Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ... · Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen · 1545
Einen Teig nehmen, so viel wie für einen Laib, und ebenso viel sauberen Sand. Alles miteinander vermengen und kleine Kugeln daraus machen, die klein genug sind, um mit dem Brot in den Ofen zu passen. Die Kugeln zusammen mit dem Brot einschießen, wenn gebacken werden soll. Sobald sie halb gebacken sind, herausnehmen, in das Fass werfen und den Wein drei Tage stehen lassen.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| aintaig | Weizenteig | - | - | - |
| ſchoͤnen ſand | Sauberer Sand | - | - | - |
| bꝛot | Brot | - | - | - |
| wein | Wein | - | - | - |
Welches Gericht ist das?
Kein Gericht im eigentlichen Sinn, sondern eine Kellertechnik zur Weinbehandlung: kleine Kugeln aus Teig und sauberem Sand werden halb gebacken, ins Weinfass gegeben und drei Tage darin belassen. Die nächste moderne Verwandtschaft sind heutige Weinschönungsmittel wie Bentonit, Eiklar oder Hausenblase, die ebenfalls Trübstoffe binden sollen - als konkrete Technik mit gebackenen Teig-Sand-Kugeln hat das Verfahren aber keine direkte lebende Fortsetzung und ist eher ein dokumentiertes historisches Verfahren als eine geübte Praxis.
Ofen oder Fass?
Der Text nennt das Fass erst, nachdem die Kugeln bereits halb gebacken sind. Vorher ist nur vom Backofen die Rede: die Kugeln sollen klein genug sein, um zusammen mit dem ohnehin gebackenen Brot in den Ofen zu passen, und werden mit dem Brot gemeinsam eingeschossen. Erst danach, halb gebacken, kommen sie ins Fass. Das Brot selbst wandert nicht in den Wein - es ist nur der Ofenpartner beim Backen der Kugeln.
Wie lange „halbig backen“?
Der Text nennt keine Zeit- oder Temperaturangabe, nur den gemeinsamen Ofengang mit dem Brot. In der Praxis am ehesten am Garzustand orientieren: Oberfläche fest, Kern noch weich und roh - dieser poröse Kern lässt den Teig im Kontakt mit dem Wein quellen, was ein durchgebackener Kloß nicht mehr könnte.
Welcher Sand?
Auch die Körnung oder Herkunft des „schönen Sandes“ bleibt offen. Für den heutigen Nachvollzug eignet sich nur sauberer, lebensmittelunbedenklicher (gewaschener, feiner) Sand - Bau- oder Straßensand ist ungeeignet.
Praxis.
Teig (Menge wie für einen Brotlaib) und die gleiche Menge sauberen Sand vermengen und zu kleinen Kugeln formen. Die Kugeln zusammen mit dem Brot in den Ofen geben und nur halb backen lassen. Herausnehmen, ins Weinfass geben und den Wein drei Tage stehen lassen. Für modernen Trinkwein ist das Verfahren nicht zu empfehlen - es fehlt sowohl eine belegte Lebensmittelsicherheit des Sandes als auch eine Erfolgskontrolle; es bleibt ein dokumentarisches Beispiel historischer Kellerpraxis, kein Rezept zum Nachmachen für den eigenen Wein.
Der Text beschreibt eine historische Behandlung des Weins, bei der halb gebackene Teig-Sand-Kugeln drei Tage im Fass liegen. Welche Stoffe dabei genau gebunden oder aus dem Wein gezogen werden sollten, erklärt die Quelle nicht.
Für einen modernen Trinkwein ist sie nicht als sichere Anleitung zu verstehen: Der Text nennt weder lebensmittelgeeigneten Sand noch hygienische Prüfungen. Sie eignet sich vor allem als dokumentarisches Beispiel historischer Kellerpraxis.
Nein. Halb gebackene Kugeln, ein Backofen, ein Fass und drei Tage Ruhezeit machen daraus eine Kellerarbeit außerhalb des üblichen Lagerkochens.
Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch des Balthasar Staindl“ (Augsburg - Druckort). Das erste gedruckte Kochbuch dieser Sammlung, das sich ausdrücklich an Leute ohne Küchenmeister im Haus richtet: 1545 in Augsburg bei Hainrich Stainer erschienen, verfasst von Balthasar Staindl aus Dillingen. Acht Bücher mit 294 Rezepten - von Mandelspeisen über Fisch, Fleisch und Gebäck bis zu Suppen, dazu ein Anhang über Wein und Essig. Es lief so gut, dass bis 1596 neun Auflagen folgten, alle in Augsburg. Damit steht es neben dem Kochbuch der Sabina Welserin (1553) und dem der Maria Stenglerin (1554): dieselbe Stadt, dasselbe Jahrzehnt, aber ein bürgerlicher Haushalt statt eines Patrizierhauses.
Als ‚ein Teig' gelesen (Zusammenschreibung von ‚ain' + Substantiv, wie im selben Rezept auch bei ‚ainand' und ‚ainannder' - eine im Druck übliche Schreibweise, keine Bedeutungsvariante). Die Menge wird nur im Verhältnis zu einem Laib angegeben, nicht als Küchenmaß.
Gemeint ist sauberer Sand, der mit dem Teig zu Kugeln vermengt wird. Der Text nennt keine genauere Herkunft oder Körnung.
Bezieht sich auf den Backofen, nicht auf das Fass: unmittelbar im Anschluss folgt „scheüß mit dem brot ein“ (die Kugeln zusammen mit dem Brot einschießen). Vom Fass ist im Text erst zwei Sätze später die Rede, nachdem die Kugeln bereits halb gebacken sind.
Die Teigkugeln sollen nur halb gebacken sein, bevor sie in das Fass kommen. Die Pluralform ‚bachen sein' (nicht ‚ist') legt ‚wanns' grammatisch als ‚wenn sie' fest und bezieht sich auf die zuvor genannten Kugeln.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| bꝛot | bread Q7802 |
| wein | wine Q282 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
wanns halbig bachen sein
Gewählte Lesart: Der Garzustand richtet sich nach Optik und Griff (Oberfläche fest, Kern noch weich), nicht nach einer festen Backzeit für Brot.
Andere mögliche Lesart:
ſchoͤnen ſand
Gewählte Lesart: Sauberer, lebensmittelunbedenklicher (gewaschener, feiner) Sand statt Bau- oder Straßensand.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 04.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.