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Ein weiteres Heilgewürzpulver

Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4° · Entstehungsort unbekannt · 1543

RezeptSonstigesLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit10 Min.PortionenVorratsmenge für mehrere AnwendungenBuchWolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4° (~1543)

Ein weiteres Heilpulver ist sehr gut, wärmt den Magen, fördert eine gute Verdauung, stärkt das Gehirn und die Naturkräfte und kräftigt die Glieder.

Nimm zur Zubereitung ein halbes Pfund Zucker. Dazu ein halbes Lot Ingwer, Galgant, Kalmus, Deumenten und Majoran, jeweils ein Quint Muskat, Zimt, Nelken, Kubeben und Kardamom, ein Drittel eines Quints Langen Pfeffers und ein Lot Veilchenwurzel.

Jedes dieser Stücke hat seine Auslegung:

Ingwer stärkt den Magen, ist gut gegen Enge und Kälte in der Brust und gegen Husten. Er dient dem kalten Magen, öffnet den Darm und verzehrt die überflüssige Feuchtigkeit im Leib.

Galgant kräftigt die Verdauung des Magens, stärkt das Herz und vertreibt die Winde im Magen.

Kalmus ist gut für Magen und Herz und kräftigt die Sinneswahrnehmung des Gehirns.

Deumenten sind gut für den Magen, fördern eine gute Verdauung und stärken die Naturkräfte.

Majoran stärkt das Gehirn, kräftigt das Herz und macht ein fröhliches Gemüt.

Muskat wehrt den Dämpfen, die aus dem Magen ins Haupt aufsteigen, und wehrt auch den Flüssen, die vom Haupt ausgehen.

Zimt kräftigt Herz, Gehirn und Gesicht, reguliert die Verdauung und vertreibt alle faule Materie.

Nelken stärken Herz, Gehirn und Gesicht, fördern eine gute Verdauung und nehmen das Erbrechen.

Kubeben sind gut für den Magen, fördern den Harn, wehren dem Grieß, kräftigen das Haupt, öffnen Leber und Milz und sind gut gegen die Gelbsucht.

Kardamom fördert eine gute Verdauung, wehrt der Ohnmacht des Herzens und wehrt dem Unlust und Wühlen, wenn man es nüchtern isst.

Langer Pfeffer reguliert die Verdauung des Magens, fördert den Stuhlgang und verzehrt die Feuchtigkeit im Menschen und die Winde im Magen, aus denen das Grimmen kommt.

Zucker ist gut gegen Schmerzen in der Brust und befeuchtet die trockene Brust. Wem das Haupt von heißen Ursachen wehtut, dem lindert er den Stuhlgang und hilft gegen den Durst.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
1/2 pfund zucker Zucker 250 g - -
1/2 lot Imber 7,5 g Ingwer 7½ g gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
Galget 7,5 g Galgant 7½ g gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
Calmus 7,5 g Kalmus 7½ g Online-Gewürzhandel -
deumenten 7,5 g Dillkörner 7½ g - Lesart unsicher - auch "dürre Datteln" möglich, Details unten im Abschnitt Lesarten
Maseran 7,5 g Majoran 7½ g - -
Muscat 3,75 g Muskatnuss 3¾ g gut sortierter Supermarkt -
zimet 3,75 g Zimt 3¾ g - -
Negelen 3,75 g Nelken 3¾ g - -
Cubeben 3,75 g Kubebenpfeffer 3¾ g Online-Gewürzhandel Schwarzer Pfeffer
Cardamuemlen 3,75 g Kardamom 3¾ g gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel Menge unsicher - evtl. 1/2 Quint (1,875 g) statt 1 Quint, Details unten im Abschnitt Lesarten
ein drittaill von ainem quint langen pfeffer 1,25 g Langer Pfeffer 1¼ g Online-Gewürzhandel Schwarzer Pfeffer
ain lot veyelwurtz Veilchenwurzel 15 g Online-Gewürzhandel -

Welches Konfekt ist das? Dieses Rezept ist ein weiteres „Triet“ aus Ludwig Neers Kunst- und Artzneibuch (1543) - eine trockene, stark gezuckerte Gewürzkonfektion der Apothekertradition, kein Kochrezept. Wie beim Zwillingsrezept wo10-013 im selben Buch steht hinter jeder Zutat eine eigene humoralpathologische Wirkerklärung. Eine entfernte lebende Verwandte ist das im Glarnerland bis heute unter dem Namen „Trietolt“ verkaufte Magenträs-Pulver (Zucker, Sandelholz, Zimt, Muskat, Nelken, Ingwer) - siehe wo10-013 für die dortige Herleitung.

