Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897 · Wien, vermutlich Augustiner-Chorherrenstift St. Dorothea (Besitzvermerke 15. Jh. auf Bl. 1r, 15r, 28v, 54v, 91v) · 1450
Ein weiteres Mus: Lass von den anderen Fladen so viele weg, wie du magst, und bereite ein halbes Pfund Mandelmilch dazu. Lass es darin sieden. Gib reines Schmalz an die Milch. Versalze es nicht.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| DEr andern pleter | Übrige Stockfischfladen aus dem vorausgehenden Rezept | - | - | Die Identifikation als Stockfischfladen folgt dem unmittelbaren Rezeptkontext; isoliert bezeichnet 'pleter' allgemein Fladen oder Pfannkuchen. |
| 1/2 talentum mandel milch | Etwa 250 g Mandelmilch | 250 g | - | - |
| ein rains smalcz | Reines Schmalz | - | - | Butterschmalz als moderne Alternative |
| versalcz ez nicht | Salz, sparsam | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Nach der bestgestützten Kontextlesart ist es ein herzhaftes Mus aus den übrigen ausgebackenen Stockfischfladen des vorausgehenden Rezepts, die in Mandelmilch gesotten und mit reinem Schmalz angereichert werden. Die lose Formverwandtschaft mit Mus- oder Milchspeisen aus Gebäckresten erklärt die Technik, darf aber die Fischgrundlage nicht verdecken.
Welche Fladen sind gemeint? Das unmittelbar vorausgehende Rezept w1-130 formt aus gegartem Stockfisch große Fladen und bäckt sie in Öl und Schmalz aus; w1-132 setzt danach mit grätenfreien Fischstücken fort. Auch die B4-Folge b4-125 bis b4-127 ordnet dieselben drei Schritte nebeneinander an. Daher ist der Stockfischbezug stärker gestützt als die isoliert ebenfalls mögliche Lesart als gewöhnliche Pfannkuchen.
Wie viel Mandelmilch? W1 schreibt ‚1/2 talentum‘. Die direkt gelesene Parallelfassung b4-126 hat an derselben Stelle ‚ein halb phunnt mandel milich‘ und löst die Menge damit als ein halbes Pfund, ungefähr 250 Gramm, auf.
Moderne Praxis. Verwende die Stockfischfladen aus w1-130 frisch oder kühle sie nach dem Garen rasch und transportiere sie gekühlt. Lass die gewünschte Menge in etwa 250 g Mandelmilch sieden, gib reines Schmalz hinzu und salze zurückhaltend. Wie lange gesotten wird und welche Endkonsistenz erreicht werden soll, lässt die Quelle offen; sie nennt weder Schneiden oder Zerreißen noch Rühren oder Eindicken.
Die direkte Parallelfassung b4-126 schreibt an derselben Stelle ‚ein halb phunnt mandel milich‘. Damit ist ‚1/2 talentum‘ hier bestgestützt als ein halbes Pfund Mandelmilch zu lesen, ungefähr 250 Gramm.
‚Pleter‘ kann allgemein dünne Fladen oder Pfannkuchen bezeichnen. Hier sind nach dem unmittelbaren Zusammenhang wahrscheinlich die ausgebackenen Stockfischfladen aus w1-130 gemeint; w1-132 setzt die Folge mit grätenfreien Fischstücken fort. Der Stockfischbezug ist deshalb die bestgestützte Kontextlesart, steht aber nicht ausdrücklich im Einzelwort ‚pleter‘.
Ja, wenn die Stockfischfladen vorbereitet sind, genügt für die weitere Zubereitung ein Topf am Feuer. Aus heutiger Sicht müssen die gegarten Fischfladen frisch verwendet oder rasch gekühlt und bis zur Weiterverarbeitung gekühlt transportiert werden. Deshalb ist das Rezept geeignet, aber kein Goldstandard.
Dieses Rezept stammt aus dem Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897 (Mitte 15. Jh. - Teil I). CoReMA-Handschrift W1 (Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897): dreiteilige Sammelhandschrift, Teil I (Kochrezepte, Bl. 1r-53v) aus der Mitte des 15. Jh., Teil III älter (Mitte 14. Jh.). Textlicher Zwilling von B4 (Berlin, Ms. germ. qu. 1187) - beide überliefern u.a. dasselbe "grün Met"-Rezeptpaar fast wortgleich.
‚Gmues‘ bezeichnet hier ein Mus oder allgemein eine zubereitete Speise, nicht ein Gemüsegericht im heutigen Sinn.
‚Pleter‘ bezeichnet dünne Fladen oder Pfannkuchen. Hier verweist ‚der andern pleter‘ nach der bestgestützten Kontextlesart auf die Stockfischfladen des unmittelbar vorausgehenden Rezepts w1-130, das ‚der grossen pletern‘ formt und ausbäckt. Die B4-Parallelfolge bestätigt denselben Zusammenhang: b4-125 nennt ‚der grossen pleter‘, bevor b4-126 von ‚der anderen pleter‘ spricht.
Die W1-Maßangabe wird durch die Parallelfassung b4-126 präzisiert: An derselben Stelle steht dort ‚ein halb phunnt mandel milich‘. Gemeint ist daher bestgestützt ein halbes Pfund Mandelmilch, ungefähr 250 Gramm.
Reines Schmalz. Der Text gibt es zur Mandelmilch; eine darüber hinausgehende Bindungsfunktion nennt er nicht.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| 1/2 talentum mandel milch | almond milk Q975953 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
der andern pleter losz hin aus als du maist muagst
Gewählte Lesart: Lass von den anderen Fladen so viele weg, wie du magst. Die Fladen werden nach dem unmittelbaren Kontext am besten als übrige Stockfischfladen aus w1-130 verstanden.
Andere mögliche Lesarten:
1/2 talentum mandel milch
Gewählte Lesart: Als ein halbes Pfund Mandelmilch gelesen, ungefähr 250 Gramm.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 26.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.