Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Ein gutes Mus. Ebenso macht man auch ein gutes Mus aus Bohnen. Dazu brauchst du Öl, und mach es fertig mit gutem Gewürz.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| ponnen | Bohnen (Saubohnen) | - | Dicke Bohnen (Puffbohnen) aus dem Bio-Laden, da Gartenbohnen (Phaseolus) erst nach 1492 nach Europa kamen |
| oell | Öl | - | - |
| gewuercz | Gewürz | - | Typische Würzmischung der Zeit: Pfeffer, Ingwer, ggf. Safran |
Welches Gericht ist das? Ein schlichtes Bohnenmus mit Öl und Gewürz - der Vorfahre heutiger Bohnenpürees wie mediterraner Fava-/Saubohnenpürees oder deutscher Bohnenmus-Beilagen. Es ist Teil einer kleinen Mus-Serie im Kochbuch des Meisters Hans (mha-025 Milchmus, mha-026 Hanfmus, mha-027 Bohnenmus mit Lauge); mha-028 ist ein eigener Eintrag dieser Serie, keine Fortsetzung eines fremden Rezepts.
Praxis. Der Text selbst nennt nur den letzten Schritt: Öl zugeben und mit gutem Gewürz abschmecken. Das Garen der getrockneten Saubohnen wird vorausgesetzt und ist im vorangehenden Rezept (mha-027) ausführlich beschrieben (Einweichen, Sieden, Enthülsen, Durchreiben) - dieser Item-Eintrag baut inhaltlich darauf auf. Nach dem Garen mit gutem Öl und kräftigem Gewürz (zeittypisch Pfeffer und Ingwer) abschmecken - fertig.
Vermutlich die Saubohne (Ackerbohne, Vicia faba), die einzige in Europa vor 1492 verbreitete Bohnenart. Gartenbohnen (grüne Bohnen, Kidneybohnen) kamen erst nach der Entdeckung Amerikas nach Europa und sind für ein Rezept von 1460 anachronistisch. Getrocknete Ackerbohnen gibt es im Bio-Laden oder Reformhaus.
Das Rezept nennt nur 'gutes Gewürz' ohne Details. Zeittypisch für ein bürgerlich-höfisches Kochbuch wie Meister Hans wäre eine Mischung aus Pfeffer und Ingwer, gelegentlich mit etwas Safran zur Farbe - alles nach eigenem Geschmack dosiert.
Die Kopfzeile 'Ain guot gemuoss' (ein gutes Mus) ist eine wiederkehrende, ingredienzneutrale Formel, die im selben Kochbuch auch für Milchmus (mha-025) und Hanfmus (mha-026) verwendet wird - kein Rückverweis auf ein separates 'Gemüsemus'-Grundrezept. mha-028 ist ein eigenständiger Eintrag in dieser kleinen Mus-Serie und baut inhaltlich auf der vorangehenden, ausführlicheren Bohnenmus-Zubereitung (mha-027) auf. Solche knappen, aufeinanderfolgenden Varianten-Einträge sind im Kochbuch des Meisters Hans üblich.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
Bohnen, konkret die Saubohne/Ackerbohne (Vicia faba, laut CoReMA-Sachglosse 'broad bean'). Gartenbohnen aus Amerika gab es 1460 in Europa noch nicht.
Lateinisch für 'ebenso, desgleichen' - verbindet hier die formelhafte Kopfzeile ('Ain guot gemuoss', wörtlich 'ein gutes Mus') mit dem eigentlichen Rezeptkörper innerhalb desselben, eigenständigen Eintrags. Kein Verweis auf ein separates, vorangehendes Rezept: dieselbe Kopfzeile+Item-Struktur findet sich auch in mha-025 (Milchmus) und mha-026 (Hanfmus) mit ganz anderen Zutaten.
'Mach es fertig/ab' - Standardformel für den letzten Würz- und Abschmeckschritt vor dem Servieren.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
ponnen
Gewählte Lesart: Saubohne/Ackerbohne (Vicia faba), gestützt durch die CoReMA-Sachglosse ('broad bean', Wikidata Q61672189).
Andere mögliche Lesart:
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