Mengen. Dreizehn Gewürze und Wurzeln werden in vier Mengenstufen abgewogen: ein halbes Lot (7,5 g) für Ingwer, Galgant, Kalmus, Dillkörner (Lesart unsicher) und Majoran; ein Quint (3,75 g) für Muskat, Zimt, Nelken, Kubeben und Kardamom; ein Drittel Quint (1,25 g) für Langen Pfeffer; ein Lot (15 g) für Veilchenwurzel; dazu ein halbes Pfund (250 g) Zucker. Die Menge für Kardamom ist textlich nicht ganz sicher - eine zweite Mengenklausel im Transkript könnte auf ein halbes statt ein ganzes Quint hindeuten - die Argumente dazu stehen unten im Abschnitt Lesarten. Die feine Stufung bis auf ein Drittel Quint setzt eine Apothekerwaage voraus, keine Küchenmaße.

Praxis. Jede Zutat einzeln fein mahlen oder stoßen, dann mit dem Zucker vermengen - ohne Feuer, ohne Kochvorgang. Ob das fertige Pulver trocken eingenommen oder in Wein oder Wasser aufgelöst wurde, sagt der Text nicht und sollte auch nicht als Standard behauptet werden; nur beim Kardamom vermerkt der Text ausdrücklich die Einnahme „nüchtern“.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein. Es ist eine reine trockene Gewürzmischung ohne Kochvorgang am Feuer - bei diesem Buch (Ludwig Neers Kunst- und Artzneibuch) der Normalfall für die apothekerischen Rezepte, kein Makel. Alle Zutaten sind zwar getrocknet und lange haltbar, aber ohne Gargang ist das kein Nachkoch-Rezept im engeren Sinn.

Was sind „Deumenten“?

Die genaue Identität lässt sich nicht sicher klären. Der Wörterbuchverweis (Wuelcker, „s. unter dau.“) führt eher zu „Dattel“ als zu „Dill“; für „Karottensamen“ gibt es keinen Beleg. Im Zwillingsrezept wo10-013 im selben Buch bleibt dieselbe Frage offen zwischen „Dillkörner“ und „dürre Datteln“. Für die Zutatenliste hier wurde mangels sicherer Lesart „Dillkörner“ angesetzt, analog zu wo10-013.

Was bedeuten die Maßeinheiten „Lot“ und „Quint“ im Rezept?

Ein „Lot“ war eine historische Gewichtseinheit, die regional unterschiedlich schwer war; für diese Übersetzung wird grob mit 15 bis 16 Gramm gerechnet, ein gesicherter Entstehungsort der Handschrift ist nicht bekannt. Ein „Quint“ war eine kleinere Einheit, die einem Viertel Lot gleichkam, also etwa 3,75 Gramm. Diese Einheiten wurden für feine Gewürze und medizinische Pulver verwendet.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4° (Entstehungsort unbekannt). CoReMA-Handschrift Wo10 (Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5 Aug. 4°): "Kunst- und Artzneibuch von Ludwigen Neer zusamengetragenn. Anno 1543" - ein 1543 datiertes Kunst- und Arzneibuch mit Kochrezept-Anteil. Enthält ein gewürztes Met-Rezept ("Wie man ain Met sieden soll") mit ganzer Muskatnuss und Zimtstangen, im Wasser eingekocht und mit geläutertem Honig fertiggestellt.

