Das kochbúch der sabina welserin · Augsburg · 1553
Die Äpfel schälen und die Kerngehäuse herausschneiden.
Danach die Äpfel fein hacken. Ein halbes Pfund Zucker und ein Lot fein gestoßenen Zimt untermischen.
Zum Schluss einen Teig für die Torte anfertigen und ihn über die Apfelmasse streichen.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| epffel | Äpfel | - | - | Feste, säuerliche Sorten wie Boskoop oder Elstar halten beim Backen besser die Form als moderne süße Sorten. |
| ain halb pfúnd zúcker | Zucker | 250 g | - | - |
| ain lot zimerrerlach, klaingestossen | fein gestoßener Zimt | 15 g | - | - |
| ain taig | Tortenteig | - | - | Ein einfacher Mürbe- oder Wasserteig aus Mehl, Fett und wenig Wasser genügt, das Rezept selbst nennt keine Teig-Zutaten. |
Welches Gericht ist das? Eine Vorläuferin der süddeutschen gedeckten Apfeltorte und des heutigen Apfelkuchens mit Teigdecke - näher verwandt mit dem englischen apple pie und einem rustikalen Cobbler als mit dem modernen zweischichtigen Pie: der Text nennt nur einen einzigen Teig, der über die Fülle gestrichen wird, keinen separaten Boden.
Der Teig selbst wird nicht näher beschrieben - vermutlich derselbe Grundteig, der im Buch an anderer Stelle als eigenes Rezept vorliegt (saw-070, Ei-Mehl-Teig).
Der Quelltext bricht nach dem Zudecken der Fülle ab - kein Back-Schritt wird genannt, weder Hitze noch Gefäß noch Dauer. Das ist für die Gattung "Torte" nicht ungewöhnlich (das Backen galt offenbar als selbstverständlich), aber eine echte Lücke im überlieferten Text, keine Auslassung der Modernisierung.
Praxis. Äpfel schälen, Kerngehäuse herausschneiden und fein hacken - das ergibt eine schnell durchgarende, saftige Fülle. Der Zucker zieht auf den rohen Äpfeln durch Osmose Flüssigkeit, der fein gestoßene Zimt sorgt für gleichmäßige Würzung. Den Teig anfertigen und als Deckel über die Fülle streichen, dann backen: im heutigen Ofen bei mittlerer Hitze unproblematisch, am Marktstand ersatzweise im Dutch Oven mit Kohlen unter und auf dem Deckel oder im mobilen Backofen - ein spürbarer Zusatzaufwand gegenüber reinen Herd- oder Pfannengerichten.
Eingeschränkt geeignet. Die Fülle aus Äpfeln, Zucker und Zimt ist in Minuten gemischt, der Teig ebenso schnell angefertigt und aufgestrichen - das ist ohne Weiteres am Marktstand machbar. Der Quelltext nennt allerdings keinen Back-Schritt: keine Hitze, kein Gefäß, keine Zeit. Für die gedeckte Torte braucht es daher zwangsläufig einen Ofen-Ersatz, etwa einen Dutch Oven mit Kohlen unter und auf dem Deckel - eine plausible moderne Lösung fürs Backen am Feuer, aber keine im Rezept belegte Angabe.
Ein Lot ist ein historisches Gewichtsmaß von ungefähr 15 bis 16 Gramm - hier für den fein gestoßenen Zimt verwendet.
Sabina Welserin setzt einen einfachen Tortenteig offenbar als bekannt voraus, da ihr Kochbuch viele Tortenrezepte enthält, die alle auf denselben Grundteig zurückgreifen. Ein einfacher Mürbe- oder Wasserteig aus Mehl, Fett und etwas Wasser ist eine passende moderne Ergänzung.
Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Sabina Welserin“. Von der Verfasserin selbst 1553 datiertes Kochbuch aus dem Augsburger Patriziat - eines der wenigen frühneuzeitlichen deutschen Kochbücher, das eine Frau als Autorin nennt. Gloning zählt 205 Rezeptnummern, dazu sechs als Sub-Buchstaben gezählte Zweitschriften (1a, 2a, 3a, 7a, 136a, 137a), die im Codex an anderer Stelle stehen als ihre Originale. Handschrift: Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (XXI + 55 Bl., Register auf Bl. I-XXI, Rezepte ab Bl. 1r).
Wörtlich 'Zimmet-Röhrlein', die gerollten Zimtstangen - im Kochbuch der Sabina Welserin der mit Abstand häufigste Begriff für Zimt. Nicht mit 'Zimmer' oder 'Rohr' verwechseln.
Eine 'Torte' meint hier eine flache, gebackene Speise aus Teig mit Fülle, nicht das heutige mehrstöckige Sahnegebäck.
Historisches Gewichtsmaß, ca. 15-16 Gramm.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| epffel | apple Q89 |
| ain halb pfúnd zúcker | unrefined cane sugar Q57656231 |
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Stand dieser Fassung: 28.08.2026 - 3-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.