knödel besser. Frisches Brot würde zu viel Feuchtigkeit aufnehmen und matschig werden.
‚schneid sy‘ am Ende: Wahrscheinlich Portionieren beim Anrichten (jeden Knödel halbiert oder geviertelt auf den Teller). Eine alternative Lesart wäre Aufschneiden zur Garprobe (im Mittelalter übliche Methode), aber für das Servieren spricht der Kontext ‚vnd gib es hin zue essen‘.
Praxis. Der Text nennt keine Garzeit - wie bei vielen mittelalterlichen Rezepten muss man selbst prüfen, wann die Kugeln durchgegart sind (meist reicht knappes Sieden bis sie stocken und an die Oberfläche steigen). Original steht ‚haissem wasser‘, also reicht heißes Salzwasser. Modern wertet eine kräftige Kalbs- oder Hühnerbrühe die Knödel geschmacklich auf; das ist eine eigene Ergänzung, im Original aber nicht vorgesehen.
Im Mittelalter waren Salz und Pfeffer die Grundgewürze. Für eine gehobene Speise wie diese wären zusätzlich Ingwer, Muskat oder Nelken denkbar. Du kannst eine Mischung nach deinem Geschmack wählen.
Verwende altbackenes Weißbrot, das du vor der Zugabe kurz in Wasser oder Milch einweichst und gut ausdrückst. Das macht die Knödel saftiger und bindet die Masse.
Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Frisches Kalbfleisch und Speck können am Markttag erworben werden. Die Zubereitung der Knödelmasse und das Sieden im Topf über dem Feuer sind unkompliziert und schnell umsetzbar.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
Frühbeleg des Worts selbst: ‚Knödel‘ dient hier bereits als feste Bezeichnung für gesottene Fleisch-Ei-Brot-Kugeln, nicht erst eine spätere Wortprägung.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
gewurcz wol
Gewählte Lesart: Die Anweisung ‚würze es gut‘ impliziert die Verwendung von gängigen Gewürzen der Zeit, insbesondere Salz, Pfeffer und Ingwer.
Andere mögliche Lesart:
reibs
Gewählte Lesart: ‚Reibe es‘ wird hier als Anweisung verstanden, die Zutaten gründlich zu vermischen und zu einer homogenen Farce zu verarbeiten.
Andere mögliche Lesart:
schneid sy
Gewählte Lesart: ‚Schneide sie‘ wird als Anweisung zum Zerteilen der Knödel vor dem Servieren interpretiert, um sie portionsgerecht anzubieten.
Andere mögliche Lesart:
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