Ein anders Triet Ist vast gutt wermett den Magen macht gutte dewung sterckt das hirn vnd die Natur vnd krefftigt die glider nimb auff 1/2 pfund zumachen 1/2 lot Imber Galget Calmus deumenten vnd Maseran Iedes 1 quint Muscat zimet Negelen Cubeben vnd Cardamuem= len Iedes 1/2 quint ein drittaill von ai= nem quint langen pfeffer ain lot veyelwurtz 1/2 pfund zucker etc. Dise stuckh hatt Iegelichs sein auslegung Der Imber sterckt den Magen ist gutt fur die enge vnd kalte der prust vnd fur den husten vnd dienet dem kalten magen vnd entschleusst den Massgang verzert die vbrige feuchtigkeit Im leib Der Galgat krefftigt die dewung des Magens sterckt das Hertz vnd vertreibt die wind Im Magen Calmus ist gutt dem Magen vnd dem Hertzen vnd krefftigt die sinlichait des hirns Deumenten seind gutt dem Magen machen wol dewen vnd stercken die Natur Maseran sterckt das hirn krefftigt das Hertz vnd macht frolich gepluett Muscat wehret den dempffen so aus dem magen Inn das haupt auffgeen vnd wehret auch den flussen die vom haupt geen zimet krefftigt das hertz das hirn vnd gesicht rechtuertigt die dewung vnd vertreibt alle faule Materj Negelen stercken das hertz hirn vnd gesicht macht gutte dewung vnd benimbt das prechen Kubeben seind gutt dem Magen fur= dert den Harn vnd wehret dem gries vnd krefftigt das hauptt offnet die lebern vnd das Miltz vnd ist gutt fur die gelsucht Cardamuemlein machen gutt dewung wehren den onmachten des Hertzens vnd wohert dem vnlust vnd wulen so mans nuechtern Isset Langerpfeffer rechtuertigt die dewung des Magens arbait zum Stulgang vnd verzert die feuchtigkait Im menschen vnd die wind Im magen daraus der grim kombt etc. zucker ist gutt wider die schmertzen der prust vnd macht feucht die dirren prust wem das haupt wee thutt von Haissen sachen lindert zu dem Stul vnd hilfft fur den durst etc.
Triet

Ein „Triet“ bezeichnete hier eine trockene Gewürz-Zucker-Konfektion der Apothekertradition. Nach Grimms Wörterbuch meinte das Wort eigentlich eine weingetränkte, gewürzte Weißbrotscheibe - dieses Rezept enthält aber wie das Zwillingsrezept wo10-013 im selben Buch weder Brot noch Wein. Siehe wo10-013 für die dort dokumentierte Schweizer Parallele (Trietolt/Magenträs), die die reine Pulver-Lesart stützt.

Lot

Ein Lot war eine historische Gewichtseinheit, die regional unterschiedlich schwer war. Für diese Übersetzung wird grob mit 15 bis 16 Gramm gerechnet; ein gesicherter Entstehungsort dieser Handschrift, der eine genauere regionale Eichung stützen würde, ist nicht bekannt.

Quint

Ein Quint war eine kleinere historische Maßeinheit, die einem Viertel Lot entsprach, also etwa 3,75 Gramm.

Imber

Frühneuhochdeutsche Schreibweise für Ingwer.

Galget

Frühneuhochdeutsche Schreibweise für Galgant, eine Ingwer-ähnliche Wurzel, die als Gewürz und Heilmittel verwendet wurde.

Calmus

Kalmus, die Wurzel des Kalmusgewächses, wurde in der historischen Medizin als Magenmittel und zur Stärkung der Sinne eingesetzt.

Deumenten

Wie im Zwillingsrezept wo10-013 (derselbe Wörterbuchverweis „s. unter dau.“) bleibt die Identität ungeklärt zwischen „Dillkörner“ und „dürre Datteln“; für „Karottensamen“ gibt es keinen Wörterbuchbeleg.

Maseran

Frühneuhochdeutsche Schreibweise für Majoran.

Muscat

Frühneuhochdeutsche Schreibweise für Muskatnuss.

zimet

Frühneuhochdeutsche Schreibweise für Zimt.

Negelen

Frühneuhochdeutsche Schreibweise für Gewürznelken, die wegen ihrer Form auch „Nägelein“ genannt wurden.

Cubeben

Kubebenpfeffer, eine Pfeffersorte mit zitronig-eukalyptischem Aroma, die in der mittelalterlichen Küche und Medizin beliebt war.

Cardamuemlen

Frühneuhochdeutsche Schreibweise für Kardamom.

Langer Pfeffer

Eine alte Pfeffersorte, die in Europa vor dem Schwarzen Pfeffer verbreitet war. Er hat eine schärfere, leicht süßliche und erdige Note.

