Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 793 · Unteres Inntal (Mühldorf am Inn), Bayern · 1445
Ein gutes Käse-Rezept: Wenn du den Topfen mit der hohlen Hand in den Käsekasten gibst, so salze ihn nach jeder Handvoll. Und zuletzt salze ihn außen rundherum. Der Käse liegt dann ein ganzes Jahr und verdirbt nicht.
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| dy topfen | Topfen | - | Supermarkt | Quark oder Frischkäse |
| salcz | Salz | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Kein fertiges Gericht, sondern eine Konservierungstechnik: roher Topfen wird handvollweise in eine Käseform gegeben, dabei durchgehend gesalzen und zuletzt auch außen eingesalzen, um ihn ein Jahr haltbar zu machen. Verwandt sind trocken gesalzene Sauermilch- und Quarkkäse, wie sie vereinfacht bis heute in alpinen und süddeutschen Bauernküchen vorkommen - kein gereifter Labkäse, sondern ein gesalzener Frischkäseteig.
Käsekasten oder Käseform? 'Chaskar' ist wörtlich ein Gefäß zur Käseherstellung; ob es sich um einen festen Kasten oder eine formende Presse handelte, lässt der Begriff offen. Beide Lesarten sind vertretbar - entscheidend ist nur, dass der Topfen darin schichtweise gesalzen und verdichtet wird.
Praxis. Topfen handvollweise in eine Käseform oder -schale geben und nach jeder Lage salzen, damit die ganze Masse gleichmäßig durchsalzt wird - das entzieht Feuchtigkeit und hemmt Fäulnis. Zum Schluss außen rundherum nachsalzen, damit sich eine schützende Salzkruste bildet. Kein Kochen, kein Feuer nötig - die Handlung selbst dauert nur wenige Minuten. Der fertige Rohling ist aber kein Sofort-Verzehr-Gericht: Das Rezept verspricht ein Jahr Haltbarkeit, wofür kühle, trockene Lagerung (Kühlschrank oder kühler Keller) empfehlenswert ist. Zum Auspressen der Molke kann die Form zusätzlich beschwert werden, auch wenn der Text das nicht ausdrücklich verlangt.
Topfen ist der süddeutsche und österreichische Begriff für Quark oder Frischkäse. Du findest ihn in jedem Supermarkt im Kühlregal.
Ja, Goldstandard. Die Zubereitung ist denkbar einfach und erfordert nur Topfen, Salz und eine Käseform. Das Ergebnis ist ein haltbarer Käse, der sich hervorragend für die Lagerhaltung eignet und ein ganzes Jahr lang nicht verdirbt.
‚Gauffe' (oder ‚Goufe') ist ein mittelhochdeutscher Begriff für die hohle Hand oder eine Handvoll. Hier dient es als einfaches Maß, um den Topfen schichtweise in die Käseform zu geben und zu salzen.
Dieses Rezept stammt aus dem Haus- und Arzneibuch (Ka2) (15. Jh., Unteres Inntal (Mühldorf am Inn), Bayern). CoReMA-Handschrift Ka2: Rezeptteil (fol. 27v-28v + 94r-98r, zwei getrennte Lagen) des "Haus- und Arzneibuch" genannten Sammelbandes, Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 793 - 56 Rezepte, mittelbairisch (unteres Inntal/Mühldorf am Inn), ca. 1445-1470. Anders als das alemannische Ka1 (Reichenauer Kochbuch) aus derselben Bibliothek - Cross-Link-Potential zu den anderen mittelbairischen CoReMA-Büchern (ri15632/Rott am Inn, m5919/Regensburg).
Bezeichnet Quark oder Frischkäse, der in süddeutschen und österreichischen Dialekten bis heute als ‚Topfen' bekannt ist.
Die ‚Gauffe' (auch ‚Goufe') bezeichnet die hohle Hand oder eine Handvoll. Hier als Maß für die Menge des Topfens, die schichtweise gesalzen wird.
Ein ‚Käsekasten' oder ‚Käsekar' ist eine Form oder ein Behälter, in dem Käse gepresst und geformt wird.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
chaskar
Gewählte Lesart: Käsekasten. Der Begriff ‚chaskar' (mhd. ‚kæsekar') bezeichnet einen Behälter, in dem der Käse geschichtet und gepresst wird.
Andere mögliche Lesart:
Lagerbedingungen über das Jahr
Gewählte Lesart: Der Text nennt keine expliziten Lagerbedingungen, nur dass der Käse ‚ein ganzes Jahr liegt und nicht verdirbt'. Für die moderne Praxis empfiehlt sich kühle, trockene Lagerung (Kühlschrank oder kühler Keller).
Andere mögliche Lesart:
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