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Wein-Honig-Sauce zu Brathuhn

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 7/10
Zubereitungszeit60 Min.Portionen4 PersonenBuchKochbuch des Meisters Hans (~1460)

Noch eine Sauce. Ebenso eine Sauce aus Wein und Honig: Lege gebratene Hühner hinein und reiche sie.

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
wein Wein - - -
honig Honig - - -
prattne huner gebratene Hühner - Metzger Fertig gebratenes Hähnchen vom Vortag verwenden

Welches Gericht ist das? Ein Brathuhn in süßer Weinsauce - der Vorfahr der süßen Wein-Honig-Jus zu Geflügel. Wein und Honig bilden eine schlichte süß-saure Begleitsauce, in die bereits gebratene Hühner gelegt und sofort gereicht werden. Der Kern - Wein und Honig, ohne Bindung, ohne Gewürzliste - ist so knapp gehalten, dass es eher eine Grundformel als ein ausgearbeitetes Saucenrezept ist. Verwandt mit der Familie süß-fruchtiger Geflügelsaucen, aber ohne deren Gewürz- oder Fruchtzusätze: hier steht die pure Wein-Honig-Basis.

Wird die Sauce erhitzt? Der Text nennt kein Kochverb für die Sauce, nur "ein condiment von wein vnd von honig". Ob die Mischung erwärmt oder kalt angerührt wird, sagt die Vorlage nicht. Praktisch löst sich Honig in kaltem Wein schlecht, deshalb ist ein sanftes Erwärmen die naheliegende Küchenpraxis - das ist aber eine Schlussfolgerung aus der Praxis, nicht aus dem Wortlaut. Ein Einkochen oder Reduzieren steht erst recht nicht im Rezept, anders als bei verwandten Sud-Rezepten, die ausdrücklich ein "mache ein sud" verlangen.

Praxis. Wein und Honig kurz sanft erwärmen und verrühren, bis sich der Honig gelöst hat. Die gebratenen Hühner hineinlegen, mit der Sauce benetzen und sofort servieren. Die Sauce ist dünnflüssig und ungebunden - das ist für einen condiment korrekt und zeittypisch, es braucht kein Bindemittel.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, mit kleiner Einschränkung: Wein und Honig sind schnell verrührt, aber es braucht frisch gebratenes Huhn dazu - entweder mit Zeit am Feuer selbst gebraten oder ein bereits vom Metzger gebratenes Hähnchen, das nur noch in die Sauce gelegt wird.

Was bedeutet "gelid" in diesem Rezept?

Das Wort ist keine gesicherte Standardform. Am plausibelsten ist eine Verbform von "legen" im Sinn von "lege hinein" - im Wörterbuch findet sich sonst nur das ähnlich klingende, aber inhaltlich unpassende "gelit" (Körperglied).

Was ist ein "condiment" im mittelalterlichen Sinn?

Anders als das moderne "Kondiment" meint "condiment" hier eine Sauce, die zu gebratenem Fleisch oder Geflügel gereicht wurde - im Kochbuch des Meisters Hans ein eigener kleiner Sauce-Typus. Ob eine solche Sauce warm oder kalt gereicht wurde, hängt vom Einzelrezept ab; hier ist es eine einfache Mischung aus Wein und Honig.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.

Aber ein condiment Item ain condiment von wein vnd von honig dar zue gelid darInne prattne huner vnd gib sy hin .
condiment

Hier Bezeichnung für einen Saucen-Typus (nicht "Würzmittel"); durch die CoReMA-Sachglossen korpusweit als "Sauce" (Wikidata Q178359) belegt. Annotationswürdig, weil die Bedeutung vom modernen "Kondiment" abweicht.

gelid

Crux und Hapax (nur hier belegt): am plausibelsten eine Verbform zu "legen" (evtl. Partizip "geleit"/"gelegt"), Sinn "lege/gelegt darin". Das lexikalisch naheliegende "gelit" (Körperglied/Gelenk, so als Hauptlemma im MHDBDB) ergibt im Kontext keinen kulinarischen Sinn. Unsicherheit bleibt.

gib sy hin

Standardformel für "serviere/reiche sie" am Ende vieler Rezepte des Meisters Hans.

Handschrift
Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch
Folio
Fol. 046v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)
Entstehung
Württemberg / Basel, 1460
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartErhitzen der Wein-Honig-Sauce

Gewählte Lesart: Wein und Honig werden sanft erwärmt und verrührt, bis sich der Honig gelöst hat, bevor das Bratgeflügel hineinkommt - die praktische Standardlösung, da sich Honig in kaltem Wein schlecht löst.

Andere mögliche Lesart:

  • Wein und Honig bleiben eine kalte, ungekochte Mischung, in die das noch warme Bratgeflügel gelegt wird. - Der Text nennt kein Kochverb für die Sauce; diese Lesart ist lexikalisch nicht ausgeschlossen, praktisch aber unpraktisch, da sich Honig kalt schlecht löst.

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 046v, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Am Feuer gut machbar: Das Huhn lässt sich am Spieß braten, die Wein-Honig-Sauce wird nur verrührt und allenfalls kurz erwärmt. Nichts davon ist auf Haltbarkeit angelegt - frisch gebratenes Geflügel wird zum Servieren hineingelegt. Geflügel am Markttag besorgen, den Rest erledigt der Topf.
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