Veyelwurtz

Veilchenwurzel, das getrocknete Rhizom der Schwertlilie, wurde wegen ihres blumigen Aromas und ihrer medizinischen Eigenschaften (z.B. bei Atemwegserkrankungen) verwendet.

dewung

Verdauung.

Massgang

Vermutlich der Darm oder Verdauungstrakt (kontextuell erschlossen aus „entschleusst den Massgang“ = öffnet den Darm; kein direkter Wörterbuchbeleg).

gepluett

Gemüt oder Temperament, im Sinne der humoralen Lehre.

dempffen

Im Kontext der Humoralpathologie aufsteigende „Dämpfe“ aus dem Magen, die Kopfschmerzen oder andere Beschwerden verursachen sollten.

flussen

„Flüsse“ oder „Flusskrankheiten“ waren im Mittelalter Sammelbegriffe für verschiedene Leiden, die mit einem übermäßigen Abfluss von Körpersäften (z.B. Schleim, Eiter) in Verbindung gebracht wurden, oft vom Kopf ausgehend.

faule Materj

„Faule Materie“ bezieht sich auf die Vorstellung, dass Krankheiten durch verdorbene oder ungleichgewichtige Körpersäfte (Humores) entstehen.

brechen

Erbrechen.

gries

Bezeichnet Harnwegsgrieß oder kleine Nierensteine.

gelsucht

Gelbsucht.

onmachten des Hertzens

Ohnmacht oder Schwäche des Herzens, oft verbunden mit Schwindel oder Kollaps.

vnlust vnd wulen

Unlust und Wühlen beschreiben ein Gefühl von Unbehagen, Übelkeit oder innerer Unruhe.

grim

Frühneuhochdeutsches Fachwort für krampfartige Bauchschmerzen, Kolik („Grimmen“, vgl. Idiotikon-Beleg „grimmen“ = „Kolik“). Nicht im Sinn von „Zorn“ oder „Groll“ zu verstehen.

Haissen sachen

„Heiße Ursachen“ sind im Kontext der Humoralpathologie Krankheiten oder Zustände, die durch ein Übermaß an „heißen“ Säften (Blut, gelbe Galle) verursacht werden.

Handschrift
Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4°
Folio
Fol. 212v
Sprache
Frühneuhochdeutsch
Entstehung
Entstehungsort unbekannt, 1543
CoReMA-Handschrift

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

1/2 pfund zuckerunrefined cane sugar Q57656231
1/2 lot Imberginger Q15046077
Calmussweet flag Q158008
Maseranmarjoram Q96181239
Muscatnutmeg Q83165
zimetcinnamon Q28165
Negelenclove Q15622897
Cubebencubeb Q161927
Cardamuemlencardamom Q14625808
ein drittaill von ainem quint langen pfefferlong pepper Q685336

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartTriet

Gewählte Lesart: Reines, trockenes Apotheker-Gewürzpulver (Sammelbegriff), nicht die bei Grimm/Schmeller primär belegte weingetränkte Weißbrotscheibe - wie im Zwillingsrezept wo10-013 aus demselben Buch dokumentiert.

Andere mögliche Lesart:

  • Weingetränkte, gewürzte Weißbrotscheibe (Grimm/Schmeller-Hauptbedeutung). - Das Rezept enthält weder Brot noch Wein, nur eine trockene Gewürz-Zucker-Mischung - der Widerspruch zur Wörterbuch-Hauptbedeutung bleibt ungeklärt, wird aber durch die im Zwillingsrezept wo10-013 dokumentierte Schweizer Parallele (Trietolt/Magenträs) gestützt.

LesartDeumenten

Gewählte Lesart: Ungeklärt zwischen „Dillkörner“ und „dürre Datteln“ - wie im Zwillingsrezept wo10-013 (dieselbe Handschrift, derselbe Wörterbuchverweis „s. unter dau.“) bleiben beide Lesarten offen. Für „Karottensamen“ (Daucus carota) gibt es dagegen keinen Wörterbuchbeleg.

Lesartsinlichait

Gewählte Lesart: Als „Sinneswahrnehmung“ übersetzt, was die Fähigkeit des Gehirns zur Aufnahme und Verarbeitung von Sinneseindrücken meint.

