Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Gegen Sodbrennen: Für das Brennen im Magen ist es gut. Iss dazu rohe Erbsen gegen den Sod.
Gegen den reißenden Harnstein: Iss rohe Eicheln gegen den reißenden (das heißt: schmerzhaft-krampfartigen) Harnstein.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| grun arbaiss | Rohe Erbsen | - | - | - |
| grun aicheln | Rohe Eicheln | - | Wald | - |
Nein, es ist gar kein Kochrezept, sondern ein medizinischer Hausmittel-Hinweis aus dem Kochbuch: rohe Erbsen gegen Sodbrennen, rohe Eicheln gegen den schmerzhaften Harnstein. Es gibt nichts zuzubereiten oder am Feuer zu garen.
'Sod' meint das brennende Gefühl im Magen oder in der Speiseröhre, also das, was heute 'Sodbrennen' genannt wird. Das Wort ist mit 'sieden' verwandt und beschreibt das gefühlte 'Kochen' im Inneren.
Eicheln galten meist als Notnahrung in Hungerjahren oder als Schweinefutter, nicht als reguläre Speise. In diesem Eintrag werden sie aber gezielt roh als Arznei gegen den Harnstein empfohlen, unabhängig von ihrer sonstigen Rolle als Nahrungsmittel.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
Mhd./fnhd. 'Sod' bezeichnet das Brennen im Magen oder in der Speiseröhre, verwandt mit 'sieden'. Bis heute erhalten im Wort 'Sodbrennen'.
Hier nicht 'grün' als Farbe, sondern 'roh, unverarbeitet' - die Erbsen und Eicheln sollen ungekocht gegessen werden.
'Reißend' beschreibt den krampfartig-stechenden Schmerz. 'Harnstein' (vermutlich Nieren- oder Blasenstein) ist trotz der ungewöhnlichen Schreibung kein Hapax legomenon: Das Lexer Mittelhochdeutsche Handwörterbuch belegt 'harnstein' bei Berthold von Regensburg sowie in Haupts Arzneibuch, das Schweizerische Idiotikon führt es sogar mit Querverweis auf 'risend' (= reißend) - passend zur hier vorliegenden Kollokation 'reißender Harnstein'.
Eicheln, die Früchte der Eiche, dienten im Mittelalter auch als Arznei. Roh sind sie durch ihren Gerbstoffgehalt bitter-adstringierend, weshalb sie als Nahrung meist erst gewässert oder geröstet wurden - hier aber ausdrücklich roh als Heilmittel gedacht.
Imperativ 'iss' (2. Person Singular von 'essen').
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.
Stand dieser Fassung: 17.07.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.