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Kalte Essig-Wein-Honig-Pfeffersauce (Galray)

Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1) · Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee) · 1450

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit25 Min.Portionen4-6 Personen (als Sauce)BuchReichenauer Kochbuch (~1450)

Für ein Galray nimm Essig, Wein, Honig, Pfeffer und Brot. Stoße alles miteinander klein und zieh die Masse durch. Mach sie dünnflüssig, würze nach Geschmack und lass sie einmal aufwallen.

Gib die Sauce kalt, wann immer du willst, zu Fisch, Fleisch oder Wildbret, egal ob gesotten oder gebraten.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
essich Essig - -
win Wein - -
hong Honig - -
pfeffer Pfeffer - -
brot Brot - Ein altes Brötchen mit dem Messer zerkrümeln reicht, kein Mörser nötig

Welches Gericht ist das? Ein Galray ist hier keine feste Sülze, sondern eine kalte, dickliche Würzsauce aus Essig, Wein, Honig und Pfeffer(brot), mit eingekochtem Brot gebunden. Sie reiht sich in die mittelalterliche Familie brotgebundener, essigbasierter Würzsaucen ein und lebt im Prinzip einer kalten süßsauren Sauce zu kaltem Braten oder Fisch bis heute fort.

Die Schwester-Handschrift Cgm 384 (Rezept m384-036) überliefert an fast identischer Stelle einen wortgleichen Text - Zutatenfolge, Verfahren und Verwendungszweck sind damit unabhängig bestätigt.

Ob im Mörser rohe Pfefferkörner und Brot getrennt gestoßen werden oder ein fertiges Pfefferbrot (Gewürzbrot) allein verarbeitet wird, lässt sich am Wortlaut nicht abschließend klären - diese Fassung führt Pfeffer und Brot als zwei Zutaten.

Praxis. Essig, Wein und Honig mit Pfeffer und Brot zusammen zerstoßen (Mörser oder ein stabiles Gefäß), die Masse durch ein Tuch oder feines Sieb ziehen, dünnflüssig einstellen und nach Geschmack würzen. Einmal kurz aufwallen lassen, dann kalt stellen. Als kalte Würzsauce zu gesottenem oder gebratenem Fisch, Fleisch oder Wildbret servieren - der klassische Kontrast einer kalten Sauce zu warmem Gargut.

Ist das eine echte Gallerte oder Sülze?

Nein. Der Name 'Galray' erinnert an Gallerte/Gelee, aber im Rezept fehlt jedes Geliermittel wie Fischblase oder kollagenreiche Brühe. Serviert wird eine dickliche, kalte Würzsauce aus Essig, Wein, Honig, Pfeffer und eingekochtem Brot, keine feste Sülze.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, sehr gut. Alle Zutaten sind robust und brauchen keine Kühlung, die Zubereitung dauert unter 30 Minuten und funktioniert mit einem Topf, einem Mörser oder Sieb und einem Tuch zum Durchziehen.

Was bedeutet 'erwels' im Rezept?

'Erwels' kommt von mhd. 'erwellen' und meint ein kurzes Aufwallen bzw. einmaliges Aufkochen der Masse, nicht ein langes Sieden. Danach wird die Sauce abgekühlt und kalt serviert.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Reichenauer Kochbuch (15. Jh., Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee)). Rezeptteil (fol. 108r-120r) der Sammelhandschrift "Sermones", Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 - bei CoReMA/Ehlert als "Reichenauer Kochbuch" gefuehrt, Schwester-Handschrift zu den Muenchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384/M2, vgl. Ehlert 1996). TEI-Text via CoReMA (CC BY 4.0), Faksimile Public Domain Mark 1.0 (BLB Karlsruhe).

galrain Ain galrain nem essich win hong vnd pfeffer brot vnd stoß vnnder ain ander vnd zuech es durch vnd mach es dunn vnd bewurtz es vnd erwels vnd gib es kalt weder du wilt mit fisch flaisch oder wiltpraet ge sotes oder gebrautes
galrain

