Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ... · Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen · 1545
Nimm sechs oder acht Eier und einen Liter süßen Wein und schlage beides gut durcheinander. Salze die Mischung und brocke reichlich geröstete Brotschnitten hinein.
Gieß alles in eine Pfanne, in der ein wenig Schmalz ist, und setz sie auf die Glut. So wird es schön dick. Lass es danach gut durchsieden.
Dieses Gericht darf eine Wochenbetterin oder ein frisch zur Ader Gelassener essen.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ayer | Eier | 6 | - | - |
| ain maß ſuͤſſen wein | 1 Liter süßer Wein | 1 l | - | Lieblicher Weißwein |
| ſaltz | Salz | - | - | - |
| ehrlich baͤwt ſchniten | geröstete Brotschnitten | - | - | - |
| ein wenig ſchmaltz | etwas Schmalz | - | - | Butter |
Welches Gericht ist das? Ein festes, in der Pfanne gestocktes Ei-Brot-Gericht mit Wein statt Milch - näher verwandt mit einem herzhaften Bauernfrühstück oder Semmelschmarrn als mit einem Nachtisch. Eingebrocktes, geröstetes Brot saugt die mit Wein verschlagenen Eier auf und gibt der Masse Halt, ohne die bräuchte es nur eine dünne Suppe statt eines festen „härtels“.
Die Menge des Weins. „Ain maß suͤſſen wein“ war ein regional unterschiedliches Hohlmaß, das je nach Landesrecht zwischen etwa 1,0 und 1,15 Liter schwankte. Für den Nachkoch reicht der Standardwert von 1 Liter süßem Wein, wie ihn auch die Zutatenliste ansetzt.
Praxis. Sechs bis acht Eier mit einem Liter süßem Wein verschlagen, salzen und reichlich geröstete Brotschnitten einbrocken. Alles in eine Pfanne mit etwas Schmalz gießen, auf milder Glut stocken lassen, bis es dick wird, und danach gut durchgaren. Ein schlichtes, sättigendes Pfannengericht - kein Vorführstück wie die Schaugerichte am Kapitelanfang, sondern echte, lagerfähige Marktstand- und Krankenkost.
Ja, Goldstandard. Eier, Wein, geröstetes Brot und Schmalz sind robuste Zutaten ohne Kühlbedarf, und das Gericht ist in einer Pfanne über dem Feuer in etwa 20 Minuten fertig.
Die Maß war ein regional unterschiedliches Flüssigkeitsmaß im süddeutschen Raum, etwa ein Liter. Für den modernen Nachkoch reicht die Umrechnung auf 1 Liter süßen Wein.
Beide Gruppen galten in der Medizin des 16. Jahrhunderts als körperlich geschwächt und brauchten leicht verdauliche, kräftigende Kost. Ein weiches, mit Wein und Eiern angereichertes Brotgericht wie dieses erfüllte genau diesen Zweck.
Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch des Balthasar Staindl“ (Augsburg - Druckort). Das erste gedruckte Kochbuch dieser Sammlung, das sich ausdrücklich an Leute ohne Küchenmeister im Haus richtet: 1545 in Augsburg bei Hainrich Stainer erschienen, verfasst von Balthasar Staindl aus Dillingen. Acht Bücher mit 294 Rezepten - von Mandelspeisen über Fisch, Fleisch und Gebäck bis zu Suppen, dazu ein Anhang über Wein und Essig. Es lief so gut, dass bis 1596 neun Auflagen folgten, alle in Augsburg. Damit steht es neben dem Kochbuch der Sabina Welserin (1553) und dem der Maria Stenglerin (1554): dieselbe Stadt, dasselbe Jahrzehnt, aber ein bürgerlicher Haushalt statt eines Patrizierhauses.
Ein dickes, festes Ei-Brot-Gericht, das in der Pfanne auf der Glut gestockt wird - ein einfaches Pfannengericht, kein Auflauf, denn es kommt nie in den Ofen.
'Gebähte' Schnitten sind leicht geröstete Brotstücke, die als Bindemittel und Basis in der Ei-Wein-Mischung dienen.
Eine Frau im Wochenbett, also kurz nach der Geburt - ihr galten leicht verdauliche, nahrhafte Speisen wie diese als besonders geeignet.
Jemand, dem gerade zur Ader gelassen wurde (medizinischer Blutentzug) - eine im 16. Jahrhundert übliche Behandlung, nach der man als geschwächt galt und schonende Kost benötigte.
Der Anfangsbuchstabe ist im Scan beschädigt; gemeint ist „Nimb“ (Nimm) - so auch in der Parallelausgabe von 1569 an derselben Stelle.
Lesefehler der Texterkennung: gemeint ist „ehrlich“ im Sinn von reichlich, gehörig - so auch in der Parallelausgabe von 1569.
Verlesene Buchstabenfolge: gemeint ist „pfann“ (Pfanne) - so auch in der Parallelausgabe von 1569.
Direkt nach dem seitenumbruchbedingten Kapitelkopf steht im Druck „ein“ (wenig Schmalz), nicht „aln“ - so auch in der Parallelausgabe von 1569.
Lesefehler der Texterkennung (ähnliche Buchstabenform): gemeint ist „Kindbetterin“ - so auch in der Parallelausgabe von 1569.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| ayer | chicken egg Q15260613 |
| ſaltz | table salt Q11254 |
| ein wenig ſchmaltz | animal fat Q1423543 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
ain maß suͤſſen wein
Gewählte Lesart: Rund 1 Liter süßer Wein - der für den Nachkoch angesetzte Standardwert.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 06.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.