Andere mögliche Lesart:

  • Als „Sinnlichkeit“ übersetzt. - Obwohl „Sinnlichkeit“ eine mögliche moderne Übersetzung ist, passt „Sinneswahrnehmung“ besser zum medizinischen Kontext der Stärkung der geistigen Funktionen des Gehirns.

Lesartrechtuertigt

Gewählte Lesart: Als „reguliert“ übersetzt, im Sinne von „die Verdauung ins rechte Maß bringen“.

Andere mögliche Lesart:

  • Als „rechtfertigt“ übersetzt. - Die wörtliche Übersetzung „rechtfertigt“ ist im modernen Kontext für eine Verdauungsfunktion weniger verständlich; „reguliert“ trifft die intendierte medizinische Wirkung besser.

LesartMuscat/zimet/Negelen/Cubeben/Cardamuemlen (Mengengruppe)

Gewählte Lesart: Menge unklar für die ganze Gruppe, nicht nur Cardamuemlen: Der Transkriptsatz "...Iedes 1 quint Muscat zimet Negelen Cubeben vnd Cardamuemlen Iedes 1/2 quint..." enthaelt zwei aufeinanderfolgende Iedes-Mengenklauseln, zwischen denen alle fuenf Zutaten (Muscat, zimet, Negelen, Cubeben, Cardamuemlen) stehen. In der Zutatenliste wird die ganze Gruppe konservativ der ersten Klausel zugeordnet (je 1 Quint, 3,75 g) - textlich ebenso plausibel ist aber, dass die zweite Klausel (Iedes 1/2 quint) fuer genau diese Gruppe gilt (je 1,875 g), da sie unmittelbar auf sie folgt und sonst ohne Funktion im Satz bliebe. Zusaetzliche, bisher nicht aufgeloeste Unstimmigkeit: Auch die VORANGEHENDE Gruppe (Imber Galget Calmus deumenten vnd Maseran) traegt in der Zutatenliste 7,5 g (1/2 Lot) je Zutat, obwohl direkt danach im Text "Iedes 1 quint" (3,75 g) steht - die beiden Iedes-Klauseln und die beiden vorangehenden Mengenangaben (1/2 lot, dann die beiden Iedes) lassen sich mit einer einzigen durchgehenden Lesart nicht widerspruchsfrei zuordnen. Dieses Rezept verdient ein eigenes, vertieftes Mengen-Re-Review, das hier nicht unter Zeitdruck vorgenommen wurde.

Andere mögliche Lesart:

  • 1/2 Quint (1,875 g) fuer die ganze Gruppe Muscat/zimet/Negelen/Cubeben/Cardamuemlen, und 1 Quint (3,75 g) statt 1/2 Lot (7,5 g) fuer Imber/Galget/Calmus/deumenten/Maseran. - Wuerde beide Iedes-Klauseln direkt an die ihnen jeweils am naechsten stehende Gruppe binden, ohne die vorangehende 1/2-lot-Angabe eigenstaendig neben "Iedes 1 quint" bestehen zu lassen - aendert aber neun von dreizehn Zutatenmengen und wurde nicht gegen die Handschrift selbst nachverifiziert.

Lesartnimb auff 1/2 pfund zumachen

Gewählte Lesart: Als allgemeine Rahmenangabe gelesen („nimm, um ein halbes Pfund [Mischung] herzustellen“), nicht als eigene Zutat - die spätere Nennung „1/2 pfund zucker“ am Ende der Liste bleibt die tatsächliche Zuckermenge.

Andere mögliche Lesart:

  • Dittographie/Verschreibung zur späteren „1/2 pfund zucker“-Angabe. - Zwei identische Halbpfund-Angaben im selben kurzen Rezept sind auffällig; ohne Manuskripteinsicht lässt sich nicht entscheiden, ob es sich um eine Rahmenangabe oder eine Dopplung handelt.

Originalwerk (~1543) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 212v, Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4°; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Wo10 (Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4°), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Nein: Es ist eine reine trockene Gewürzmischung ohne Kochvorgang am Feuer (kein Feuer, nur Wiegen und Mischen) - bei diesem Buch der Normalfall, kein Makel.
Alle Rezepte aus Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4° Alle Kochbücher

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Stand dieser Fassung: 20.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.