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Eier-Semmel-Mus mit Schmalz

Das kochbúch der sabina welserin · Augsburg · 1553

RezeptSonstigesLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit15 Min.Portionen2-3 PersonenBuchDas Kochbuch der Sabina Welserin (~1553)

Eier und Milch miteinander verschlagen.

Semmelbrösel in Schmalz rösten.

Die Milch-Ei-Mischung dazugießen, aufsieden lassen und salzen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
air Eier - - -
milch Milch - - -
semelmell Semmelbrösel - - Fertige Semmelbrösel aus dem Supermarkt, kein Selbermahlen nötig
schmaltz Schmalz - - Butter, ergibt einen milderen Geschmack
saltz Salz - - -

Welches Gericht ist das? Ein herzhafter Eier-Milch-Brei mit gerösteten Semmelbröseln, ganz ohne Mehl gebunden. Die nächsten lebenden Verwandten sind deftige Ei-Brot-Pfannengerichte der deutschen Alltagsküche wie das Bauernfrühstück oder die unsüße Seite der Arme-Ritter-Familie - eher eine Gerichtsfamilie als ein einzelnes benanntes Traditionsgericht.

Zur Lesart „Mus". Airmusß ist im bislang erschlossenen Korpus ein Hapax legomenon, sonst nirgends belegt. Die Kompositum-Lesart „Ei-Mus" ist sprachlich dennoch eindeutig, und die Zubereitung selbst - Eier, Milch, geröstete Brösel, gestockt in der Pfanne - stützt sie zusätzlich.

Praxis. Eier und Milch verschlagen. Semmelbrösel in Schmalz anrösten - das entwickelt Röstaromen und trocknet die Krume leicht an, sodass sie später Flüssigkeit binden kann, ähnlich einer mehllosen Vorstufe der später üblichen Mehlschwitze. Die Ei-Milch-Mischung dazugießen und sieden lassen, bis die Masse deutlich gestockt ist und kein flüssiges Ei mehr sichtbar ist, dann salzen. Ein direktes Aufkochen der rohen Ei-Milch-Masse gerinnt eher grob und körnig statt seidig zu binden - das ist bei dieser Zubereitung die erwartete, gestockte Textur, kein Fehler. Das Original nennt weder ein Brösel-Fett-Verhältnis noch eine genaue Siededauer; wie im ganzen Buch üblich bleibt das offen.

Was ist mit 'Semmelmehl' gemeint, normales Mehl?

Nein, gemeint sind fein geriebene Semmelbrösel aus Weißbrot, nicht Weizenmehl. Mehl als Bindemittel war im 16. Jahrhundert noch unüblich, gebunden wurde mit Brot, Ei oder Mandeln.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, Goldstandard. Alle Zutaten sind robust, die Zubereitung dauert nur eine viertel Stunde in einer Pfanne über dem Feuer, und weder Eier noch Milch brauchen im Rahmen eines Markttags eine Kühlkette.

Was bedeutet 'Mus' in diesem Zusammenhang?

Mus meint hier eine weiche, breiige Speise, nicht ein süßes Obstmus wie heute. In diesem Fall handelt es sich um eine Art gestockten Eierbrei mit gerösteten Bröseln, eher deftig als süß.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Sabina Welserin“. Von der Verfasserin selbst 1553 datiertes Kochbuch aus dem Augsburger Patriziat - eines der wenigen frühneuzeitlichen deutschen Kochbücher, das eine Frau als Autorin nennt. Gloning zählt 205 Rezeptnummern, dazu sechs als Sub-Buchstaben gezählte Zweitschriften (1a, 2a, 3a, 7a, 136a, 137a), die im Codex an anderer Stelle stehen als ihre Originale. Handschrift: Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (XXI + 55 Bl., Register auf Bl. I-XXI, Rezepte ab Bl. 1r).

Ain airmusß zú machen So klopff air vnnd milch vnnderainander vnnd bren semelmell jn ain schmaltz vnnd geúß milch vnnd air darein vnnd lasß sieden vnnd saltz.
airmusß

Wörtlich 'Eiermus', ein weicher Brei aus Eiern, Milch und gerösteten Bröseln. Kein festes Gebäck, eher eine dickliche, gestockte Speise.

semelmell

Gemeint sind fein geriebene Semmelbrösel (Weißbrot-Krume), nicht Weizenmehl. In der Küche des 16. Jahrhunderts wurde häufig mit Brot statt mit Mehl gebunden.

bren

Hier im Sinn von rösten/bräunen (die Brösel in Fett anbräunen), nicht im Sinn von verbrennen.

saltz

Hier das Wort für Speisesalz als abschließender Würzschritt, nicht die im Buch sonst manchmal gemeinte Salse (würzige Tunke).

Handschrift
Das kochbúch der sabina welserin
Folio
Fol. 15 recto
Sprache
Frühneuhochdeutsch (ostschwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg, 1553

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

airchicken egg Q15260613
semelmellwhite breadcrumbs Q107262394
schmaltzanimal fat Q1423543
saltztable salt Q11254

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartvnnd lasß sieden

Gewählte Lesart: Praktische Umsetzung: die Ei-Milch-Masse so lange sieden lassen, bis sie deutlich gestockt und durchgegart ist, kein flüssiges Ei mehr sichtbar - sichert vollständiges Garen.

Andere mögliche Lesart:

  • Nur kurz aufsieden, mit einem eventuell noch feuchteren, weicheren Garzustand. - Das Original nennt keine Zeitangabe, nur „lasß sieden". Ohne weitere Angabe im Transkript bleibt offen, wie lange tatsächlich gesotten wurde; frühere Fassungen unseres Textes hatten mit „kurz" eine unbelegte Präzisierung ergänzt.

Originalwerk (~1553) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 15 recto, Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (urn:nbn:de:bvb:37-dtl-0000005911)
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Internet-Ausgabe nach Stopp 1980) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
In einer Pfanne am Feuer in 15 Minuten fertig, nur Eier, Milch, Brösel und Fett nötig, kein Kühlbedarf und kein besonderes Werkzeug.
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Stand dieser Fassung: 24.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.