Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ... · Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen · 1545
Wenn ein Wein ‚König‘ geworden ist: Nimm Salz und brenne es, bis es schwarz wird. Reibe es danach in einem Mörser fein. Gib es oben am Spund in den Wein oder in einen kleinen Behälter, der hineingehängt wird. So sinkt es nach unten.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
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| ſaltz | Salz | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Kein Speiserezept, sondern eine Kellerbehandlung: gebranntes, im Mörser fein zerriebenes Salz wird oben am Spund oder in einem kleinen, eingehängten Gefäß in ein Fass mit ‚König‘ gewordenem Wein gegeben, wo es zu Boden sinkt. Ein modernes Gegenstück ist keine Speise, sondern ein Weinbehandlungsverfahren - vergleichbar mit heutigen Feinungs- oder Entgeruchungsmitteln, die in einem Säckchen ins Fass gehängt werden, etwa Aktivkohle gegen Fehltöne: kein gemeinsamer Wirkstoff, aber dasselbe strukturelle Prinzip.
Was mit ‚König‘ gemeint ist, bleibt offen. Weder das übrige Staindl-Kochbuch noch die Zweitausgabe von 1569 noch der restliche Korpus liefern eine Parallelstelle, die den Begriff erklärt. Er reiht sich aber in eine Serie mehrerer eigens benannter Weinfehler-Behandlungen im selben Buchabschnitt ein - zäher Wein, Wein, der sich nicht setzen will, ganz verdorbener Wein - vermutlich ein damals gebräuchlicher Kellerjargon-Ausdruck für einen heute nicht mehr sicher identifizierbaren Weinzustand.
Auch das Gefäß bleibt unsicher. ‚Buckel‘ bezeichnet in den Wörterbüchern sonst eine Wölbung oder Beule, nie ausdrücklich ein Behältnis; die Deutung als kleines, gewölbtes Gefäß oder Beutel ist Kontext-Inferenz aus dem Hineinhängen in den Wein. Das ähnliche Verfahren, Zutaten in einem Leinentüchlein zu binden und ins Fass zu hängen, das an anderer Stelle in diesem Buchabschnitt vorkommt, zeigt, dass ein durchlässiger Träger im Fass ein gängiges Verfahren war - auch wenn das die Wortbedeutung selbst nicht klärt.
Praxis. Salz in einer feuerfesten Pfanne oder in der Glut brennen, bis es schwarz beziehungsweise dunkel ist, vollständig abkühlen lassen und im Mörser fein zerreiben. Das Pulver entweder direkt oben am Spund in den Wein geben oder - näher am Wortlaut - in ein kleines, durchlässiges Säckchen füllen und dieses ins Fass hängen; heute eignet sich dafür am ehesten Leinen statt eines Metallgefäßes, das mit dem sauren Wein reagieren könnte. Menge, Brenndauer und Einwirkzeit im Fass nennt die Vorlage nicht - das ist eine Lücke der Quelle, keine ausgelassene Übersetzung. Für einen ersten Versuch reicht eine kleine Menge Salz, danach das Säckchen einige Tage im Fass belassen und den Wein zwischendurch probieren.
Der Text nennt ‚König‘ als besonderen Zustand des Weins und behandelt ihn wie mehrere andere, eigens benannte Weinfehler in diesem Buchabschnitt. Er erklärt den Begriff aber nicht näher - deshalb lässt sich nicht sicher sagen, ob damit Trübung, Bodensatz oder eine andere Weinveränderung gemeint ist.
Das Salz wird stark erhitzt, bis es schwarz ist, und anschließend im Mörser fein gerieben. Die historische Anweisung nennt diesen Verarbeitungsschritt, erklärt aber nicht seine chemische Wirkung im Wein.
Vermutlich ein kleines, gewölbtes Gefäß oder ein kleiner Beutel, in den das zerstoßene Salz gegeben und der in den Wein gehängt wird. Welches Material dafür verwendet wurde, sagt der Text nicht; heute empfiehlt sich ein durchlässiges Säckchen, etwa aus Leinen, anstelle eines Metallgefäßes, das mit dem sauren Wein reagieren könnte. Die genaue Form des historischen Gefäßes bleibt unsicher.
Nein. Es ist eine Kellerbehandlung am Weinfass und verlangt kontrolliertes Brennen, einen Mörser und eine Vorrichtung am Spund.
Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch des Balthasar Staindl“ (Augsburg - Druckort). Das erste gedruckte Kochbuch dieser Sammlung, das sich ausdrücklich an Leute ohne Küchenmeister im Haus richtet: 1545 in Augsburg bei Hainrich Stainer erschienen, verfasst von Balthasar Staindl aus Dillingen. Acht Bücher mit 294 Rezepten - von Mandelspeisen über Fisch, Fleisch und Gebäck bis zu Suppen, dazu ein Anhang über Wein und Essig. Es lief so gut, dass bis 1596 neun Auflagen folgten, alle in Augsburg. Damit steht es neben dem Kochbuch der Sabina Welserin (1553) und dem der Maria Stenglerin (1554): dieselbe Stadt, dasselbe Jahrzehnt, aber ein bürgerlicher Haushalt statt eines Patrizierhauses.
‚König‘ war offenbar ein damals gebräuchlicher Fachausdruck für einen bestimmten Weinzustand - die Anweisung steht in einer Reihe mehrerer eigens benannter Weinfehler-Behandlungen in diesem Buchabschnitt. Welche konkrete Weinveränderung damit gemeint ist, lässt sich aus heutiger Sicht nicht mehr sicher bestimmen.
Das Salz wird in einem Mörser fein zerrieben, bevor es in den Wein gelangt.
Im Zusammenhang mit dem Hineinhängen in den Wein wird ‚Buckel‘ hier als kleines, gewölbtes Gefäß oder ein kleiner Beutel verstanden; das Wort selbst bezeichnet in den Wörterbüchern sonst eine Wölbung oder Beule, nie ausdrücklich ein Behältnis - die genaue Form bleibt unsicher.
Die Mischung soll im Wein nach unten sinken.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| ſaltz | table salt Q11254 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
konig
Gewählte Lesart: Ein eigens benannter, aber nicht näher bestimmbarer Zustand des Weins - die Anweisung reiht sich in mehrere andere, ausdrücklich benannte Weinfehler-Behandlungen desselben Buchabschnitts ein, was eher für einen damals gebräuchlichen Fachausdruck als für ein Zufallswort spricht.
Andere mögliche Lesarten:
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Stand dieser Fassung: 04.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.