Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum · Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz · 1433
Nimm Fisch beliebiger Menge und teile ihn in kleine Stücke. Wende die Stücke in Mehl und brate sie anschließend in Olivenöl in einer Pfanne gut an, bis sie schön geröstet sind.
Bereite danach die schwarze Pfeffersauce zu, wie zuvor beschrieben. Lasse die Sauce zusammen mit den Fischstücken aufkochen und gib ein wenig Honig hinzu. Gieße die Sauce über den Fisch. Dieses Gericht ist für Reiche.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| pisces cuiuscunque quantitatis | Fisch | Wochenmarkt / Fischhändler | - |
| farinam | Mehl | - | - |
| oleo oliue | Olivenöl | - | - |
| piperatum nigrum, sicut prius dictum est | Schwarze Pfeffersauce (nach bekanntem Rezept) | - | - |
| modicum de Melle | Honig | - | - |
Welches Gericht ist das? Mehlierter, in Olivenöl gebratener Fisch unter einer schwarzen Pfeffersauce - der direkte Vorfahre des gebratenen Fisches mit dunkler Pfeffer- oder Lebkuchensauce, wie er sich quer durch die mittelalterliche Küche zieht (vgl. die peverata der italienischen und die schwarzen Pfeffersaucen der französischen Quellen). Der Zusatz pro diuitibus ("für Reiche") weist es als gehobene Speise aus - in Nordeuropa waren Olivenöl, Pfeffer und Honig kostspielige Importe.
Fac eas bene rostire heißt, die mehlierten Stücke gut "rösten" - also kräftig anbraten, bis sie außen knusprig sind. Piperatum nigrum, sicut prius dictum est verweist auf eine schwarze Pfeffersauce, die an anderer Stelle der Sammlung beschrieben wird (hier nicht abgedruckt); typisch war sie dunkel von geröstetem Brot, scharf von Pfeffer und säuerlich von Essig oder Wein. Der modicum de Melle (etwas Honig) rundet die Schärfe süß ab - das süß-saure-scharfe Spiel ist hier der Clou.
Praxis. Festen Fisch (z. B. Kabeljau, Wels, Karpfen) in mundgerechte Stücke teilen, in Mehl wenden und in reichlich heißem Olivenöl rundum knusprig braten. Separat eine schwarze Pfeffersauce ansetzen: in Fett geröstetes, in Essig/Wein eingeweichtes Brot mit viel schwarzem Pfeffer und weiteren Gewürzen glatt mixen, mit Brühe auf Saucenkonsistenz bringen. Die gebratenen Fischstücke kurz in der Sauce aufkochen, einen Löffel Honig einrühren, dann die Sauce über den Fisch geben.
Die Formulierung ‚sicut prius dictum est' (wie zuvor gesagt) bedeutet, dass das Rezept auf eine andere Stelle im Kochbuch verweist, wo die Zubereitung dieser Sauce erklärt wird. Typischerweise war eine mittelalterliche Pfeffersauce eine würzige, oft säuerliche Sauce mit viel Pfeffer, Essig oder Wein und weiteren Gewürzen. Für die moderne Zubereitung kann man eine einfache, kräftig gewürzte Sauce mit Pfeffer, Essig und etwas Brühe verwenden.
Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Das Braten des Fisches in der Pfanne und das Zubereiten der Sauce über offenem Feuer oder einem Kocher sind problemlos möglich. Die Zutaten sind gut transportierbar und lagerfähig.
Dieses Rezept stammt aus dem ‚Registrum Coquine' (Kochbuchregister), verfasst um 1433 von Johannes von Bockenheim, einem Koch am Hof des Papstes Martin V. Es ist eine wichtige Quelle für die höfische Küche des Spätmittelalters.
Der Zusatz ‚pro diuitibus' (für Reiche) kennzeichnet das Gericht als eine luxuriöse Speise. Dies lag im Mittelalter oft an teuren Zutaten wie Olivenöl (das in Nordeuropa importiert werden musste) und Gewürzen wie Pfeffer und Honig, die nicht für jedermann erschwinglich waren.
"Gut rösten" - die mehlierten Fischstücke kräftig in Öl anbraten, bis sie außen knusprig sind.
Verweis auf eine schwarze Pfeffersauce, die an anderer Stelle der Sammlung beschrieben wird - typisch dunkel von geröstetem Brot, scharf von Pfeffer, säuerlich von Essig oder Wein.
"Für Reiche" - eine der Zielgruppen-Angaben des Registrum Coquine; weist das Gericht wegen Olivenöl, Pfeffer und Honig als kostspielig aus.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
piperatum nigrum, sicut prius dictum est
Gewählte Lesart: ‚Schwarze Pfeffersauce (nach bekanntem Rezept)' - Die Formulierung verweist auf ein anderes, im Manuskript enthaltenes Rezept für eine schwarze Pfeffersauce, das hier nicht explizit aufgeführt ist. Dies ist eine gängige Praxis in mittelalterlichen Kochbüchern.
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