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Rosinenmueß (Weinbeermueß)

Tegernseer Wirtschaftsbüchlein (Speisenbuch) · Kloster Tegernsee, Bayern · 1460

LesartRekonstruktion aus ZutatenlisteDessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofkücheVeganVegan
Zubereitungszeit25 Min.Portionen4 PersonenBuchTegernseer Speisenbuch (~1460)

Weinbeermus: 6 Maß Wein, 8 Semmeln, 8 Brote, 4 Pfund Feigen hineinziehen, 1 Pfund Weinbeeren, Gewürz und gelb gefärbt.

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
4 pfd. feygen getrocknete Feigen 280 g Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
1 pfd. weinper Rosinen 70 g Supermarkt -
6 maß wein Weißwein 600 ml - -
8 semel, 8 prot geröstetes Weißbrot/Semmel 3 Scheiben - -
gewürz und gilbt je 1 TL Ingwer und Zimt, 1 Prise Safran (zum Gelbfärben) - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -

Welches Gericht ist das? Ein süßes, brotgebundenes Trockenfrucht-Mus, namensgebend nach den weinper (Weinbeeren = Rosinen), aber tatsächlich von den Feigen getragen - das fast identische Zwillingsrezept zum Feigenmueß teg-020. Cross-Source steht das Feigen-Rosinen-Mus foc-081 (Form of Cury) im selben Verfahren.

Die Quelle ist eine Mengenliste der Klosterküche: 6 maß wein, je 8 semel und 8 prot zum Binden, 4 pfd. feygen und 1 pfd. weinper, dazu gewürz und gilbt (gewürzt und gelb gefärbt). Auffällig: Trotz des Namens Weinbeermus überwiegen die Feigen deutlich - die Rosinen geben nur den Akzent.

Gilbt meint die Gelbfärbung mit Safran. Gebunden wird mit geröstetem Weißbrot und Semmel (Brotbindung, nicht Mehl); durchgeschlagen - durchs Sieb getrieben - wird das Mus glatt.

Praxis. Rund 280 g Feigen mit etwa 70 g Rosinen in 600 ml Weißwein weich kochen. Etwa 3 Scheiben geröstetes Weißbrot/Semmel einweichen und alles zu dickem Mus durchtreiben. Mit je 1 TL Ingwer und Zimt würzen und mit 1 Prise Safran gelb färben. Über die Brotmenge die Bindung steuern: löffelfest soll es sein, bei zu festem Mus mit etwas Wein verdünnen.

Wie dick soll das Mus sein?

Löffelfest - es soll am Löffel haften. Über die Brotmenge lässt sich die Bindung steuern; ist es zu fest, mit etwas Wein verdünnen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Tegernseer Speisenbuch (1453-1534, Kloster Tegernsee, Bayern). Klösterliches Speisenbüchlein des Benediktiner-Klosters Tegernsee (BSB München, Cgm 8137). Das Speisenbuch (fol. 45r-85r) dokumentiert den Klosteralltag: welche Speisen zu Fastenzeiten und Festtagen aufzutischen waren. Typische bayerische Klosterküche - Fastengerichte, Fischspeisen, Milch- und Mehlspeisen. Datiert 1453-1534. Das Fischbüchlein (fol. 97r-109v) enthält Anweisungen zur Fischerei. Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Manuskript M13 katalogisiert.

weinpermueß: 6 maß wein, 8 semel, 8 prot, 4 pfd. feygen darein ziehen, 1 pfd. weinper, gewürz und gilbt.
weinper

Weinbeeren = Rosinen (getrocknete Weintrauben). Im Kloster ein gängiger Importsüßstoff für Fastenmuse.

gilbt

Gelb gefärbt - mit Safran goldgelb getönt.

Handschrift
Tegernseer Wirtschaftsbüchlein (Speisenbuch)
Folio
fol. 55r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Ostmittelbairisch, 15./16. Jh.)
Entstehung
Kloster Tegernsee, Bayern, 1460

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartwein

Gewählte Lesart: Die Quelle nennt nur wein ohne Sorte. Hier ist trockener Weißwein gewählt; ein leichter Rotwein ist ebenso period-tauglich und gibt dem Mus eine dunklere Tönung.

Lesartgewürz / gilbt

Gewählte Lesart: gewürz bleibt im Original unkonkret. Ingwer und Zimt sind für ein süßes Fastenmus dieser Epoche die naheliegenden Würzungen und hier als nachkochbare Empfehlung ausgeführt; gilbt (gelb färben) ist als Safran umgesetzt.

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Tegernseer Speisenbuch, BSB Cgm 8137, fol. 55r - Münchener Digitalisierungszentrum Quelle öffnen
Transkription
BSB Cgm 8137, Kochbüchlein (fol. 45r-85r). Edition: Anton Birlinger, Kalender und Kochbüchlein aus Tegernsee, Germania 9 (1864), S. 192-207. Gemeinfrei. Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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