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Grundregel: Milch-Getreide-Breie (Gerste, Hafer, Reis)

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit30 Min.Portionen4 PersonenBuchKochbuch des Meisters Hans (~1460)

Auch aus Milch und Mehl macht man ein Mus.

Ebenso macht man aus Milch und Mehl ein gutes Mus, wenn man es richtig zuzubereiten weiß.

Aus Gerste werden ebenfalls gute Breie gemacht, und der Hafer taugt ebenso gut dafür.

Auch aus Reis, der von guter Beschaffenheit ist, macht man mit Milch ein gutes Mus.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
milich Milch - - -
mel Mehl - - -
gersten Gerste - - -
habern Hafer - - -
reiss Reis - - -

Welches Gericht ist das? Ein einfaches Milch-Getreide-Mus ohne feste Zutatenbindung - der direkte Vorläufer von Milchreis, Haferbrei (Porridge) und Gerstenbrei/Grütze. Das Grundprinzip, Getreide in Milch weichzukochen, bis eine sämige Masse entsteht, ist bis heute in ganz Europa in Gebrauch, von deutschem Milchreis bis zum britischen Porridge.

Die Stelle „zer sehen guet". Der Passus zum Reis bleibt unsicher: Hier gelesen als „zu sehen gut" - Reis von ansehnlicher, guter Beschaffenheit -, gestützt durch die Wörterbuchbelege. Eine alternative Lesart als verkürztes Verb (etwa „zerreiben" oder „zerlassen") ist nicht auszuschließen, aber im Korpus unbelegt; das Wort taucht sonst nirgends auf.

Praxis. Der Text nennt weder Mengen noch Zeit noch ein Kochverfahren - er ist eine reine Faustregel. Praktisch naheliegend: das Getreide bei milder Hitze in der Milch quellen und weichkochen lassen, bis ein sämiger Brei entsteht; als grobe Orientierung dient modernes Milchreis-Kochen (etwa 20 bis 30 Minuten), im Original steht dazu aber nichts. Zu beachten: frische Milch hält sich ohne Kühlung nicht lange - heute lässt sich das mit H-Milch umgehen, historisch böte sich eher eine Sauermilch- oder Molke-Variante an.

Ist das hier wirklich ein vollständiges Rezept?

Nicht im modernen Sinn. Der Text listet nur auf, dass Milch mit Mehl, Gerste, Hafer oder Reis zu einem guten Mus verkocht werden kann - ohne Mengen oder genaue Schritte. Es ist eher eine Faustregel-Sammlung als eine Kochanleitung.

Welches Getreide eignet sich laut Text am besten?

Der Text nennt Gerste, Hafer und Reis gleichrangig als gute Grundlagen für ein Milch-Mus. Eine Rangfolge oder Bevorzugung wird nicht angegeben.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, gut geeignet: Milch und Getreide (Reis, Hafer oder Gerste) brauchen nur einen Topf und offenes Feuer, keine besondere Ausrüstung. Der Text selbst nennt weder Zubereitungsschritte noch eine Zeitangabe - vermutlich wird das Getreide in der Milch weichgekocht, bis ein sämiger Brei entsteht. Eine Einschränkung: frische Milch hält sich ohne Kühlung nicht lange; historisch böte sich eher eine Sauermilch- oder Molke-Variante an.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.

Aber von milich vnd von mel macht man muos Item von milich vnd von mel macht man guot gemusz wer das bedenncken kan Aus gersten werden auch guote gemuesz der habern hat die selben guet von Reiss zer sehen guet dauon macht man auch guot gemuesz mit milich .
muos / gemuesz

Sammelbegriff für Brei, Mus oder Pürree aus Getreide, Milch oder Mehl. Hier bezeichnet 'gemuesz' den Plural bzw. die verschiedenen Breiarten aus unterschiedlichem Getreide, nicht 'Gemüse' im modernen Sinn.

wer das bedenncken kan

Wörtlich 'wer das zu bedenken vermag' - eine Formel, die auf handwerkliches Können und Erfahrung beim Kochen verweist, nicht auf eine bestimmte Zutat oder Menge.

Handschrift
Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch
Folio
Fol. 075v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)
Entstehung
Württemberg / Basel, 1460
CoReMA

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

milichmilk Q8495
melflour Q36465
gerstenbarley Q27660203
habernoats Q24265484
reissrice Q5090

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartzer sehen guet

Gewählte Lesart: Als 'zu sehen gut' gelesen, also Reis von guter, ansehnlicher Beschaffenheit (visuelle Qualität). Im Deutschen wiedergegeben als 'von guter Beschaffenheit'.

Andere mögliche Lesart:

  • Möglicher Schreibfehler oder Verkürzung für ein anderes Verb (z.B. 'zerreiben' oder 'zerlassen'), das den Reis vor dem Kochen beschreibt. - Das Wort ist im Glossar unbelegt (Hapax-artig), und die genaue Verbform bleibt unsicher. Die Sehsinn-Lesart ('sehen') ist durch die Wörterbuchbelege am ehesten gestützt.

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 075v, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Milch und Getreide im Topf am Feuer verkocht - einfach und mit wenig Ausrüstung. Der Text nennt keine Zeit- oder Mengenangabe; frische Milch hält sich ohne Kühlung nicht lange (heute per H-Milch/Tetrapak umgangen, historisch eher Sauermilch/Molke).
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Stand dieser Fassung: 17.07.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.