Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ... · Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen · 1545
Klärung eines zähen Weins: Nimm Hobelspäne von Fichtenbrettern. Föhrenspäne sind noch besser. Nimm außerdem ein Viertel oder ein halbes Maß Milch und 1,5 kg Ofenlehm. Verrühre alles gründlich in einem sauberen Schaff.
Gieße die Mischung in den Wein und rühre ihn mit einem Rührscheit gut durcheinander. Lass den Wein acht Tage in Ruhe stehen. Danach wird er schön klar sein.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| hobelſchaitten von feichten laden | Hobelspäne von Fichtenbrettern | - | - | - |
| ſoͤꝛchen ſchaiten | Föhrenspäne | - | - | Hobelspäne von Fichtenbrettern |
| milch | Milch | - | - | - |
| dꝛey pfund ofen laim | 1,5 kg Ofenlehm | 1½ kg | Online-Handel | - |
Welches Gericht ist das? Kein Kochrezept, sondern ein Verfahren aus der Kellermeisterei: die Klärung von zäh (schleimig, ropig) gewordenem Wein durch Zusatz von Holzspänen, Milch und Lehm. Der lebende Nachfahre dieses Verfahrens ist die moderne Weinschönung mit Bentonit (Tonerde) - bis heute Standard im Weinbau, während die Holzspäne-Komponente keine direkte moderne Entsprechung mehr hat.
Welche Holzart? Der Text nennt zuerst Hobelspäne von Fichtenbrettern und als noch bessere Alternative eine zweite Holzart. Die Vorlage zeigt hier eine seltene Verwechslung im Druckbild zwischen zwei ähnlich aussehenden Buchstaben; in keinem einschlägigen Wörterbuch ist für „Lärche" eine Schreibung mit diesem Anlaut belegt, wohl aber für „Forche" (Föhre, Kiefer) - gemeint sind daher vermutlich Föhrenspäne, kein Lärchenholz.
Das Gefäß. „In einem schönen Schaf" meint ein sauberes Schaff - ein größeres hölzernes Schöpf- oder Mischgefäß wie ein Bottich -, keine kleine Küchenschüssel. Für die Menge aus Milch und anderthalb Kilo Lehm braucht es entsprechend Platz.
Praxis. Hobelspäne (ersatzweise auch Föhrenspäne) in einem sauberen Bottich mit Milch (die Mengenangabe im Original bleibt ohne Maßeinheit, eine viertel bis halbe Menge ist gemeint) und rund anderthalb Kilo Ofenlehm gründlich verrühren. Die Mischung in den Wein geben und mit einem langen Rührstab (Rührscheit) gut durch das ganze Fass rühren. Den Wein danach acht Tage ungestört stehen lassen, bis er klar geworden ist - ein reiner Ruheprozess, der sich nicht abkürzen lässt.
Die Mischung soll einen zähen oder trüben Wein klären. Holzspäne, Milch und feiner Lehm werden als historische Schönungs- und Bindemittel verwendet und anschließend mehrere Tage im Wein belassen.
Zuerst nennt der Text Hobelspäne von Fichtenbrettern. Als noch bessere Möglichkeit wird eine zweite Nadelholzart genannt, vermutlich Föhre (Kiefer) - die Vorlage ist an dieser Stelle im Druckbild nicht eindeutig lesbar.
Nein. Die Anweisung gehört zur Kellerarbeit: Der Wein muss in einem Fass acht Tage ruhig stehen und anschließend weiter behandelt werden.
Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch des Balthasar Staindl“ (Augsburg - Druckort). Das erste gedruckte Kochbuch dieser Sammlung, das sich ausdrücklich an Leute ohne Küchenmeister im Haus richtet: 1545 in Augsburg bei Hainrich Stainer erschienen, verfasst von Balthasar Staindl aus Dillingen. Acht Bücher mit 294 Rezepten - von Mandelspeisen über Fisch, Fleisch und Gebäck bis zu Suppen, dazu ein Anhang über Wein und Essig. Es lief so gut, dass bis 1596 neun Auflagen folgten, alle in Augsburg. Damit steht es neben dem Kochbuch der Sabina Welserin (1553) und dem der Maria Stenglerin (1554): dieselbe Stadt, dasselbe Jahrzehnt, aber ein bürgerlicher Haushalt statt eines Patrizierhauses.
Gemeint sind Bretter aus Fichtenholz, von denen Hobelspäne gewonnen werden.
Die Lesart wurde von „Lärchenspäne" auf „Föhrenspäne" korrigiert: Für „Lärche" ist im gesamten einschlägigen Wörterbuchnetz (u. a. Fischer, Schmeller, Fränkisches Wörterbuch, Idiotikon) ausschließlich l-Anlaut belegt, während „Forche" (Föhre, Kiefer) als f-anlautendes, dialektgerechtes Wort gut bezeugt ist und inhaltlich als zweites gängiges Nadelholz neben der Fichte passt. Die Ausgabe von 1569 liest die Stelle identisch - die Unsicherheit steckt also schon im Druck von 1545, nicht in unserer Erfassung.
Ofenlehm ist ein feiner Lehm, der hier zusammen mit Milch als Klärmittel verwendet wird.
Ein Rührscheit ist ein länglicher hölzerner Stab zum Umrühren im Fass.
Ein „Schaf" (Schaff) ist hier ein größeres hölzernes Schöpf- oder Mischgefäß wie ein Bottich, keine kleine Küchenschüssel - passend zur Menge aus Milch und anderthalb Kilo Lehm, die darin vermischt wird.
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Stand dieser Fassung: 04.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.