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Klösterlicher Weinmuß mit Honig

Tegernseer Wirtschaftsbüchlein (Speisenbuch) · Kloster Tegernsee, Bayern · 1460

LesartRekonstruktion aus ZutatenlisteDessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit15 Min.Portionen4 PersonenBuchTegernseer Speisenbuch (~1460)

Rühre das Weckenmehl (feines Weißmehl) zunächst in einem Teil des kalten Weins glatt, sodass keine Klumpen bleiben. Erhitze den übrigen Wein mit dem Wasser in einem Topf und gieße die angerührte Mehlmischung unter ständigem Rühren hinein. Bring alles unter Rühren zum Kochen und lass es eindicken, bis ein sämiger Brei entsteht. Süße ihn großzügig mit Honig und schmecke mit einer Prise Ingwer ab. Serviere den Weinmuß warm als süße Beilage oder Nachtisch, besonders beliebt zu Fischgerichten und an Fastensonntagen.

Hinweis: Das Tegernseer Original ist nur knapp notiert (Menü-/Mengenliste der Klosterküche); die ausführliche Zubereitung ist hier nachkochbar rekonstruiert.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
ain maß Wein 500 ml einfacher trockener Weißwein Weinhändler, Supermarkt Apfelwein oder leichter Rotwein
ain maß waßer 500 ml Wasser - -
weckenmefl 7 EL feines Weizenmehl (für einen dickeren Brei mehr) - Weckenmehl = helles Mehl aus Weißbrot, alternativ Typ 405
Honig 3 EL Honig (oder mehr nach Geschmack) Imker, Bauernmarkt -
[Ingwer] 1 Prise Ingwer - Zimt

Welches Gericht ist das? Ein mehlgebundener Weinmuß - eine süße, sämige Weinsuppe, die mit feinem Weißmehl gebunden und mit Honig gesüßt wird. Im Tegernseer Speisenbuch als weinmueß von seml ("von Semmel/Mehl") in der Mueß-Kategorie gelistet; verwandt mit den anderen Tegernseer Mußen (teg-002) und dem mengenbelegten Rosinen-Weinmuß teg-021. Eine erlaubte Fastensüßspeise der Klosterküche.

Weckenmefl ist Mehl aus dem Wecken (Weißbrot) - feines, helles Weizenmehl, hochwertiger als das alltägliche Roggenmehl und im Kloster den Festtagen vorbehalten. Es bindet den Wein zum Brei. Da die Originalnotiz nur ein Speisenname ohne Mengen oder Methode ist, ist die ganze Zubereitung rekonstruiert.

Der kritische Punkt ist die Bindung: das Mehl muss zuerst kalt im Wein klümpchenfrei angerührt werden, sonst gerinnt es beim Eingießen in die heiße Flüssigkeit zu Klumpen.

Praxis. Einen Teil des Weins kalt mit dem Mehl glatt rühren. Restlichen Wein mit dem Wasser erhitzen, die Anrührung unter ständigem Rühren eingießen und unter Rühren aufkochen, bis ein sämiger Brei entsteht. Großzügig mit Honig süßen, eine Prise Ingwer (oder Zimt). Warm servieren, gut zu Fisch und an Fastensonntagen.

Was ist Weinmuß und warum aß man es im Kloster?

Weinmuß ist ein eingickter Weinbrei, Wein oder eine Wein-Wasser-Mischung, mit Mehl gebunden und mit Honig gesüßt. Im Kloster Tegernsee war er eine erlaubte Fastenspeise: ohne Fleisch, nahrhaft und festlich genug für Sonn- und Festtage. Wein war in Benediktinerklöstern als Teil der Tagesration der Mönche vorhanden.

Welchen Wein soll ich nehmen?

Nimm einen einfachen trockenen Weißwein, kein edler Tropfen. Im bayerischen Kloster des 15. Jahrhunderts wurden Weine aus dem Inn-Salzach-Raum oder aus österreichischen Zukäufen verwendet. Für das Rezept eignet sich jeder leichte, nicht zu säuerliche Weißwein gut.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja. Du brauchst nur einen Topf und eine Feuerstelle. Wein und Honig sind auf Mittelalter-Märkten gut verfügbar, das Mehl lässt sich einfach mitbringen. Das Gericht ist in 15 Minuten fertig.

[Mueß-Liste, fol. 52r] … gemains semelmueß, anprentz semelmueß, weinmueß von seml, weinmueß von seml und ayrn, grießmueß, straubenmueß …
weinmueß von seml

Weinmuß "von Semmel" - die mehl-/brotgebundene Form des Weinbreis (im Unterschied zur Rosinen-/Feigen-Variante weinpermueß). Im Tegernseer Speisenbuch als Speisenname gelistet.

weckenmefl

Mehl aus dem Wecken (Weißbrot): feines, helles Weizenmehl. Im Kloster den Festtagen vorbehalten, hochwertiger als das alltägliche Roggenmehl.

Handschrift
Tegernseer Wirtschaftsbüchlein (Speisenbuch)
Folio
fol. 52r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Ostmittelbairisch, 15./16. Jh.)
Entstehung
Kloster Tegernsee, Bayern, 1460

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartweckenmefl

Gewählte Lesart: Feines Weizenmehl (Typ 405) als Bindemittel, im Wein klümpchenfrei angerührt.

Andere mögliche Lesart:

  • Geriebenes altbackenes Weißbrot statt Mehl. - Brotbrösel waren ein ebenso gängiges Bindemittel für mittelalterliche Süßspeisen. Da der Listeneintrag nur ein Speisenname ohne Methode ist, bleibt die genaue Form offen.

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Tegernseer Speisenbuch, BSB Cgm 8137, fol. 52r - Münchener Digitalisierungszentrum Quelle öffnen
Transkription
BSB Cgm 8137, fol. 52r (Kategorie-Liste „Mueß"). „Weinmueß von seml" ist dort als Speisenname gelistet - ohne Mengen/Methode. Lesung nach Faksimile fol. 52r (MDZ). Dieser Teil (Kategorie-Listen) ist in der Birlinger-Edition nicht abgedruckt. Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Nur Topf und Feuerstelle nötig. Wein ist auf Märkten verfügbar, Mehl und Honig leicht mitzubringen. In 15 Minuten fertig - das Mehl unbedingt erst kalt anrühren.
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