Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ... · Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen · 1545
Nimm Eiermilch und Brotschnitten, wie zuvor beschrieben.
Gib ein wenig Schmalz in eine Pfanne und gieße die Eiermilch mit den Brotschnitten hinein. Rühre alles zusammen wie ein Mus. Richte es auf einer Schüssel an.
Lass es nicht zu lange sieden, dann bleibt es eine gute, weiche Speise.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ayer milch | Eiermilch (Eier-Milch-Mischung) | - | - | - |
| ſemel ſchnitten | Weißbrotschnitten | - | - | - |
| ſchmaltz | etwas Schmalz | - | - | Butterschmalz |
Welches Gericht ist das? Ein weicher, herzhafter Ei-Milch-Brotbrei, der in der Pfanne mit etwas Schmalz nur kurz verrührt wird - kein Gebäck und kein Kuchen. Das unmittelbar vorangehende Rezept (Festes Eierhärtel mit Brotschnitten) backt dieselbe Grundmischung mit Glut oben und unten zu einem festen, gestürzten Reindel; dieses Rezept bleibt bewusst weich. Modern am ehesten mit einem ungesüßten, in der Pfanne gerührten Semmelschmarrn oder einer einfachen Brot-Ei-Milch-Grütze verwandt.
Warum nicht zu lange sieden? Die Warnung im Text, die Masse nicht zu lange köcheln zu lassen, schützt die Eier vor dem Übergaren: zu viel Hitze macht das Eiweiß gummiartig und lässt die Milch ausflocken, statt der gewünschten weichen, cremigen Konsistenz. Das betrifft die Textur, nicht die Würzung - der Text nennt an dieser Stelle keine Gewürze.
Praxis. Menge und Grundmischung wie beim vorangehenden Rezept: 4-5 Eier verquirlt mit der doppelten Menge Milch und etwas Salz, dünne Weißbrotschnitten darin eingeweicht. Ein wenig Schmalz in einer Pfanne erhitzen, die Eiermilch-Brot-Mischung eingießen und mit dem Löffel zu einem Mus verrühren - nur kurz erhitzen, bis alles gebunden ist, nicht lange köcheln lassen. Sofort auf eine Schüssel geben, ohne zu stürzen. In unter 15 Minuten am offenen Feuer fertig, ohne Ofenhitze und ohne Kühlbedarf für die Zutaten - auch für die Lagerküche geeignet.
Das vorherige Rezept backt dieselbe Eiermilch-Brot-Mischung in der Pfanne zu einem festen, kuchenartigen 'Reindel' aus. Hier wird die Mischung nur kurz erhitzt und zusammengerührt, sodass ein weicher, breiiger Mus entsteht, kein fester Kuchen.
Ja, Goldstandard. Eier, Milch und Brot brauchen keine Kühlung, das Gericht ist in einer Pfanne über dem Feuer in wenigen Minuten fertig.
Die Rezeptziffer ist im vorliegenden Scan beschädigt. Der Vergleich mit einer weiteren Ausgabe desselben Drucks bestätigt, dass hier ursprünglich dieselbe Zahl stand wie im unmittelbar vorangehenden Rezept: eine Zählungs-Dopplung im Druck selbst, keine offene Bedeutungsfrage.
Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch des Balthasar Staindl“ (Augsburg - Druckort). Das erste gedruckte Kochbuch dieser Sammlung, das sich ausdrücklich an Leute ohne Küchenmeister im Haus richtet: 1545 in Augsburg bei Hainrich Stainer erschienen, verfasst von Balthasar Staindl aus Dillingen. Acht Bücher mit 294 Rezepten - von Mandelspeisen über Fisch, Fleisch und Gebäck bis zu Suppen, dazu ein Anhang über Wein und Essig. Es lief so gut, dass bis 1596 neun Auflagen folgten, alle in Augsburg. Damit steht es neben dem Kochbuch der Sabina Welserin (1553) und dem der Maria Stenglerin (1554): dieselbe Stadt, dasselbe Jahrzehnt, aber ein bürgerlicher Haushalt statt eines Patrizierhauses.
Hier im Sinn von 'Mus/Brei', nicht 'Gemüse' - die Eiermilch-Brot-Mischung wird zu einer weichen, breiigen Masse verrührt.
'Wie oben steht' - verweist auf das vorherige Rezept, aus dem Eiermilch und Brotschnitten samt Zubereitung übernommen werden.
An dieser Stelle im Scan als 'nir' gelesen - ein Schaden der Vorlage; gemeint ist die volle Verneinung 'nicht'. Kurze Funktionswörter sind in diesem Druck häufig fehlerhaft erfasst; die Korrektur ist durch eine weitere Ausgabe desselben Werks bestätigt und wurde in die Transkription übernommen.
Die Rezeptziffer ist an dieser Stelle beschädigt und zeichengenau nicht mehr sicher zu bestimmen. Der Zahlenwert lässt sich dennoch sichern: Das unmittelbar vorangehende Rezept trägt im Druck dieselbe Nummer (73) - eine Zählungs-Dopplung im Original selbst, keine Bedeutungsfrage. Die genaue Schreibweise der Ziffer bleibt an dieser Stelle unsicher und wurde deshalb nicht verändert.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| ſchmaltz | animal fat Q1423543 |
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Stand dieser Fassung: 06.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.