Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ... · Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen · 1545
Auf eine andere Weise: Die Erbsen weich sieden und etwas durch ein Sieb streichen, damit die Suppe nicht zu dick wird. Nur die Erbsenbrühe verwenden, kein Wasser.
Soll die Suppe besonders gut und weiß werden, ehrlich guten, süßen Rahm nehmen. Beim Anrichten jedoch nicht zu viel Rahm hinzufügen; weiß gemacht ist die Suppe so gut wie eine Mandelsuppe.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Erbaiſſen | Erbsen | - | - | - |
| Erbes bꝛuͤ | Erbsenbrühe | - | - | - |
| waſſer | Wasser | - | - | - |
| eerlich ſuͤſſen gütten raum | Süßer Rahm | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Eine weiße, mit süßem Rahm abgezogene Erbsensuppe - eine Erbsenpüreesuppe, wie sie heute als cremige Erbsensuppe mit Sahne bekannt ist. Der Text setzt selbst den Maßstab: genauso weiß und gut wie eine Mandelsuppe soll das Ergebnis werden.
Sieb oder Tuch? Weder die Ausgabe von 1545 noch die von 1569 nennen an dieser Stelle das Werkzeug zum Durchstreichen der Erbsen - im übrigen Korpus steht dort fast immer ausdrücklich „durch ein Sieb“ oder „durch ein Tuch“. Beide Varianten sind historisch gleich gut belegt. Ein feines Sieb lässt sich in der Praxis leichter reinigen und liefert ein nahezu identisches Ergebnis; ein Passiertuch ist die ebenso naheliegende Alternative.
Wie lange kochen die Erbsen? Die Quelle sagt nur „weich sieden“, ohne Zeit oder Vorbereitung der Erbsen zu nennen. Geschälte, halbierte Speiseerbsen brauchen ohne vorheriges Einweichen etwa 45 bis 60 Minuten; ganze getrocknete Erbsen brauchen meist ein Einweichen über Nacht und eine längere Kochzeit.
Was ist die eigene Erbsenbrühe? Nichts Zusätzliches, das man besorgen müsste: gemeint ist das Wasser, in dem die Erbsen gekocht wurden. Es hat beim Kochen Stärke und Geschmack aufgenommen und bindet die Suppe. Die Anweisung „nur die Erbsenbrühe, kein Wasser" richtet sich gegen das Verdünnen: wer die Suppe hinterher mit frischem Wasser streckt, verliert genau die Bindung, die den Rahm später tragen soll. Deshalb von Anfang an knapp mit Wasser bemessen.
Praxis. Geschälte, halbierte Speiseerbsen ohne Einweichen in knapp bemessenem Wasser weich kochen. Dieses Kochwasser ist die Erbsenbrühe - es wird nicht abgegossen, sondern bleibt die ganze Flüssigkeit der Suppe. Einen Teil durch ein feines Sieb streichen, bis die Suppe leicht gebunden, aber nicht zu dick ist. Erst beim Anrichten sparsam süßen Rahm einrühren, ohne ihn lange mitzukochen, damit er nicht ausflockt oder sich trennt.
Rahm ist süße Sahne beziehungsweise fetter Milchrahm. Er wird erst zum Schluss sparsam in die Erbsensuppe gegeben und macht sie weiß und besonders reichhaltig.
Der Text selbst sagt nur, dass die Suppe dadurch nicht zu dick werden soll. Beim Durchstreichen wird zugleich ein Teil der Erbsen püriert, was die Suppe auf natürliche Weise leicht bindet - eine Nebenwirkung des Verfahrens, keine im Text genannte Absicht. Als Flüssigkeit dient ausschließlich die eigene Erbsenbrühe.
Ja, Goldstandard. Getrocknete Erbsen sind lange haltbar und brauchen keine Kühlung. Zum Weichkochen wird Wasser benötigt, das dabei selbst zur Erbsenbrühe wird - danach kommt laut Rezept kein zusätzliches Wasser mehr hinzu. Mit Topf, Sieb und etwas Rahm ist die Suppe am Feuer in unter einer Stunde fertig.
Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch des Balthasar Staindl“ (Augsburg - Druckort). Das erste gedruckte Kochbuch dieser Sammlung, das sich ausdrücklich an Leute ohne Küchenmeister im Haus richtet: 1545 in Augsburg bei Hainrich Stainer erschienen, verfasst von Balthasar Staindl aus Dillingen. Acht Bücher mit 294 Rezepten - von Mandelspeisen über Fisch, Fleisch und Gebäck bis zu Suppen, dazu ein Anhang über Wein und Essig. Es lief so gut, dass bis 1596 neun Auflagen folgten, alle in Augsburg. Damit steht es neben dem Kochbuch der Sabina Welserin (1553) und dem der Maria Stenglerin (1554): dieselbe Stadt, dasselbe Jahrzehnt, aber ein bürgerlicher Haushalt statt eines Patrizierhauses.
Rahm bezeichnet süße Sahne beziehungsweise einen fetten Milchrahm.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Erbaiſſen | garden pea Q29472543 |
| Erbes bꝛuͤ | pea stock Q107246700 |
| waſſer | water Q283 |
| eerlich ſuͤſſen gütten raum | cream Q13228 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
treibs ein wenig durch dz
Gewählte Lesart: Ein feines Sieb, durch das ein Teil der weich gesottenen Erbsen gestrichen wird.
Andere mögliche Lesart:
Erbaiſſen waich ſeüt
Gewählte Lesart: Geschälte, halbierte Speiseerbsen, ohne vorheriges Einweichen in etwa 45 bis 60 Minuten weich gekocht.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 02.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.