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Pflaumenmus mit Wein und scharfen Gewürzen

The Forme of Cury · England · 1390

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofkücheReisReisVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit45 Min.Portionen4-6 PersonenBuchThe Forme of Cury (~1390)

Nimm Bolas-Pflaumen und überbrühe sie mit Wein. Streiche sie anschließend durch ein Sieb, um das Fruchtfleisch zu gewinnen, und gib es in einen Topf. Kläre Honig, indem du ihn erhitzt und den Schaum abschöpfst, und füge ihn dann dem Fruchtfleisch hinzu. Würze mit „Powdour fort“ (scharfe Gewürzmischung) und rühre Reismehl ein. Salze die Mischung und garniere sie vor dem Servieren mit weißem Anis.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
bolas Bolas-Pflaumen - Wochenmarkt Zwetschgen oder Schlehen
wyne Wein - - -
hony Honig - - -
powdour fort Scharfe Gewürzmischung (Pfeffer, Ingwer, Zimt, Langer Pfeffer) - Supermarkt / Gewürzhandel -
flour of Rys Reismehl - - -
Salt Salz - - -
whyte aneys Weiße Anissamen - Supermarkt / Gewürzhandel -

Welches Gericht ist das? Ein gewürztes Pflaumenmus aus Wein und Honig, mit Reismehl gebunden - der direkte Vorfahr unseres Powidl/Pflaumenmus, nur höfisch aufgeladen mit scharfen Importgewürzen und Anis. Erbowle leitet sich vom Hauptbestandteil bolas ab (siehe unten).

bolas. Die bolas (auch bullace) sind kleine, herbe Wildpflaumen - Verwandte der Schlehe und der Kriechen-Pflaume. Moderne Entsprechung: reife Zwetschgen oder Mirabellen; Schlehen gehen auch, brauchen aber mehr Süße. Das Überbrühen mit Wein und Durchstreichen durch ein Sieb gewinnt reines Fruchtmark ohne Schalen und Kerne.

powdour fort. Die "scharfe" der beiden Standard-Gewürzmischungen der englischen Hofküche (Gegenstück zur milden powdour douce), typisch Pfeffer, Ingwer, Zimt und langer Pfeffer. Sie gibt dem süßen Mus die für mittelalterliche Süßspeisen typische süß-scharfe Spannung.

flour of Rys. Reismehl als Bindemittel - es dickt geschmacksneutral und glutenfrei, daher als Fastenspeise tauglich. Die Salzzugabe rundet die Süße ab.

Praxis. Etwa 500 g entsteinte Zwetschgen mit einem Schuss Rotwein weich köcheln, durch ein Sieb streichen. Geklärten Honig (erhitzen, Schaum abschöpfen) nach Geschmack unterrühren, eine kräftige Prise powdour fort und etwas Salz zugeben. 1-2 EL Reismehl in kaltem Wein anrühren, einrühren und unter Rühren zur dicken Mus-Konsistenz aufkochen. Zum Servieren mit weißem Anissamen bestreuen.

Was sind 'Bolas-Pflaumen' und wo bekomme ich sie?

Bolas-Pflaumen sind eine Wildpflaumenart, die in Geschmack und Aussehen Schlehen oder kleinen Zwetschgen ähneln. Sie sind heute selten im Handel zu finden. Als Alternative kannst du gut reife Zwetschgen, Mirabellen oder auch Schlehen verwenden, wobei Schlehen vor der Verarbeitung entkernt und eventuell leicht gezuckert werden sollten, um ihre Herbe zu mildern.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, sehr gut geeignet. Es benötigt nur einen Topf und ein Sieb. Das Reismehl kann bereits gemahlen mitgebracht werden. Die Zubereitung über offenem Feuer ist unkompliziert.

Was ist 'powdour fort'?

Powdour fort ist eine mittelalterliche Gewürzmischung, die für ihre Schärfe bekannt ist. Sie besteht typischerweise aus Pfeffer, Ingwer, Zimt und Langem Pfeffer. Du kannst sie selbst mischen oder eine fertige Mischung verwenden, die diesen Geschmacksprofilen nahekommt.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „The Forme of Cury“. Englisches Kochbuch der Hofköche Richard II. (~1390). Etwa 196 Rezepte der höfischen Küche Englands. Nah verwandt mit dem Ménagier de Paris - beide reflektieren die internationalisierte Küche des Spätmittelalters.

ERBOWLE . XX.IIII Take bolas and scald hem with wyne and drawe hem with a straynour do hem in a pot, clarify hony and do þerto with powdour fort. and flour of Rys. Salt it & florish it with whyte aneys. & serue it forth. Erbowle. Perhaps from the _Belas_, or Bullace employed. with, i.e. thurgh or thorough.
bolas

Eine Art Wildpflaume, ähnlich der Schlehe oder Zwetschge.

powdour fort

Eine mittelalterliche scharfe Gewürzmischung, typischerweise aus Pfeffer, Ingwer, Zimt und Langem Pfeffer.

whyte aneys

Weiße Anissamen, die zum Würzen und Garnieren verwendet wurden.

Handschrift
The Forme of Cury
Folio
Fol. 47 recto
Sprache
Mittelenglisch
Entstehung
England, 1390

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

wynewine Q282
honyhoney Q10987
flour of Rysrice flour Q1269205
Salttable salt Q11254

Originalwerk (~1390) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 47 recto, The University of Manchester Library, English MS 7 (John Rylands Library)
Transkription
Project Gutenberg - The Forme of Cury (ed. Samuel Pegge, 1780) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.