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Gebackener Salbei

Tegernseer Wirtschaftsbüchlein (Speisenbuch) · Kloster Tegernsee, Bayern · 1460

LesartRekonstruktion aus ZutatenlisteBeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit20 Min.Portionen4 PersonenBuchTegernseer Speisenbuch (~1460)

Ziehe ganze Salbeiblätter durch einen Ausbackteig aus Mehl, Ei und etwas Wein und backe sie in heißem Schmalz knusprig aus. Ein aromatisches Kräutergebäck - der Salbei stammte aus dem Klostergarten.

Hinweis: Im Original steht nur die Zutaten- und Mengenliste der klösterlichen Großküche (gerechnet auf 40 Personen); die Zubereitung ist hier nachkochbar rekonstruiert.

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
salvan 16 große frische Salbeiblätter 16 Blätter Wochenmarkt, Garten -
jedlichem 1 ay 2 Eier 2 Stück - -
1 pecher wein Weißwein (für den Teig) 80 ml - -
Weizenmehl 120 g - -
Schmalz zum Ausbacken - Supermarkt -

Welches Gericht ist das? Frittierte Salbeiblätter im Ausbackteig - die direkte Schwester der italienischen salvia fritta und des bayerischen Salbei-im-Bierteig, das man bis heute auf Mittelaltermärkten und in Trattorien bekommt. Ein knuspriges Kräutergebäck, bei dem das ganze Blatt als essbarer Träger im Teig steckt. Der Salbei kam aus dem Klostergarten.

Der Text ist eine reine Mengennotiz. Das Original (pachen salvan jedlichem 1 ay, 1 pecher wein) nennt nur Zutaten der Großküche - je Charge ein Ei und ein Becher Wein zum Salbei. Die Zubereitung ist aus dem Gerichtnamen und dem Korpus erschlossen: Salbei zieht man durch einen dünnen Ausbackteig und frittiert ihn. Den vollständigen Ablauf gibt der Zwilling mar-164 (Martino) detailliert wieder - dort wird der Teig leicht gezuckert und mit Zimt und Safran aromatisiert.

Praxis. Dünnen Ausbackteig anrühren: ca. 120 g Weizenmehl, 2 Eier, 80 ml Weißwein, Prise Salz - er soll das Blatt gerade überziehen, nicht ertränken. Große, frische Salbeiblätter (getrocknete tragen nicht) durchziehen und in 170-180 °C heißem Schmalz goldbraun ausbacken, abtropfen lassen. Süß mit etwas Zucker/Zimt oder herzhaft mit Salz servieren. Geht am Feldfeuer im Topf mit Schmalz gut.

Frischer oder getrockneter Salbei?

Frische, große Salbeiblätter - sie müssen den Teig tragen und sollen knusprig werden. Getrocknete eignen sich nicht.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Tegernseer Speisenbuch (1453-1534, Kloster Tegernsee, Bayern). Klösterliches Speisenbüchlein des Benediktiner-Klosters Tegernsee (BSB München, Cgm 8137). Das Speisenbuch (fol. 45r-85r) dokumentiert den Klosteralltag: welche Speisen zu Fastenzeiten und Festtagen aufzutischen waren. Typische bayerische Klosterküche - Fastengerichte, Fischspeisen, Milch- und Mehlspeisen. Datiert 1453-1534. Das Fischbüchlein (fol. 97r-109v) enthält Anweisungen zur Fischerei. Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Manuskript M13 katalogisiert.

pachen salvan jedlichem 1 ay, 1 pecher wein.
pachen salvan

Gebackener Salbei - ganze Salbeiblätter im Ausbackteig, in Schmalz frittiert. Der Salbei kam aus dem Klostergarten.

Handschrift
Tegernseer Wirtschaftsbüchlein (Speisenbuch)
Folio
fol. 56v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Ostmittelbairisch, 15./16. Jh.)
Entstehung
Kloster Tegernsee, Bayern, 1460

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Tegernseer Speisenbuch, BSB Cgm 8137, fol. 56v - Münchener Digitalisierungszentrum Quelle öffnen
Transkription
BSB Cgm 8137, Kochbüchlein (fol. 45r-85r). Edition: Anton Birlinger, Kalender und Kochbüchlein aus Tegernsee, Germania 9 (1864), S. 192-207. Gemeinfrei. Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Frischer Salbei nötig; Ausbacken in heißem Schmalz am Feuer problemlos machbar.
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