Tegernseer Wirtschaftsbüchlein (Speisenbuch) · Kloster Tegernsee, Bayern · 1460
Klopierenmus: ein guter großer Napf voll mit Klopieren, 3 Becher Wein, 5 Semmeln, 4 Brote, Gewürz.
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| klopiren | Dörrbirnen oder gemischtes Dörrobst | 300 g | Wochenmarkt, Bio-Laden, Online-Handel | - |
| 3 trinkel wein | Weißwein | 250 ml | - | - |
| 5 semel, 4 prot | geröstetes Weißbrot/Semmel | 3 Scheiben | - | - |
| gewürz | Zimt und Gewürze nach Geschmack | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein sättigendes Dörrobst-Mus für den letzten Gang - verwandt mit dem heutigen Kletzenmus und dem Hutzelbrot-Mus. Es steht in der klösterlichen Dörrobst-Reihe neben den Birnen-, Apfel- und Feigenmusen (teg-025, teg-002).
Das unsichere Wort. Klopiren ist lexikalisch nicht gesichert. Aus dem Kontext - es wird genau wie die übrigen Dörrobst-Muse behandelt - ist am ehesten gedörrtes Obst gemeint, wahrscheinlich Kletzen (Dörrbirnen). Eine andere Dörrobst- oder Beerensorte lässt der Wortlaut offen; deshalb als interpretive_choice geführt.
Würze. Die Quelle nennt nur unspezifisch gewürz. Zimt ist für ein Dörrobst-Mus dieser Epoche naheliegend, aber eine Setzung - die Schwester-Rezepte würzen unterschiedlich (Honig, Pfeffer). Die Süße kommt allein aus dem Dörrobst und dem Wein.
Brot und Menge. Gebunden wird zeittypisch mit geröstetem Brot und Semmel, nicht mit Mehl. Im Original sind es 5 Semmeln und 4 Brote auf einen großen Napf Dörrobst - viel Brot für die Großküche; für den Haushalt wird die Brotmenge bewusst stärker reduziert, damit das Mus nicht zu brotig wird.
Praxis. Etwa 300 g Dörrbirnen (oder gemischtes Dörrobst) mit rund 250 ml Weißwein weich kochen. Mit etwa drei Scheiben geröstetem Weißbrot beziehungsweise Semmel binden und zu einem dicken Mus durch ein Sieb treiben. Mit Zimt abschmecken. Bei trockenem Wein vor dem Servieren probieren - ein Schuss Honig ist period-konform und optional.
Der Begriff ist nicht sicher geklärt. Aus dem Kontext (gleiche Behandlung wie Feigen-, Weichsel- und Birnenmus) handelt es sich um ein Dörrobst, wahrscheinlich Kletzen (Dörrbirnen).
Dieses Rezept stammt aus dem Tegernseer Speisenbuch (1453-1534, Kloster Tegernsee, Bayern). Klösterliches Speisenbüchlein des Benediktiner-Klosters Tegernsee (BSB München, Cgm 8137). Das Speisenbuch (fol. 45r-85r) dokumentiert den Klosteralltag: welche Speisen zu Fastenzeiten und Festtagen aufzutischen waren. Typische bayerische Klosterküche - Fastengerichte, Fischspeisen, Milch- und Mehlspeisen. Datiert 1453-1534. Das Fischbüchlein (fol. 97r-109v) enthält Anweisungen zur Fischerei. Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Manuskript M13 katalogisiert.
Wort unsicher - aus dem Kontext am ehesten gedörrtes Obst, wahrscheinlich Kletzen (Dörrbirnen). Wird im Original wie die anderen Dörrobst-Muse behandelt.
Das Original nennt nur unspezifisch gewürz. Zimt ist für ein Dörrobst-Mus naheliegend, aber eine Setzung - die Schwester-Rezepte würzen unterschiedlich (Honig, Pfeffer).
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
klopiren
Gewählte Lesart: Gedörrtes Obst, am ehesten Kletzen (Dörrbirnen), die wie die übrigen Dörrobst-Muse verarbeitet werden.
Andere mögliche Lesart:
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