Tegernseer Wirtschaftsbüchlein (Speisenbuch) · Kloster Tegernsee, Bayern · 1460
Birnenmus: 3 Becher Wein, 4 Brote und Gewürz.
(Im Original folgt unmittelbar ein Apfelmus für den letzten Gang - mit gleicher Wein- und Brotmenge, aber mit Pfeffer gewürzt.)
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| piren | reife Birnen, geschält und gewürfelt | 600 g | Wochenmarkt, Supermarkt | - |
| 3 trinkel wein | Weißwein | 250 ml | - | - |
| 4 prot | geröstetes Weißbrot (zum Binden) | 2 Scheiben | - | - |
| gewürz | Zimt und Ingwer nach Geschmack | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein höfisches Birnenmus - der direkte Verwandte des heutigen Birnenkompotts beziehungsweise Birnen-Powidls, nur herzhafter gewürzt. Es steht in der großen mittelalterlichen Obstmus-Familie neben Apfelmus (teg-002), den Severin- und Meister-Hans-Birnenmusen (sev-138, mha-272) und den klösterlichen Dörrobst-Musen.
Was die Quelle nennt. Der Eintrag ist eine reine Mengenliste der Großküche: 3 trinkel wein (drei Becher Wein), 4 prot (vier Brote zum Binden) und unspezifisch gewürz. Eine Birnenmenge fehlt - piren steht ganz ohne Maß. Die Fruchtmenge ist hier frei ergänzt; ohne sie wäre das Gericht nicht nachkochbar.
Das Würz-Detail. Der unmittelbar folgende Eintrag epflmueß pro ultimo ferculo (Apfelmus für den letzten Gang) trägt ausdrücklich pfeffer. Pfeffer und die Bestimmung "für den letzten Gang" gehören also zum Apfel-, nicht zum Birnenmus. Für das Birnenmus selbst nennt die Quelle nur das allgemeine gewürz - warme Gewürze wie Zimt und Ingwer sind für gekochte Birnen dieser Zeit am wahrscheinlichsten.
Praxis. Etwa 600 g reife, geschälte und gewürfelte Birnen mit rund 250 ml Weißwein weich kochen. Mit zwei Scheiben geröstetem Weißbrot binden und alles durch ein Sieb treiben - so wird das Mus glatt, ohne harte Brotbrocken. Mit Zimt und Ingwer abschmecken, dann offen einkochen, bis ein dickes Mus entsteht. Wer die süß-pfeffrige Note der Apfelmus-Schwester ausprobieren mag, gibt eine Prise Pfeffer dazu.
Die Quelle nennt für das Birnenmus nur allgemein gewürz, ohne es zu spezifizieren - warme Gewürze wie Zimt und Ingwer passen am besten zu gekochten Birnen. Pfeffer gehört im Original dagegen zum benachbarten Apfelmus pro ultimo ferculo; die im Mittelalter beliebte Kombination von süßem Obst mit Pfeffer kann man aber auch beim Birnenmus ausprobieren.
Dieses Rezept stammt aus dem Tegernseer Speisenbuch (1453-1534, Kloster Tegernsee, Bayern). Klösterliches Speisenbüchlein des Benediktiner-Klosters Tegernsee (BSB München, Cgm 8137). Das Speisenbuch (fol. 45r-85r) dokumentiert den Klosteralltag: welche Speisen zu Fastenzeiten und Festtagen aufzutischen waren. Typische bayerische Klosterküche - Fastengerichte, Fischspeisen, Milch- und Mehlspeisen. Datiert 1453-1534. Das Fischbüchlein (fol. 97r-109v) enthält Anweisungen zur Fischerei. Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Manuskript M13 katalogisiert.
Birnenmus. Die Quelle beziffert nur Wein (3 trinkel) und Brot (4 prot); piren steht ohne Mengenangabe, die Fruchtmenge ist also erschlossen.
"Apfelmus für den letzten Gang" - der direkt folgende Eintrag. Er trägt ausdrücklich pfeffer; Pfeffer und die Zuordnung zum letzten Gang gehören damit zum Apfel-, nicht zum Birnenmus.
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