Vom mhd. 'galreide' (Gallerte, Gelee) abgeleiteter Sauce-/Gerichtname. Trotz des Namens hier ohne Geliermittel, also eine dickliche Würzsauce statt fester Sülze.

erwels

Von 'erwellen' = kurz aufwallen lassen, einmal aufkochen. Die Sauce wird also nur kurz erhitzt, nicht lange gekocht.

bewurtz

Von 'würzen' - eine allgemeine Aufforderung, die Masse nach Geschmack zu würzen; der Text nennt hier nur Pfeffer als konkretes Gewürz.

weder

Hier nicht das moderne 'weder ... noch', sondern eine fnhd/alemannische Nebenform von 'wenn/wann' (temporal) - belegt durch die Schwester-Handschrift m384-036, die an derselben Stelle 'wenn du wilt' hat. Die Übersetzung 'wann immer du willst' ist korrekt.

pfeffer brot

Möglicherweise ein Kompositum 'Pfefferbrot' (ein gewürztes Brot als Binde- und Würzgrundlage, statt zwei getrennter Zutaten Pfeffer und Brot) - so gelesen in den ka1-Geschwisterrezepten ka1-009, ka1-016, ka1-021 sowie im Zwilling m384-036 an derselben Textstelle. Diese Fassung führt Pfeffer und Brot noch als zwei Einzelzutaten; die Zusammenlegung ist redaktionell noch nicht entschieden.

Handschrift
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1)
Folio
Fol. 110r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 15. Jh.)
Entstehung
Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee), 1450

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartgalrain / galray

Gewählte Lesart: Als Gerichtname einer dickflüssigen, kalt servierten Würzsauce gelesen, nicht als feste Gallerte/Aspik, da kein Geliermittel im Text genannt wird.

Andere mögliche Lesart:

  • Wörtlich als feste Gallerte/Sülze verstehen - Der Wortstamm 'galreide' bedeutet ursprünglich Gelee; verworfen, weil weder Fischblase noch kollagenreiche Brühe erwähnt werden und die Anweisung 'mach es dünn' eher zu einer flüssigen Sauce passt.

Lesartgebrautes

Gewählte Lesart: Als Schreibvariante von 'gebraten' (geröstet/gebraten) gelesen, parallel zu 'gesotten' als zweite Zubereitungsart für Fisch, Fleisch oder Wildbret.

Andere mögliche Lesart:

  • Von 'brauen' abgeleitet, also 'gebrautes' im Sinne von aufgekocht - Die Parallelhandschrift m384 hat an derselben Stelle eindeutig 'gebraten', was die Lesart als Kochmethode (Braten) stützt und die Brauen-Lesart unwahrscheinlich macht.

Lesartpfeffer brot

Gewählte Lesart: Als zwei getrennte Zutaten gelesen: Pfeffer (Gewürz) und Brot (Bindemittel), wie aktuell in den ingredients geführt.

Andere mögliche Lesart:

  • Als Kompositum 'Pfefferbrot' (ein gewürztes Brot, das zugleich Binde- und Würzgrundlage ist) gelesen - Drei ka1-Geschwisterrezepte (ka1-009, ka1-016, ka1-021) und der wortgleiche Zwilling m384-036 lesen dieselbe Wortfolge 'pfeffer brot' korpusweit als ein Kompositum; der Korpus-Glossar führt 'Pfefferbrot' als belegte Lesart (41 Rezepte, Autorität Ehlert1999). Noch nicht in dieser Fassung übernommen, da eine Ingredienzien-Korrektur außerhalb dieser Konsolidierungsrunde liegt und philologisch gesondert bestätigt werden sollte.

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 110r, Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Cod. Aug. pap. 125 ("Sermones", [Reichenau], 15. Jh.), Rezeptteil fol. 108r-120r - Public Domain Mark 1.0
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ka1 (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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Im Topf in 25 Minuten fertig, Essig, Wein, Honig, Pfeffer und Brot sind alle robust und ohne Kühlbedarf. Ein Mörser oder stabiles Gefäß zum Zerstoßen sowie ein Tuch oder feines Sieb zum Durchziehen reichen als Equipment, danach kalt stellen und servieren.
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